«Ich hätte nie damit gerechnet»
27.11.2025 Seon3000 Kilometer allein unterwegs, dabei nur das Allernötigste: das Velo zum Vorankommen, ein Zelt und ein Rucksack voller Gepäck. Was für viele unvorstellbar ist, ist für andere ein Traum. Der Seoner Alexander Kapoun machte genau dies im Sommer und sammelte gleichzeitig ...
3000 Kilometer allein unterwegs, dabei nur das Allernötigste: das Velo zum Vorankommen, ein Zelt und ein Rucksack voller Gepäck. Was für viele unvorstellbar ist, ist für andere ein Traum. Der Seoner Alexander Kapoun machte genau dies im Sommer und sammelte gleichzeitig Geld für den Seoner Wald.
Schweizerinnen und Schweizer sind im Durchschnitt etwa 900 Meter am Tag mit dem Velo unterwegs. Das sagt zumindest eine Studie des Bundesamts für Statistik von 2021. Das wären 328,5 Kilometer im Jahr. Alexander Kapoun aus Seon legte in diesem Sommer fast neunmal so viele Kilometer zurück bei seiner Tour nach Portugal. Während 39 Tagen fuhr er über Stock und Stein, ausgerüstet nur mit dem Nötigsten. Bikepacking nennt sich das, was der 30-Jährige gemacht hat.
«Mich fasziniert, dass man beim Bikepacking alles dabei hat zum Leben», sagt Alexander Kapoun im Gespräch. Sofort merkt man ihm an, dass er die Velotour nach Portugal in guter Erinnerung hat und er gerne daran denkt. Es ist aber nicht das erste Mal, dass er mit dem Velo auf Reisen war: «Im letzten Jahr bin ich mit meiner Partnerin nach Italien gefahren und auch vorher war ich schon öfters mit dem Velo unterwegs.»
100 Kilometer am Tag
Doch diesmal handelte es sich nicht nur um eine Veloreise zum Spass: Alexander Kapoun sammelte gleichzeitig Geld für die Aufforstung eines Stücks des Seoner Waldes. «Die Idee für das Crowdfunding entstand im Betrieb», erklärt er. Als Zimmermann und Projektleiter ist Alexander Kapoun bei der Wacker Holzbau GmbH in Seon tätig. Der Wald ist ihm dementsprechend wichtig. «Ich habe mit Marcel Hablützel gesprochen.» Die Idee kam beim Revierförster und der Forstbetriebsgemeinschaft Region Seon gut an und das Projekt nahm seinen Lauf.
«Die Grundidee war, dass ich rund 100 Kilometer am Tag zurücklege», erklärt Alexander Kapoun. Von seinem Arbeitgeber hat er 8 Wochen Zeit für die Velotour nach Portugal erhalten, somit war auch genügend Zeit für eine Pause oder einige Tage Entspannung am Ziel einberechnet.
«Ich kann es nur empfehlen», sagt Alexander Kapoun begeistert über seine Velotour. Er gehe auch auf jeden Fall wieder mit dem Velo in die Ferien, betont er, aber: «Ich würde nicht mehr allein gehen. Das Verarbeiten des Erlebten ist allein viel schwerer.» Auch hat er gelernt, dass Wildcampen auf Dauer nichts für ihn ist. «Ich konnte da nicht richtig abschalten.» Daher verbrachte er die Nächte auf dem Weg in den Süden auf Campingplätzen oder in Hotels und Airbnbs.
Freudenschreie, Platten und Entzündungen
Die vielen Eindrücke, die er auf seiner Reise gesammelt hat, hielt er in einem Tagebuch fest. Verfolgen konnten ihn seine Unterstützer ausserdem auf der App Polarsteps. «Es gab viele emotionale Momente von Freudenschreien bis hin zu Tiefpunkten. Es ist halt Kopfsache», meint der Seoner abgeklärt. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die schönen Landschaften in Spanien und Portugal. «Als ich in Setúbal in Portugal das erste Mal den Atlantik sah, war das sehr emotional.» Denn da wusste er, dass er sein Ziel erreicht hat.
Natürlich läuft auf einer rund 3000 Kilometer langen Reise nicht immer alles rund. «Ich hatte acht Mal einen Platten. Am Ende wusste ich, wie man die Reifen flicken muss», erinnert er sich lachend. Aber auch sein Körper meldete sich: Nach zwei Wochen auf dem Velo holte er sich eine Entzündung im Hüftbeuger. Doch hier war es von Vorteil, dass er allein unterwegs war, er konnte selbst entscheiden, wie viele Kilometer er fahren oder ob er spontan einfach einen Tag länger ausruhen wollte. Als er dann nach 39 Tagen sein Ziel erreichte, konnte er noch einige Tage an der Sonne geniessen, bevor es wieder zurück in die Schweiz und den Alltag ging.
Über 8000 Franken für den Wald
Die Spendenaktion auf der Plattform «Lokalhelden» von der Raiffeisenbank lief noch bis am 12. Oktober. Insgesamt konnte der Seoner 8414 Franken für den Wald sammeln. Mit diesem Geld können etwa 700 Bäume gepflanzt werden. «Ich hätte nie mit so viel Geld gerechnet», sagt Alexander Kapoun stolz.
Für das Pflanzen und Pflegen der Bäume ist der Forstbetrieb Seon zuständig. Das Aufforsten wird wohl im nächsten Jahr beginnen. «Die etwa 5000 m2 grosse Fläche, die aufgeforstet wird, wurde vor 25 Jahren vom Sturm Lothar zerstört», erklärt Alexander Kapoun. Er hat mit seiner Reise und dem gesammelten Geld einen grossen Beitrag geleistet. «Jetzt ist der Förster dran», meint er lachend.
Melanie Köchli


