Ein neues «Dach» für die Spitex
06.08.2020 Reinach, LeimbachEinen neuen Leistungsauftrag für das Altersheim Sonnenberg
Die Spitex-Organisation Reinach-Leimbach soll unter das Dach des Altersheims Sonnenberg kommen. Die Gemeinden Reinach und Leimbach planen den Leistungsauftrag entsprechend neu zu erteilen, weil sie diverse Synergien ...
Einen neuen Leistungsauftrag für das Altersheim Sonnenberg
Die Spitex-Organisation Reinach-Leimbach soll unter das Dach des Altersheims Sonnenberg kommen. Die Gemeinden Reinach und Leimbach planen den Leistungsauftrag entsprechend neu zu erteilen, weil sie diverse Synergien sehen. Das Geschäft wird dem Verein Spitex Reinach-Leimbach an dessen Generalversammlung vom 12. August im Saalbau Reinach beantragt.
mars. Der vor wenigen Jahren aus dem Gemeinnützigen Frauenverein -Leimach heraus verselbständigte Verein Spitex Reinach-Leimbach soll an seiner nächsten Generalversammlung aufgehoben werden. Die beiden Auftraggeber (und Hauptzahler), die Gemeinden Reinach und Leimbach, wollen den Leistungsauftrag neu der Stiftung Altersheim Sonnenberg übetragen und auf diese Weise die «Spitex Sonnenberg» aus der Taufe heben. Die Geschäftsleitung der Spitex mit ihren 21 Mitarbeitenden (zwölf Vollzeitstellen) würde so bei der Heimleitung liegen, unterstützt von einer Pflegedienstleitung, welche eigens für das Tagesgeschäft Spitex zuständig sein wird. Nachdem die bisherige Geschäftsführerin Marianne Schlegel die Spitex bereits verlassen hat, wurde das Mandat der Leitung bereits an Heimleiterin Miriam Lo Conte übertragen. Eine neue Spitex-Pflegedienstleiterin wird ihre Stelle am 1. September antreten. Die Spitex Sonneberg soll dann den Betrieb per 1. Januar 2021 aufnehmen.
Gönnerverein
Der über 300 Mitglieder umfassende Verein Spitex Reinach-Leimbach soll zwar aufgehoben werden, ersatzlos aufgelöst werden soll er aber nicht, sondern zum «Gönnerverein Spitex Sonnenberg» mutieren. Die rund 260’000 Franken Vermögen sollen vom alten an den neuen Verein gehen und damit weiterhin ausschliesslich dem Bestimmungszweck «Spitex» zugutekommen. Seite Mitglieder würden, gemäss den Statuten – die bereits vorliegen – wie bisher von vergünstigten Tarifen bei hauswirtschaftlichen Leistungen profitieren.
Diverse Synergien
Die beiden Gemeindeammänner Janine Murer (Leimbach) und Martin Heiz (Reinach) sehen diverse Synergien zwischen dem Altersheim und der Spitex. Das Entwicklung «ambulant vor stationär» führt dazu, dass sich das Arbeitsvolumen für die Spitex vergrössert, in Zukunft dürfte der 24-Stunden-Dienst nicht nur deswegen notwendig werden. Schon heute bieten einzelne Organisationen psychiatrische Pflege an, davon profitieren beispielsweise Menschen, die an Demenz erkrankt sind, die dennoch möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben möchten. Bei all dem sind Synergien zwischen den beiden Betrieben offensichtlich, wie auch bei der Aus- (gegenseitige Praktika) oder Weiterbildung, etwa mit gemeinsamen Anlässen für das Pflegepersonal. Dass sich das Personal gegenseitig im Tagesgeschäft aushilft, ist dagegen nicht vorgesehen.
Vorbild in der Region
Der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz räumt frei heraus ein, dass er das Modell abgeschaut hat. Bei der Spitex Mittleres Wynental bewährt es sich bereits seit Jahren bestens. Weder Murer noch Heiz sehen allerdings die angestrebte Organisation als Endausbau. In der Nachbarschaft gibt es weitere kleine Spitexorganisationen, etwa Beinwil-Birrwil oder Menziken-Burg. Einer Zusammenarbeit oder Zusammenlegung wäre man nicht abgeneigt. «Zählt man alle Einwohner der Gemeinden rund um den Sonnenberg zusammen, kommt man bald einmal auf 20’000 Personen», so Heiz.Was anderswo noch immer als klein bezeichnet wird, sieht Heiz als: «… eine gute Grösse. Denn allzu gross wird wieder teurer, weil der Chef dann glaubt, eine eigene Sekretärin sei notwendig», bringt er es auf den Punkt. Ein weiterer Grund für ein Gebiet mit kurzen Wegen ist, dass die Krankenkassen die Kosten für die Pflegedienstleistungen der Spitex übernehmen, nicht aber für die Wege zum Patienten. Deshalb ist es sinnvoll, kurze Arbeitswege anzustreben, um hier die Kosten tief zu halten. Heiz hofft, die 45 Franken pro Einwohner, die heute anfallen, mit der neuen Form sogar etwas senken zu können. Nicht zuletzt, weil der Stiftungsrat vom Sonnenberg klein und mit Fachleuten und nicht mit Politikern besetzt ist. Die Wege und die eher politisch ausgerichtete Struktur der Spitex Mittleres Wynental waren übrigens offenbar Gründe, weshalb man von der Fusion vor gut einem Jahr absah.
Murer (Pflegefachfrau von Beruf) wäre glücklich, wenn die Kosten nicht wachsen. «Beim Vergleichen mit andern muss man immer genau hinsehen. Welche Dienstleistungen decken die Kosten ab? Sobald der 24-Stunden-Betrieb käme oder die Psychiatriepflege würden die Grundkosten vermutlich steigen», führt sie aus. Diese würden natürlich im Gegenzug andere Kosten in der Gemeinderechnung reduzieren. Laut Murer wohnt im Moment niemand aus Leimbach im Altersheim. Wäre das so und müssten Zahlungen nach Kostengutsprachen folgen, sprechen wir bei uns als kleine Gemeinde schnell einmal von Steuerprozenten», erklärt sie.
Auch wenn die Spitex der beiden Gemeinden unter das Dach des Altersheims Sonnenberg kommt, haben die Einwohner weiterhin freie Wahl betreffend Altersheim. Das Interesse der Gemeinden, dass die Leute möglichst lange zu Hause wohnen können, ist nicht nur gross, weil die Wartelisten der Heime lang sind, sondern eben auch weil die Kosten tiefer sind.

