«Das Speiserestaurant Hallwyl bleibt, wie es ist!»
18.09.2025 Seetal, SeengenSeit das Speiserestaurant Hallwyl in Seengen vor gut fünf Jahren an den umtriebigen Investor Hermann Alexander Beyeler verkauft wurde, gibt es Gerüchte, dass das Hotel und das geschätzte Restaurant geschlossen würden. Sowohl Beyeler als auch die erfahrene Gastgeberin ...
Seit das Speiserestaurant Hallwyl in Seengen vor gut fünf Jahren an den umtriebigen Investor Hermann Alexander Beyeler verkauft wurde, gibt es Gerüchte, dass das Hotel und das geschätzte Restaurant geschlossen würden. Sowohl Beyeler als auch die erfahrene Gastgeberin Luzia Finazzi machen klar: Hier bleibt alles so, wie es ist.
rms. Familien, Reisegruppen und Ausflügler finden rund um den Hallwilersee zahlreiche Möglichkeiten für gemütliche Wanderungen oder spannende Abenteuer. Das Hotel und Speiserestaurant Hallwyl in Seengen, in unmittelbarer Nähe zum See und zum Schloss Hallwyl, empfiehlt sich dabei als Zwischenhalt oder Reiseziel, für Feste und Bankette oder für den gemütlichen Abend zu zweit. Gastgeberin Luzia Finazzi und ihr eingespieltes Team kennen die Wünsche ihrer Gäste. Eine ausgezeichnete Küche trägt das ihre zum Erfolg des traditionsreichen Betriebs bei. Die Fischchnusperli – während der corona-bedingten Schliessung das einzige Angebot, das damals im Imbisswagen auf dem Parkplatz über die Theke gehen konnte – gehören noch heute zu den Rennern auf der Speisekarte. Oder das gar nicht mehr so geheime Geheimrezept der legendären Salatsauce. Sie habe es schon vielen Gästen mitgegeben, aber alle bestätigten: «So gut wie aus der Hallwyl-Küche gelingt sie nirgends.»
Seit bald 48 Jahren
Das Geschäft läuft gut – so gut, dass Luzia Finazzi einmal von einem Inserateverkäufer gefragt wurde, warum sie denn trotz meist vollen Tischen immer noch Werbung schalte, antwortete: «Weil ich mir die Inserate leisten kann.» Der Schalk in ihren Augen blitzt kurz auf und lässt erkennen, dass sie ihr Geschäft versteht. Kein Wunder, ist sie doch schon seit fast 50 Jahren mit dem Restaurant Hallwyl verbunden.
Nachfolgelösung wird aufgebaut
So lange sie könne, mache sie weiter. Wohl seien intern einige in Aus- und Weiterbildungen, um zu übernehmen, wenn die Zeit gekommen sei. Der Ablösungsprozess sei aufgegleist und es sei klar, dass es weiter gehe, erzählt Luzia Finazzi dem Wynentaler Blatt anlässlich eines Gesprächs. Mit am Tisch sitzt Hermann Alexander Beyeler, finanzstarker Investor, Gastrounternehmer, Kunstmäzen und Schriftsteller. Er hat Finazzis Betrieb vor gut fünf Jahren gekauft. Auch er bestätigt, dass am bewährten Konzept des Hallwyl festgehalten werden soll. Doch zu ihm später mehr.
Die Vollblut-Gastronomin
Luzia Finazzi, geborene Zindel, die heute 78-jährige Vollblut-Gastronomin – im bündnerischen Maienfeld aufgewachsen, was noch immer in ihrem Dialekt zu hören ist – lernte 1977 Battista «Badi» Engel kennen. Noch im selben Jahr heirateten die beiden, übernahmen das Hallwyl, und ab Dezember stand Luzia Engel als Köchin und Wirtin im Einsatz. Als ihr Mann Badi im Februar 1983 starb, führte sie den Betrieb mit ihren Angestellten vorerst allein weiter.
Mit ihrem zweiten Mann Hermo Finazzi realisierte Luzia Finazzi ab 1985 die Restaurant- und Hotelerweiterung. Der Pferdestall – bis 1925 hielten Postkutschen vor dem um 1862 erbauten Haus und die Pferde wurden gewechselt – musste weichen, ebenso der altehrwürdige Kinosaal. Dafür wurden die Küche erweitert, die sanitären Anlagen erneuert und der Hotelbetrieb wurde auf mehrere Zimmer mit heute 16 Betten ausgeweitet. Inzwischen wurde die schöne, lauschige Terrasse zum Parkplatz hin angebaut. Alle Umbauten und Erweiterungen hatten zum Ziel, die Gäste bestmöglich zu beherbergen, zu bewirten und zu verwöhnen. Etwas, das Luzia Finazzi und ihr Team bestens beherrschen. Tagtäglich steht sie unermüdlich im Einsatz, dirigiert ihre Mitarbeitenden, unterhält sich mit Gästen und hält die Fäden in der Hand, obwohl ihr das Laufen sichtlich schwerfällt.
«Sie ist ein Engel»
Zurück zum neuen Besitzer Herrmann Alexander Beyeler. Ihn ärgert, wenn er von Luzia Finazzi hört, dass Gäste verunsichert fragen, wann denn das Hallwyl schliesse. Solche Anfragen kämen in letzter Zeit häufiger. Sei es, weil der Seenger «Rebstock» auch einer Überbauung weichen soll, sei es, weil das Hallwyl mit dem Seehotel Hallwil in Beinwil verwechselt wird, von dem kürzlich bekannt wurde, dass es per Ende 2025 «bis auf Weiteres» schliessen wird. Beyeler denkt nicht daran, das Hallwyl zu schliessen. «Im Moment läuft alles gut. Der Betrieb wird von Luzia Finazzi hervorragend dirigiert. Das Hallwyl ist eine Quelle der Ruhe und Geborgenheit – und ein Ort, an dem Gourmets verwöhnt werden.» Finazzi habe dafür so viel gearbeitet, das müsse man einfach goutieren. «Sie ist ein Engel!»
«Wenn es den Leuten gut geht, geht’s mir auch gut»
Gastrounternehmer Beyeler, der mit seiner BR Immobilien AG weitere Gastrobetriebe in den Kantonen Baselland und Tessin besitzt, bezeichnet sich selber als Philanthrop. «Wenn es den Leuten gut geht, geht’s mir auch gut», sagt er. Beyeler ist mit Immobiliengeschäften, Glück und einem feinen Gespür für gute Geschäfte zu einem Millionen-Vermögen gekommen. Er, der einstige Autolackierer, geniesst es, wenn er heute den Klassenkameraden, die ihn früher mit «jo jo dr Beyeler» belächelten, ein Zvieri spendieren kann. «Was ich will, bekomme ich», sagt der bald 73-jährige Luzerner. Wenn er ein Lokal betritt, kann es vorkommen, dass er dem Wirt sogleich ein Kaufangebot unterbreitet. Sein Firmenimperium umfasst zirka 350 Mitarbeitende – er bezeichnet sie als Familienmitglieder, und wenn er ihnen in einer Notsituation helfen kann, dann tut er es. Wenn der gottgläubige Mann mit guten Kontakten in den Vatikan etwas sagt, dann glaubt man ihm. So auch, wenn er sagt: «Das Hallwyl ist wie eine sprudelnde Quelle. Und bei einer funktionierenden Quelle kommt niemand auf die Idee, das Wasser umzuleiten und zu riskieren, dass die Quelle versiegt.»
Quelle: «Heimatkunde aus dem Seetal», Verlag der Historischen Vereinigung Seetal, Seengen (2000)





