FDP holt auf Kosten der SVP zweiten Sitz zurück
22.10.2020 Abstimmungen/WahlenBei den Grossratswahlen im Bezirk Kulm ist die FDP als Siegerin hervorgegangen. Sie konnte den vor vier Jahren verlorenen zweiten Sitz zurückerobern. Die SVP büsste Wähleranteile und einen Sitz ein. Mit Barbara Borer-Mathys (SVP) und Karin Faes (FDP) schafften ...
Bei den Grossratswahlen im Bezirk Kulm ist die FDP als Siegerin hervorgegangen. Sie konnte den vor vier Jahren verlorenen zweiten Sitz zurückerobern. Die SVP büsste Wähleranteile und einen Sitz ein. Mit Barbara Borer-Mathys (SVP) und Karin Faes (FDP) schafften überraschend zwei Frauen den Einzug ins Kantonsparlament.
fk. Bei einer Wahlbeteiligung von 30,7 Prozent konnte die FDP den Wähleranteil um 0,93 Prozentpunkte auf 17,84 Prozent steigern. Das reichte aus, um den vor vier Jahren verlorenen zweiten Sitz zurückzuholen. Grund zum Feiern hatte Adrian Meier (Menziken). Bereits 2012 hatte er den Sprung in den Grossen Rat geschafft, wurde jedoch vor vier Jahren Opfer des FDP-Sitzverlustes. Sein Comeback war nach dem Rücktritt von Renate Gautschy zu erwarten. Mit 2460 Stimmen erzielte Meyer auf der FDP-Liste das mit Abstand beste Resultat.
Für die Überraschung sorgte jedoch Karin Faes aus Reinach. Die 50-jährige FDP-Frau stiess von Listenplatz sechs auf den zweiten Platz vor und wurde mit 692 Stimmen Rückstand auf Meier ebenfalls gewählt. Faes ist Vorstandsmitglied des Regionalplanungsverbandes AargauSüd und Vorstandsmitglied des Hauseigentümerverbandes Aarau-Kulm.
SVP muss vierten Sitz abgeben
Auf der Verliererseite steht für einmal die erfolgsverwöhnte SVP. Mit 39,5 Prozent Wähleranteil ist sie zwar nach wie vor mit Abstand stärkste Partei im Bezirk, büsste aber mit 2,8 Prozentpunkten am meisten ein. Damit ging der vor vier Jahren gewonnene vierte Sitz wieder verloren. Und nicht nur das: Mit Manuel Kaspar (Oberkulm) und Daniel Wehrli (Schöftland) blieben zwei Bisherige auf der Strecke. Beide waren im vergangenen Jahr nachgerutscht: Kaspar für die aus dem Bezirk Kulm weggezogene Karin Bertschi, Wehrli für den aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zurückgetretenen Franz Vogt.
Unverhofft jubeln konnte dagegen Barbara Borer-Mathys. Die 37-jährige SVP-Bezirkspräsidentin und Tochter des früheren Nationalrates und Kantonalparteipräsidenten Hans Ulrich Mathys stürmte mit 3763 Stimmen auf den dritten Platz und schaffte damit auf Anhieb die Wahl in den Grossen Rat. Den Vortritt lassen musste die Rechtsanwältin aus Holziken nur den beiden wieder gewählten Christian Merz (3939 Stimmen) aus Beinwil am See und Bruno Rudolf (3780 Stimmen) aus Reinach.
Barbara Borer-Mathys hatte zehn Tage vor der Wahl schweizweit für Aufsehen gesorgt, als sie in einem offenen Brief den Zustand in der SVP Aargau kritisierte. Gewissen Exponenten, so konstatierte sie, fehle der Anstand. Namen nannte sie nicht, doch war schnell klar, wen sie damit meinte, nämlich Parteipräsident und Nationalrat Andreas Glarner.
EDU schafft Wahlhürde problemlos
Für eine weitere Überraschung im Bezirk Kulm sorgte die EDU. Sie konnte mit einer Steigerung des Wähleranteils um 2,17 Prozentpunkte auf 7,16 Prozent am meisten zulegen. Die Kleinpartei schaffte damit das erforderliche Quorum von 5 Prozent für den Einzug ins Kantonsparlament problemlos. Wieder gewählt wurde Rolf Haller (Zetzwil) mit 1631 Stimmen.
Wähleranteile dazugewinnen konnten die Grünen (+1,46 Prozentpunkte) und die Grünliberalen (+ 1,91 Punkte). Während die GLP mit 3,54 Prozent Wähleranteil leer ausging, konnten die Grünen den Sitz von Severin Lüscher (1953 Stimmen) souverän verteidigen, für einen zweiten Sitz reichte der Wähleranteil von 9,8 Prozent jedoch nicht.
SP noch knapp vor den Grünen
Nach einem Aufwärtstrend vor vier Jahren büsste die SP wieder leicht ein (- 0,6 Prozentpunkte). Mit 11,8 Prozent Wähleranteil bleibt die Partei hinter SVP und FDP weiterhin drittstärkste politische Kraft im Bezirk, der Abstand zu den Grünen ist jedoch geringer geworden. Wieder gewählt wurde Alfred Merz. Der Menziker Gemeinderat konnte die Schöftler Amtskollegin Anja Gestmann um 192 Stimmen distanzieren.
Mit 7,16 Prozent blieb der Wähleranteil der EVP im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren praktisch unverändert. Uriel Seibert erzielte 1358 Stimmen und schaffte die Wiederwahl mit grossem Vorsprung auf die übrigen EVP-Kandidatinnen und Kandidaten.
GLP und Grüne legen zu
Aus kantonaler Sicht sind die Grünliberalen und die Grünen die grossen Siegerinnen der Grossratswahlen 2020. Die GLP konnte kantonsweit 6 Sitze dazu gewinnen und kommt neu auf 13 Mandate. Der Wähleranteil stieg um 4 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent.
Die Grünen legten um 2,9 Prozentpunkte zu und gewannen mit einem Wähleranteil von 10 Prozent zusätzlich 4 Sitze. In der kommenden Legislatur stellt die Partei 14 Mandate. Die SP, vor vier Jahren mit fünf Sitzgewinnen noch Wahlsiegerin, gehört diesmal zur grössten Verliererin. Sie büsste 2,37 Prozentpunkte und vier Sitze ein. Mit neu noch 23 Sitzen ist sie nach wie vor zweitstärkste Fraktion im Kantonsparlament.
Die SVP büsste 1,6 Prozentpunkte ein und musste mit einem Wähleranteil von nunmehr 30,3 Prozent zwei Sitze abgeben. Mit 43 Sitzen stellt sie jedoch klar die grösste Fraktion. Ebenfalls leicht verloren hat die FDP. Mit einem Wähleranteil von 14,7 Prozent (1,3 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren) stellt die Partei noch 21 Mandate.
Einen Sitz dazu gewinnen konnte die CVP. Mit einem Wähleranteil von 12,8 Prozent (+ 0,7 Prozentpunkte) stellt die Partei neu 18 Abgeordnete. Die eigenen Erwartungen wurden damit nicht erfüllt. Die CVP hatte mit einem grösseren Zuwachs gerechnet, nachdem die BDP nicht mehr zu den Wahlen angetreten war. Zwei BDP-Grossräte hatten im laufenden Jahr zur CVP gewechselt. Die EVP konnte ihre sechs Sitze halten, ebenso die EDU ihre bisherigen zwei.
Die Sitzverteilung im neu gewählten 140-köpfigen Grossen Rat lautet damit wie folgt: SVP 43 (-2), SP 23 (-4), FDP 21 (-1), CVP 18 (+1), Grüne 14 (14 (+4), GLP 13 (+6), EVP 6 (-), EDU 2 (-).
