«Ich liebe es, im Namen Gottes unterwegs zu sein»
14.08.2025 Seetal, Leutwil, DürrenäschZum Gespräch mit dem Wynentaler Blatt kommt Michael Freiburghaus auf seinem roten E-Bike die Strasse entlang geflitzt. «Schon fast ein Markenzeichen», erklärt er beim Absteigen, «denn ich bin gerne in Bewegung.» Eine Momentaufnahme zum ...
Zum Gespräch mit dem Wynentaler Blatt kommt Michael Freiburghaus auf seinem roten E-Bike die Strasse entlang geflitzt. «Schon fast ein Markenzeichen», erklärt er beim Absteigen, «denn ich bin gerne in Bewegung.» Eine Momentaufnahme zum 10-Jahr-Dienstjubiläum.
grh. «Ich wusste schon mit 15 Jahren, dass ich Pfarrer werden will», erinnert sich Michael Freiburghaus. «Es war die Zeit vor der Konfirmation, als man mit der Teilnahme an christlichen Aktivitäten Punkte sammelte.» In einem Lager erlebte er, wie sich ein anderer Teilnehmer zu Gott bekannte. «Das hat mich tief berührt. Von da an war mein Berufswunsch klar.» Wie hat das Umfeld reagiert? Michael Freiburghaus lächelt sachte. «Es war irgendwo zwischen überrascht und schockiert, weil die Familie das einfach nicht erwartet hat.» Die Situation habe sich aber mit jedem Schritt zum Beruf weiter entspannt. «Für meine Gymi-Kollegen in der Kanti war mein Berufswunsch sogar praktisch», jetzt schmunzelt er ausgiebig. «Wir waren zwei Michaels in der Klasse, zur Unterscheidung nannte man mich einfach Pfarrer.»
Michael Freiburghaus absolviert die Kanti in Wohlen, studiert in Basel, kommt zum Militär, wird dann Offizier (Leutnant). «Mir ist bewusst, dass es Gründe gibt, sich schlecht mit dem Militär anfreunden zu können. Aber ich habe viel über strukturierte Abläufe und Organisation gelernt. Nicht zu vergessen die tiefe Kameradschaft.» Bevor «Insider»-Wissen Michael Freiburghaus 2015 nach Leutwil-Dürrenäsch bringt, arbeitet er ein Jahr in Zürich-Altstetten und eineinhalb Jahre im Gäu bei Egerkingen. «Das war ein Kontrastprogramm. Beispielsweise wirkt sich der Lebensraum auch auf berufliche Strukturen aus. Sei es die Vielfalt an Arbeitsplätzen oder Anfahrtswege.» Als Pfarrer müsse man sich überlegen, in welcher Form man die Menschen am besten erreiche. «Dafür muss man auch Bedürfnissen Rechnung tragen.»
Ein lang gehegter Wunsch
Aber wie hat er nun eigentlich zur Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch gefunden? Wieder lächelt Michael Freiburghaus bei der Erinnerung. «Mein Vorgänger Thomas Hurni und mein Schwiegervater kannten sich. Sie trafen sich im Rahmen des Berner Pfarrkapitels (Sitzung der Pfarrer). Thomas Hurni schwärmte von der Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch und mein Schwiegervater schlug mir vor, ich solle mich dort bewerben.» Für Michael Freiburghaus erfüllt sich mit dem Amt ein langgehegter Wunsch. «Es ist das Geschenk der Verantwortung. Mit allem, was man tut, kann man etwas bewirken.» Dann zu erleben, wie Gott seine Kraft im Leben der Menschen entfalte, sei das Schönste überhaupt. «Was am Anfang von aussen unscheinbar wirkt, entpuppt sich stets als grundlegend.»
Zehn Jahre führt Michael Freiburghaus die reformierte Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch zusammen mit der Sozialdiakonin Regula Fässler sowie der vierköpfigen ehrenamtlichen Kirchenpflege. Am Sonntag, 17. August ist der Jubiläumsgottesdienst. Was fällt ihm beim spontanen Rückblick ein? «Die Seelsorge hat unterdessen einen starken Platz bei Frauen und Männern eingenommen.» Das Vertrauen zwischen den Menschen und ihm als Pfarrer sei gewachsen, erstarkt. «Zwei Erlebnisse, die für mich als Person als auch als Pfarrer eine Bereicherung darstellten, waren die «Life on Stage»- Musicals, an denen ich mitgearbeitet habe.» Die Energie des Glaubens spiele auf allen Bühnen die Hauptrolle. «Spielen, Singen, Reisen, Kochen – Gott bereichert jeden Moment.»
Investition in die Zukunft
Michael Freiburghaus initiiert die Gründung eines Förderkontos in der Gemeinde. «Dank dieses Geldes können Sozialdiakone, die noch in der Ausbildung sind, für ein Praktikum angestellt werden.» Zu deren fixen Aufgaben gehöre unter anderem die Organisation des Kinder-Spielweekends. «Es ist eine doppelte Investition in die Zukunft. Eine von verschiedenen möglichen Antworten auf die Frage «Was kannst du jetzt tun, damit es der Kirche in 50 Jahren gut geht?».»
Doch Michael Freiburghaus arbeitet an mehr als nur einer Antwort. «Ich spreche in meinen Predigten beispielsweise nicht von Kirchgemeinde, sondern von Kirchenfamilie. Jeder, der möchte, kann teilhaben und sich einbringen.» Sein Gesicht wird ernst. Dieses Miteinander sei auch der Kontrapunkt zur stetig wachsenden Einsamkeit. Als Pfarrer erlebe er die Achterbahnfahrt der Gefühle: Taufe, Konfirmationen, Hochzeiten, aber auch Krankheit, Leid und Abdankungen. «Kürzlich sind zwei Freunde von mir gestorben, die ich beerdigen musste. Eine neue Erfahrung für mich.»
Jesus, der die Menschen mit seiner Liebe beschenken will – nicht ohne Grund wählte Freiburghaus dies als Thema seines Jubiläumsgottesdienstes. «Ich bin dankbar, mich auf Gottes Führung verlassen zu dürfen. Dankbar, dass er mir hilft, die richtigen Worte zu finden, wenn sie mir fehlen.» Michael Freiburghaus lächelt wieder. Es wirkt, als sähe er schon heute, wie er künftig mit dem Velo zu den Menschen seiner Kirchenfamilie unterwegs ist.


