«Wir wollten nicht bloss einen Bericht schreiben»
20.03.2020 Beinwil am SeeDer Beinwiler Linus Suter steht momentan kurz vor dem Abschluss der Wirtschafts-Berufsmaturität für Erwachsene (BM2), Typ Dienstleistungen. Seine Maturaarbeit schreibt er gemeinsam mit zwei Klassenkameraden zum Thema Crowdfunding. Nach dem Motto «Wir wollen nicht nur einen ...
Der Beinwiler Linus Suter steht momentan kurz vor dem Abschluss der Wirtschafts-Berufsmaturität für Erwachsene (BM2), Typ Dienstleistungen. Seine Maturaarbeit schreibt er gemeinsam mit zwei Klassenkameraden zum Thema Crowdfunding. Nach dem Motto «Wir wollen nicht nur einen Bericht schreiben, sondern etwas auf die Beine stellen», lancierten sie eine Geldsammelaktion für das Sozialwerk Pfarrer Sieber, genauer gesagt für die NEMO Notschlafstelle für Jugendliche. Sie läuft noch bis am kommenden Sonntag.
mars. Den Begriff Crowdfunding dürften viele schon gehört haben, nicht jeder weiss, was damit gemeint ist. Es ist eine Methode, mit der sich auf einer Onlineplattform Geld beschaffen lässt. Für Projekte, für Produkte, zur Umsetzung von Geschäftsideen. Zur Lancierung beschreibt man, für was man das Geld benötigt, man legt fest, wie hoch die Summe sein soll und in welchem Zeitraum sie gesammelt werden soll. Jeder, der möchte, kann nun dafür sorgen, dass das Projekt realisiert werden kann. Kommt das Geld im festgelegten Zeitraum zusammen, kann das Projekt von den Initianten realisiert werden. Kommt die Summe nicht zusammen, kann das Projekt nicht realisiert werden und die zugesagten Beträge bleiben bei den Besitzern.
Der Wirtschafts-Maturanden Linus Suter aus Beinwil am See setzt sich in seiner Maturaarbeit mit eben dieser Möglichkeit, eine Spendeaktion mittels Crowdfunding zu starten, auseinander. Er ist gelernter Kundenberater der Post und besucht die zweijährige berufsbegleitende Berufsmaturität für Erwachsene (BM2) in Aarau. Die Maturaarbeit erarbeitet er gemeinsam mit Ron Demaj aus Aarau und Hasret Kurt aus Egerkingen, die mit ihm dieselbe Klasse besuchen.
Die beschriebene Methode des Crowdfundings hat diverse Facetten. Es ist möglich, das Geld als Spenden zu sammeln, aber auch dass der Geldgeber allenfalls als Anreiz ein Dankeschön erhält. Auch eine Verzinsung des eingesetzten Geldes ist möglich oder sogar eine Beteiligung am Unternehmen und an der Gewinnausschüttung.
In ihrer Arbeit zeigen die drei die unterschiedlichen Möglichkeiten auf und beschreiben den typischen Ablauf einer solchen Kampagne. Sie beleuchten die unterschiedlichen Entwicklungen, die es in den verschiedenen Regionen der Welt diesbezüglich gibt. Was den Geldfluss fördert, was ihn hemmt und anderes mehr.
Teil ihrer Arbeit ist ein eigenes Crowdfunding-Projekt, um aus der Praxis Erkenntnisse ableiten zu können, weshalb es erfolgreich war oder weshalb nicht? Ihrer Arbeit liegt dabei folgende Hypothese zu Grunde: «Im Rahmen eines Selbstversuchs schaffen es drei BM2-Lernende im zweiten Ausbildungsjahr, unterstützt durch eine geeignete Crowdfunding-Plattform, innerhalb eines Zeitraumes von lediglich 30 Tagen einen gemeinnützigen Betrag von 3000 Franken zu sammeln, um das Geld anschliessend dem Sozialwerk Pfarrer Sieber bzw. der Notschlafstelle NEMO zu spenden.»
Qual der Wahl
Welches Werk in den Genuss der Spende kommen soll, haben sie sich lange überlegt.Wer ist wirklich auf Hilfe angewiesen? Dass sie lokal in der Schweiz eingesetzt werden soll, war den drei im Vornherein klar. Nach längeren Recherchen und Abklärungen haben sie sich für das Sozialwerk Pfarrer Sieber entschieden. «Während die Politik häufig von aussen hilflos zuschaut, ist das Sozialwerk Pfarrer Sieber seit Jahren bei den Menschen in Not am Anpacken», erklären sie ihre Wahl. Und weiter: «Die Notschlafstelle, kann den Betroffenen nur dank Spenden die volle Unterstützung anbieten. Zusätzlich möchten wir ein Bewusstsein schaffen, dass Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit ein Thema in unserer nächsten Nähe ist. Auch bei jungen Menschen in Ihrer wertvollen und sensiblen Entwicklungsphase.»
Auch die passende Crowdfunding-Plattform musste gewählt werden. Auch hier existieren im Internet diverse Möglichkeiten mit unterschiedlichen Prägungen, Stärken und Schwächen. Für ihre Spendenaktion haben sie sich letztlich für lokalhelden.ch entschieden, hinter welcher die Raiffeisenbank steht. Hier ist es beispielsweise nicht möglich, ein Projekt zu starten, welches eine Verzinsung von Kapital zulässt. Ihr Crowdfunding ist konkret unter «www.lokalhelden.ch/jugendlichen-obdachlosen-helfen» aufrufbar oder einfach lokalhelden.ch, Suche: «Nemo obdachlos». Dort sind Informationen über das ganze Projekt aufrufbar und wie genau man vorgehen muss, um zu spenden, erfährt man ebenfalls, wenn man auf der Seite auf die Rubrik «Projektblog» klickt. Die Aktion läuft noch bis am kommenden Sonntag, 22. März. Aktuell weist das Spendenbarometer einen Stand von 803 Franken aus. Noch fehlen also rund 2200 Franken, bis das Ziel erreicht ist und die 3000-Franken-Spende fliessen kann. Ein Endspurt seitens potenzieller Spender ist also noch nötig.
Auch den drei Initianten selber steht ein solcher noch bevor. Vor der Abgabe müssen sie noch die entsprechenden Schlüsse ziehen und diese in ihr Arbeit einfliessen lassen. Auch eine Präsentation gehört zur Arbeit und auch diese muss noch entstehen.
Natürlich werden sie dabei auch vom Coronavirus tangiert, wie es sich auf den Geldfluss auswirkt können sie eher nur vermuten. Fest steht dagegen, dass der Abgabetermin um eine Woche hinausgeschoben wurde. Ausserdem sind die drei natürlich ebenso von den geschlossenen Schulen mit den entsprechenden Erschwernissen in Sachen Unterricht betroffen und von allen Unklarheiten rund um die Prüfungen, wie alle andern Studenten und Schüler auch.

