«Wir helfen gerne – ohne Rückfragen»
17.08.2018 Beinwil am SeeDer Verein «Sack & Pack» hat sich in der ehemaligen Täfelifabrik der Firma Halter in Beinwil am See eingerichtet: Nachgefragt bei Margrit Mosimann, der operativen Leiterin dieser Anlaufstelle für (junge) Familien in Not bzw. mit eingeschränktem finanziellem ...
Der Verein «Sack & Pack» hat sich in der ehemaligen Täfelifabrik der Firma Halter in Beinwil am See eingerichtet: Nachgefragt bei Margrit Mosimann, der operativen Leiterin dieser Anlaufstelle für (junge) Familien in Not bzw. mit eingeschränktem finanziellem Spielraum.
msu. Der gemeinnützige Verein Schweizerisches Weisses Kreuz in hat seinen Auftrag bekanntlich vor längerer Zeit neu definiert und setzt seither voll und ganz auf Prävention. Innerhalb dieses Konzepts hat die bisherige Vermittlung von verschiedensten Gegenständen und Materialien für Familien, die in eingeschränkten, finanziellen Verhältnissen leben, leider keinen Platz mehr. Mit dem neu gegründeten Verein «Sack & Pack» springt nun eine Organisation in die entstandene Lücke, die den Betroffenen weiterhin Zugang zu mehrheitlich kostenloser Baby- und Kinderausstattung ermöglicht. Standort der karitativen Dienstleistung ist der ehemalige Fabrikladen der Firma Halter AG in Beinwil am See, direkt beim Bahnhof Böju. Zum engagierten Team des Vorstandes und der Helfer gehört auch Margrit Mosimann, welche für die operative Leitung verantwortlich zeichnet.
Margrit Mosimann, wir hören und lesen von Familien, die in eingeschränkten finanziellen Verhältnissen leben. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer in Not sind, gibt es innerhalb unserer Wohlstandsgesellschaft offenbar auch noch?
Leider ja! Existenzielle Not ist bedauerlicherweise weiter verbreitet, als wir das für möglich halten oder wahrhaben möchten. Es gibt immer wieder Menschen, die einfach nicht mal das Nötigste für ihr Baby haben. Zum Teil sind es werdende Mütter ohne grosses Beziehungsnetz und mit sehr bescheidenen Finanzen, Familien, welche nicht auf Rosen gebettet sind oder momentan Asylbewerber, welche buchstäblich alles hinter sich lassen mussten.
An wen richtet sich das Angebot des kürzlich gegründeten Vereins Sack & Pack in erster Linie?
An alle Menschen, die Kinder zwischen 0 und 4 Jahren haben und, wie oben erwähnt, in engen finanziellen Situationen leben.
Wie sieht diese materielle Unterstützung genau aus oder anders gefragt: Wie umfangreich ist das Angebot und welche Gegenstände findet man innerhalb des Sortiments?
Wir bieten: Sommer- und Winterkleider in Grösse 50 -104 inkl. Skijacken oder ganze Anzüge, Sommerund Winterschuhe Grösse 20-ca.25, Zewidecken, Schlafsäcke (Sommer und Winter), Tragtücher inkl Anleitung, Huckepack, Badewannen, Badeeimer, Hochstühle, Tischstühle, Maxicosi, Dreirad-Fahrräder, Bobbycars, Kinderwagen, Kinderbetten, Wickelkommode mit Kissen, verschiedene Spielsachen und Stofftiere usw.
Somit das gesamte Kindersortiment?
Nicht ganz. Leider verfügen wir nicht über das gesamte Kindersortiment, das gebraucht würde. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir immer wieder mit grosszügigen Sachspenden beschenkt werden.
Sind Privatleute eingeladen, den Verein ebenfalls zu unterstützen – entweder finanziell oder auch mit Materialspenden?
Wir freuen uns über sauberes, gut erhaltenes Material. Im Moment sind Kinderbetten, Kinderwagen und Autositze sehr gefragt. Jeweils am Dienstag von 9-11 und 14-16 nehmen wir gerne Material entgegen. Selbstverständlich freuen wir uns über jedes Neumitglied. Auf unserer Homepage finden Interessierte alle näheren Informationen (www.sack-und-pack.ch).
Melden sich jene Leute, die in den Genuss einer Unterstützung kommen, direkt oder werden die «Kunden» von irgendwelchen Stellen zugewiesen?
Eine Erstabgabe erfolgt immer nach einer Zuweisung durch eine Familienberatungsstelle, durch eine Sozialdienststelle, durch Asylantenbetreuer, Hebammen, Nachbarn, welche den Bedarf sehen usw. Auch da weise ich gerne auf die Infos auf der Homepage hin. Brauchen die Empfänger ein zweites Mal Material, dürfen sie sich ohne weiteres direkt mit uns in Verbindung setzen.
Die genauen Hintergründe, weshalb jemand beim Verein Sack & Pack vorspricht, will oder muss das Helferteam gar nicht zwingend wissen?
Genau! Uns geht es in erster Linie darum, auszuloten, wo es einen möglichen Bedarf gibt. Diese Abklärungen nehmen in der Regel nicht sehr viel Zeit in Anspruch, so dass wir schnell reagieren und helfen können. So gesehen spielt es für uns auch keine Rolle, ob die Eltern mit einem Veloanhänger oder einem Auto vorfahren …
Das Kreuzverhör einer «Beruteilung» bleibt den Hilfesuchenden somit erspart?
Uns ist es sehr wichtig, dass wir nicht beurteilen müssen, ob jemand wirklich Bedarf hat oder nicht. Das übernehmen Fachleute. Wir möchten das, was wir an Material bekommen, einfach gerne weitergeben
Stichwort Schwellenangst: Wer wirklich in Not ist, darf sich ungeniert bei Ihnen melden, ohne zu riskieren, auf Herz und Nieren geprüft zu werden?
Wir setzen alles daran, dass die Schwellenangst gar nicht erst aufkommt. Genau wie oben erwähnt, wir geben weiter, was wir haben, und zwar ohne Kontrolle oder peinliche Rückfragen. Jedermann (frau) ist bei uns Willlkommen!
Sie betonen, dass der Verein nicht mit einer Kinderkleiderbörse zu vergleichen ist, sondern Hilfe- und Ratsuchenden auch eine Beratung anbieten möchte. Wie ist das zu verstehen?
Ich denke, eine Kinderkleiderbörse hat noch ein grösseres Sortiment als wir. Vor jeder Abgabe setzen wir uns mit den Empfängern persönlich in Verbindung und machen einen Termin ab. So ist die Gewähr vorhanden, dass wir ungestört rund eine Stunde Zeit haben, damit der optimale Bedarf ermittelt werden kann und wir Zeit für einige persönliche Worte haben. Unser Team möchte genau hinhören und auch wahrnehmen, wo vielleicht noch der Schuh drückt. Wenn gewünscht, geben wir gerne eine hilfreiche Adresse weiter. Wir verstehen uns aber nicht als Fachberatung.
Das ganze Unternehmen scheint stark auf christliche Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft ausgerichtet zu sein. Liegt das daran, dass die Chrischona-Gemeinde Eigentümerin des Gebäudes ist?
Ja und nein! Mein Team setzt sich aus Frauen und Männern zusammen, die alle ein Herz für Menschen haben und gerne ihren Glauben an Jesus praktisch leben. Wir beziehen keinen Lohn und das soll auch so bleiben. Die Initialzündung für dieses Projekt kam aus unserer Chrischona-Gemeinde. Doch jetzt läuft es unabhängig von dieser. Wir arbeiten lediglich in den Räumen der erworbenen Fabrik zu gleichen Konditionen, wie jeder andere Mieter. Wir werben aber nicht für unsere freikirchliche Gemeinschaft, aber wir verstecken uns auch nicht, wenn wir gefragt werden. Unser Glaube soll Hände und Füsse haben.
Margrit Mosimann, wir wünschen Ihnen und dem ganzen Team einen tollen Start und viele zufriedene Kunden, deren angespannte Lebensumstände sich dank Ihrer Unterstützung schnell verbessern und den Betroffenen helfen, neuen Mut zu schöpfen.

