Wer schiesst die Tore und wer verhindert sie?

Do, 30. Jul. 2020
Aniki Erismann, geboren am 14. Februar 2004. Sie gehört in der neuen Saison zum Kader des SC Reinach und dürfte eine der jüngsten Torhüterinnen in der SWLA sein. (Bild: zVg.)

Den SC Reinach Frauen steht eine schwierige Saison bevor. Rahel Enzler, Noemi Ryhner, Evelina Raselli, Lena Lutz und die Geschwister Chelsea und Raschelle Bräm haben den Club verlassen. Die sechs Spielerinnen erzielten in der vergangenen Spielzeit 74 der 143 Scorerpunkte. Die Suche nach Verstärkung auf dem Eis läuft und auch an der Bande kommt es zu einem Wechsel.

rc. Am Wochenende traf sich das Schweizer Frauen-Nationalteam in Cham zum ersten Zusammenzug der neuen Saison. Das Treffen bildet den Startschuss im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022 und ist der erste offizielle Eishockey-Anlass der neuen Saison. Headcoach Colin Muller hat ein Kader von 28 Spielerinnen aufgeboten, darunter auch die 28-jährige SC- -Spielerin Sandra Thalmann, die aus organisatorischen Gründen aber nicht nach Cham reisen konnte. Neben Nadine Hofstetter (sie spielte zuletzt für die U18-Nati) die einzige Spielerin aus dem Oberwynental im Nationalteam.

Evelina Raselli wieder in der Schweiz

Im Sommer-Camp hätte Thalmann nur mit «ehemaligen Reinacherinnen» trainieren können. Zum Beispiel mit Rahel Enzler, deren Wechsel von Reinach zum Frauen-Eishockeyteam der University of Maine, den Black Bears, im Frühjahr 2020 bekannt geworden ist. Die Walchwilerin – sie feiert heute, am 30. Juli 2020 ihren 20. Geburtstag – will in den USA studieren und erhält ein Stipendium; sie musste den Umzug wegen der Corona-Pandemie aber vorläufig auf Mitte August verschieben.

Oder mit Evelina Raselli, die bereits Ende 2019 von Reinach zu Brynäs IF gewechselt hatte. Die Schweden wollten den Vertrag mit der Stürmerin auf die Saison 2020/21 hin jedoch nicht mehr verlängern. So ist Raselli wieder in der Schweiz gelandet, bei den HC Lugano Ladies, wo die Puschlaverin bereits von 2008 bis 2018 unter Vertrag stand. Im Tessin wird Raselli mit Noemi Ryhner auf Torjagd gehen, die in der neuen Saison ebenfalls nicht mehr beim SC Reinach, sondern im Tessin spielen wird.

Weitere Abgänge beim SCR

Damit nicht genug der Abgänge: Auch Lena Lutz will den Club in unbekannte Richtung verlassen. Und nach sechs Jahren im Oberwynental zieht es Chelsea und Raschelle Bräm nach Zürich. Die beiden Schwestern haben neue Verträge bei den ZSC Lions unterschrieben. «Die Entscheidung ist den Zwillingen nicht leicht gefallen und es sind auch dicke Tränen geflossen», sagt Reinachs technische Leiterin Sibylle Erismann auf Anfrage. «Ich respektiere die Entscheidungen der Spielerinnen und wünsche ihnen am neuen Ort viel Erfolg.» Im Falle der Bräm-Schwestern war der lange Weg ins Training ausschlaggebend für einen Wechsel. Die Zwillinge werden künftig in der Stadt Zürich arbeiten und auch dort leben. Weite Anreisen ins Training kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Ein grundsätzliches Problem in der höchsten Schweizer Eishockey-Liga, in der kaum eine Spielerin etwas mit dem Sport verdient.Wenn überhaupt, lassen sich die Kosten mit Sponsorenbeiträgen decken, doch die meisten Spielerinnen legen drauf, so auch in Reinach. Hier kostet ein Platz im Kader 1200 Franken pro Jahr. «Die Spielerinnen haben den Auftrag gefasst, einen persönlichen ‹Götti› zu finden, der 300 Franken davon übernimmt», erklärt Erismann. Der Sponsor werde dann bei einem Tor der Spielerin auf Wunsch erwähnt. Eine sympathische Aktion, die das Engagement der jungen Sportlerinnen auf höchstem Niveau wenigstens ein bisschen honorieren könnte.

Vier Zuzüge bekannt Trainerposten ist noch vakant

Es gibt aber auch Zuzüge zu vermelden. Zurück aufs Eis kommt bei den SCR Frauen Stefanie Marty, die zuletzt als Assistenztrainerin an der Bande im Einsatz stand. Sie ist die Zwillingsschwester von Julia Marty und zusammen bringen die beiden Cracks dank Teilnahmen an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen eine enorme Erfahrung aufs Eis. Nach einer Pause will auch Stefanie Steiner wieder dem Puck nachjagen. Zuletzt spielte die 28-jährige Verteidigerin bei Lugano und Brandis. Mit Jade Dübi (19, zuletzt Lugano) und der erst 16-jährigen Aniki Erismann (eigener Nachwuchs, zuletzt in Langenthal), wird das Team um zwei junge Torhüterinnen ergänzt. «Wir sind weiterhin auf der Suche nach Spielerinnen, denen wir im Oberwynental eine sehr gute Infrastruktur und viele Einsatzminuten bieten können», gibt sich Sibylle Erismann zuversichtlich, was die Kaderplanung angeht. Man habe darüber hinaus eine engere Zusammenarbeit mit dem B-Ligisten EHC Sursee vereinbart.

Sorgenfalten bereitet ihr derzeit noch der Trainerposten. Der bisherige Headcoach Peter Küng will sich neben der hauptberuflichen Tätigkeit, als Eismeister in der Reinacher Sporthalle, auf die Arbeit als Schiedsrichter-Einteiler der höchsten Schweizer Eishockey-Ligen konzentrieren. «Ich habe mich zu Gunsten meiner Arbeit für Swiss Ice Hockey vom Team zurück gezogen», sagt er gegenüber dem WB. Auch hier fehlt dem SCR Geld, denn der Posten des Trainers oder der Trainerin lässt sich nicht nur im Ehrenamt erbringen. Von einem tiefen fünfstelligen Betrag ist die Rede. Ein Götti, oder besser noch ein Sponsor, ist bei den SCR-Frauen deshalb sehr willkommen und nicht zu sagen: zwingend nötig.

Sasionstart am 27. September

Für Sandra Thalmann und Nadine Hofstetter, die beiden verbliebenen Nati-Spielerinnen aus Reinach, geht es nach dem verpassten «Summer Camp» mit dem Nationalteam in einem Monat weiter: Vom 25. bis 29. August findet in Kloten ein Vierländer-Turnier statt, an dem die Schweiz auf Deutschland, Frankreich und Ungarn trifft.

Die SCR-Frauen sind bereits seit Juni im gemeinsamen Training und gehen am 18. August erstmals wieder aufs Eis. Am Wochenende von 22. und 23. August stehen zwei Testspiele gegen die Mad Dogs Mannheim an, ehe es Anfang September für vier Tage ins Trainingslager nach Küsnacht geht. Das erste Meisterschaftsspiel findet dann am Sonntag, 27. September um 15 Uhr gegen die Thurgau Indien Ladies statt. Das neu geschaffene Team mit Leistungszentrum in Kreuzlingen übernimmt den Startplatz des SC Weinfelden, der jetzt in der SWLB spielt.

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