Das Schulhaus «Husmatt» als Option für Unterkulm?
21.01.2021 GontenschwilIn seiner Neujahrsansprache im Wynentaler Blatt hat der Unterkulmer Gemeindeammann Emil Huber festgehalten, dass sich eine Arbeitsgruppe mit der sich abzeichnenden Schulraum-Knappheit befasst. Seite Gontenschwiler Amtskollegin, Renate Gautschy, nahm den Ball auf und bietet Unterkulm ...
In seiner Neujahrsansprache im Wynentaler Blatt hat der Unterkulmer Gemeindeammann Emil Huber festgehalten, dass sich eine Arbeitsgruppe mit der sich abzeichnenden Schulraum-Knappheit befasst. Seite Gontenschwiler Amtskollegin, Renate Gautschy, nahm den Ball auf und bietet Unterkulm Schulraum zur Miete an. Bekanntlich steht das Schulhaus «Husmatt» weitgehend leer, weil es die neue Kreisschule nicht mehr benötigt.
Renate Gautschy, in der Gemeinde Unterkulm wird Schulraum knapp, in Gontenschwil steht bekanntlich ein fast leeres Schulhaus – das Schulhaus Husmatt – Sie bieten der Nachbargemeinde nun Schulraum an, glauben Sie, Ihr Angebot wird mehr als einfach zu Kenntnis genommen?
Wir suchen auf allen Wegen nach Lösungen für unsere leeren Schulräume und unsere Teilanlagen. Tagesschulen werden die Zukunft sein, dafür sind wir als Landgemeinde ein idealer übersichtlicher Standort. Unsere Schüler fahren schon Jahrzehnte nach Unterkulm in die Schule. Der Weg für die Unterkulmer ist umgekehrt genau gleich lang. Wir haben uns für das Angebot entschieden, was jetzt damit macht… das kann ich nicht vorhersagen.
Kann das über vierzig Jahre alte Schulhaus Husmatt überhaupt mit einem neuen, modernen Schulhaus mithalten?
Unsere Schulanlage ist top eingerichtet, das hat nichts mit dem «Alter» zu tun.
Nachdem klar wurde, dass das Schulhaus Husmatt nicht mehr benötigt wird, ist nicht nur in Unterkulm der Schulraum knapp, in Birrwil wird momentan ein Schulhaus gebaut, Reinach hat das KV-Schulhaus gekauft. Wie berühren Sie diese Tatsachen?
Dass es mehr Schulraum/Anlagen brauchen wird, haben wir seit Jahren thematisiert. Allein aufgrund meiner Gefühle lässt sich nichts verändern. Ich bin überzeugt, dass die Zeit für uns «arbeitet». Grosse Schulen können heute viel eher, und zu unterschiedlichen Themen, zum «Hot-Spot» werden.
Könnte ein Schulraumaustausch über die Gemeindegrenzen hinweg überhaupt funktionieren?
Eine Schulraumbenutzung, sogar eine individuelle Zusammenarbeit, ist absolut möglich.
Schulraumknappheit ist ja möglicherweise bei jüngeren Jahrgängen vorhanden. Ist es sinnvoll, wenn beispielsweise Zweitklässler im Nachbardorf zur Schule gehen müssten?
Es müssen ja nicht in erster Linie Erst- und Zweitklässer auf den Weg. Die älteren, grösseren Kinder machen sich auf den Weg und für die Kleineren gibt das so vor Ort Raum. Vor einigen Jahren haben wir die Kleinklassen- und Einschulungskinder ab der 1. Klasse «auswärts» beschult und einfach auf den Weg geschickt.
Die Oberstufe ist regional, die Primarschulen zumeist eigenständig, Oberstufen- und Unterstufenschulzimmer brauchen unterschiedliche Einrichtungen, die Klassen gehen üblicherweise in unterschiedlichen Schulhäusern zur Schule, es gibt geografische Gegebenheiten und Klassen sollten, einmal gebildet, wohl besser nicht jedes Jahr beliebig neu zusammengefügt werden. Ist eine Schulraumplanung über die Dorfgrenzen hinweg also nicht eher illusorisch?
Wir haben darauf geachtet, dass sich unsere Primarschule, nach dem Weggang der Oberstufe, so organisiert, dass jederzeit fünf Schulzimmer und Teilanlagen vermietet werden können. Die Organisation stellt für uns kein Problem dar. Wenn man will, kann immer eine sinnvolle Situation geschaffen werden.
Wenn Gontenschwil zu wenig Schulraum hätte, würden Sie Ihrer Gemeinde nicht auch eher einen Neubau beantragen?
Wir haben ein absolut gutes und ausbaufähiges Schulareal. Unsere Vorfahren haben ganze Arbeit geleistet.Wir könnten nach links, rechts, unten und oben ausbauen. Da wir immer Schüler «auswärts» hatten, würden wir alle Varianten prüfen – das Kosten-Nutzenverhältnis – und insbesondere die Schüler berücksichtigen.
Könnte es sich für Unterkulm rechnen, ihrer Nachbargemeinde Schulzimmermieten zu zahlen statt – momentan sehr tiefe – Bankzinsen für ein neu gebautes Schulhaus?
Gemeinden sind in der Pflicht der Steuerzahler. Bei einer Neubaute sind auch immer die Folgekosten, der Unterhalt, zu berücksichtigen, insbesondere auch die Entwicklung der Schülerzahlen. Ein Mietverhältnis könnte daher interessant sein.
Das fast leere Schulhaus hat ja zur Forderung einer Entschädigungszahlung an die ehemalige Kreisschule Homberg geführt. Damit beschäftigen sich mittlerweile Juristen. Um welche Summe geht es und wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Ich verzichte auf eine Antwort, denn ich möchte von der Zukunft sprechen, nicht von der Vergangenheit, ich will keine Vermischung mit der momentanen Anfrage machen.
Letztlich fiel der Entscheid aufgrund der zu kleinen Anzahl der Gontenschwiler Schüler. Sind die Nachbargemeinden «daran schuld», dass es in Gontenschwil zu viel Schulraum gibt?
Es gibt keine «Schuldigen», es gibt Beteiligte. Dieses Thema möchte ich wirklich nicht mehr «aufwärmen».
Würde sich an der Position der Gemeinde Gontenschwil etwas ändern, wenn die Schulzimmer wieder für die Schule gebraucht würden?
Ja, wir hätten keinen Einnahmenausfall.
Sie argumentierten bei Bekanntwerden auch mit einer Einbusse der Einnahmen im Umfang von rund 12 Steuerprozenten, weshalb blieb der Steuerfuss in Gontenschwil bisher trotzdem gleich?
Seit wir wissen, dass wir einen Einnahmenausfall von dieser Grössenordnung haben, haben wir den Aufgabenund Finanzplan angepasst, wir drehen jeden Franken noch einmal mehr. Wir rechnen damit, dass uns die Vergangenheit einholen kann, eine mögliche Steuerfusserhöhung, in zwei Schritten, haben wir an der Gemeindeversammlung aufgezeigt. Auf der anderen Seite haben wir für das Jahr 2020 – aufgrund einer ausserordentlichen Situation – ausserordentliche Steuereinnahmen. Man könnte fast sagen, wir sind mit einem Heer von Schutzengeln unterwegs.
Welche anderen Nutzungsmöglichkeiten gab es eigentlich bisher für das Schulhaus Husmatt und/oder welche wären denkbar?
Der Gemeinderat und die Schulverantwortlichen haben klar festgelegt, dass nur eine «bildungs- oder schulnahe» Nutzung in Frage kommt.
Die Ereignisse rund um die Gründung der Oberstufenschule aargau-Süd und das besagte Schulhaus haben die Stimmung in der Region nicht positiv beeinflusst, wann kann aus Ihrer Sicht die Sache abgeschlossen und zu den Akten gelegt werden?
Die Zusammenarbeit ist nach meinem Dafürhalten nicht besser und nicht schlechter als vorher, sie ist gut. Die Gemeinden prüfen aber genauer, wann und warum sie eine Zusammenarbeit wollen oder anstreben. Aus der Erfahrung haben wir gelernt, dass wenig Schnittstellen, einfache Handhabungen, bürgerfreundliche Vorteile sind. Eine gemeinsame Kultur braucht immer wieder Aufmerksamkeit und die Möglichkeit für einen Neuanfang. Ich möchte an dieser Stelle Joseph Joubert zitieren: «Das Ziel eines Konflikts oder einer Auseinandersetzung soll nicht der Sieg, sondern der Fortschritt sein.»




