«Unser kostbarstes Gut ist ein gesunder Wald»
26.08.2021 ReinachWenn Gesamterneuerungswahlen stattfinden, neigt sich folglich die laufende Legislaturperiode ihrem Ende zu. Am vergangenen Wochenende waren deshalb Delegierte und Kommissionsmitglieder der Gemeinde Reinach zur gemeinsamen Waldbereisung und «Höck» eingeladen. Durchs ...
Wenn Gesamterneuerungswahlen stattfinden, neigt sich folglich die laufende Legislaturperiode ihrem Ende zu. Am vergangenen Wochenende waren deshalb Delegierte und Kommissionsmitglieder der Gemeinde Reinach zur gemeinsamen Waldbereisung und «Höck» eingeladen. Durchs Gehölz führte Ueli Wanderon, der Betriebsleiter des Forstbetriebs aargauSüd. Auch er befindet sich auf einer Art Abschiedstour.
rc. Im rauschenden Blätterwald der Oberwynentaler Wälder ist es längst bekannt: nicht nur endet bald die Amtsperiode der Behördenmitglieder und Gemeinderäte – auch der langjährige Förster und Betriebsleiter des Forstbetriebs aargauSüd wird bald pensioniert. So gesehen traf die Bezeichnung «Abschlussanlass» in zweierlei Hinsicht zu. Anwesend waren der aktuelle Gemeinderat, etwa die Hälfte der Kommissionsmitglieder und eben Förster Ueli Wanderon, der erst kürzlich sein 35-Jahre-Jubiläum feiern durfte.
Ein Wald ohne Ueli Wanderon?
«Schreib nicht über mich, schreib über den Wald», sagte der 61-Jährige auf die Feststellung hin, dass sich viele Menschen einen Wald ohne Wanderon nicht vorstellen können. Lieber holte er einen Stapel schön gebundener Bücher hervor. «In jedem Buch steht genau drin, was bis ins Jahr 2035 mit dem Wald in Reinach, Beinwil am See, Birrwil, Burg, Leimbach und Menziken passieren soll. Für jede Ortsbürgergemeinde ein Buch». Wanderon ist stolz auf die gebundenen Dokumente. Das sei zwar altmodisch, sagt er, aber so wichtige Unterlagen hätten eine schöne Aufmachung verdient, schliesslich sei ein gesunder Wald das kostbarste Gut einer Gemeinde.
Mit den Vertreterinnen und Vertretern der Behörde ging es an diesem Tag rauf auf den Sonnenberg, wo an einer Lichtung vor allem drüsiges Springkraut zu sehen war.Aber wo ist hier der Wald? «Der Borkenkäfer hat ihn zerstört, aber der Wald wächst nach. Wenn er in 20 Jahren Schatten macht, verschwindet auch das unerwünschte Springkraut», versicherte Wanderon. An insgesamt vier Posten erklärten er und seine beiden Mitarbeiter Markus Huggenberger und Kilian Ziegler den interessierten Zuhörenden die Philosophie ihrer Waldpflege und -bewirtschaftung. Diese folgt ökologischen Prinzipien. «Die spinnen in Reinach» habe er oft gehört, verriet Wanderon, der Erfolg gebe ihnen aber recht. «Es ist möglich den Wald naturnah zu belassen und trotzdem schwarze Zahlen zu schreiben. In unserem Öko-Revier wachsen zum Beispiel 15 verschiedene Baumarten». Sogar ein Apfelbaum darf hier wachsen, vermutlich vom Menschen eingeschleppt, der ein «Büdschgi» weggeworfen hat. «Es hat Blüten dran, was Nahrung für viele Tiere bedeutet, alles ist gut».
Bienen sind nicht gleich Bienen
Bei den Weihern zuoberst auf dem Sonnenberg erklärte der Förster, warum diese weder einen Zu- noch einen Abfluss haben und welche Vorteile die Weiher für einen grossen Waldstrich haben. Hinten im Möösli ergänzte Vorarbeiter Markus Huggenberger, welche Eingriffe getätigt werden und wo die Natur sich selbst überlassen wird, damit sie Lebensraum für Amphibien und Insekten biete. «Das ist echte Handarbeit», meinte Huggenberger, «wir gehen mit dem Boot ins Gewässer, aber schon lange nicht mehr mit grossen Maschinen.» Der Boden, so weiss jeder Forstmitarbeiter, ist der wichtigste Teil des Waldes.
Kilian Ziegler schliesslich zeigte den Unterschied zwischen Wildbienen und Honigbienen auf. «Honigbienen sind ohne Menschen nicht überlebensfähig, aber eigentlich nicht vom Aussterben bedroht», betonte Ziegler. Wildbienen dagegen, die viel wichtiger sind für die Natur, würden durch den Mensch stark gefährdet. Der begeisterte Imker und seine Kollegen vom Forstamt trugen ihre Referate so spannend vor, dass der knapp zweistündige Rundgang wie im Fluge verging. Bei einem zusätzlichen Halt beim Kugelfang hinter der ehemaligen Schiessanlage wurde der Eingriff der Menschen in die Natur überdeutlich: «Hier musste der Aushub-Perimeter nun ein drittes Mal erweitert werden, weil tief im Waldboden noch immer verrostete Kugeln zu finden sind». Das Herz eines naturverbundenen Menschen würde bei diesem Anblick bluten,Wanderon will aber nicht jammern: «Menschen und in unserem Fall der Wald haben alle Platz, ich finde sogar, Corona hatte etwas Positives. Dadurch, dass mehr Menschen den Wald nutzen, ist der Umgang untereinander friedlicher geworden.
Beim anschliessenden Höck im Betriebsgebäude fanden Spareribs und leckere Salate ihre hungrigen Abnehmer und man konnte sich noch ein Weilchen über den Wald und andere rauschende Geschichten austauschen.




