Auf den Spuren der Pfahlbauer und Römer
16.09.2021 SeengenAus Anlass der Europäischen Tage des Denkmals war die Kantonsarchäologie in Seengen vor Ort und ermöglichte an zwei Standorten interessante Einblicke. Beim Kirchgemeindehaus erfuhren die Besucher Wissenswertes über die römische Steinbautechnik sowie den ehemaligen ...
Aus Anlass der Europäischen Tage des Denkmals war die Kantonsarchäologie in Seengen vor Ort und ermöglichte an zwei Standorten interessante Einblicke. Beim Kirchgemeindehaus erfuhren die Besucher Wissenswertes über die römische Steinbautechnik sowie den ehemaligen römischen Gutshof und am See lud das neu erstellte Pfahlbauhaus zu einer kleinen Zeitreise ein. Dank grossem Engagement der Kantonsarchäologie, der kantonalen Denkmalpflege und des Naturamas Aargau als Organisatoren konnte hier Geschichte hautnah erlebt werden.
hg. Der Aargau und auch Seengen haben ein reiches Kulturerbe aufzuweisen. Dies zeigte sich an einem anlässlich der Europäischen Tage des Denkmals durchgeführten Anlass auf eindrückliche Art und Weise. Zum einen lud die Kantonsarchäologie die Besucher beim in diesem Jahr neu erstellten Pfahlbauhaus unweit des Männerbads am Seeweg in Seengen zu einer spannende Zeitreise ein. Das neue Pfahlbauhaus ersetzt das Alte aus dem Jahre 1988 und dürfte laut Experten dank guter Bauweise und den richtigen Baukomponenten die nächsten Jahrzehnte bestehen bleiben.
Originalgetreues Haus aus der Bronzezeit
Das Pfahlbauhaus orientiert sich an den archäologischen Funden der Pfahlbaufundstelle auf der Halbinsel Riesi, die in Sichtweite in den Hallwilersee hineinragt. Im Jahr 1923 hat die Historische Vereinigung Seengen unter Reinhold Bosch einen kleinen Ausschnitt der Fundstelle untersucht und brachte hervorragend erhaltene Holzkonstruktionen von Pfahlbauten zutage, darunter einen Unterbau in Blockbauweise. Ein solcher stützt auch heute den Boden des Pfahlbauhauses und hebt ihn ab, sodass das Haus vor Hochwasser geschützt ist − ganz wie es auch in der späten Bronzezeit um 1000 vor Christus war. Das Dach des Pfahlbauhauses ist mit Schindeln gedeckt, eine Holztür schliesst das Haus ab.
«Sie sehen hier das Ergebnis von zehn Jahren Arbeit», hielt Projektleiter Christian Maise fest. Alleine sieben Jahre habe man gebraucht, um das Geld zusammen zu bekommen, zwei Jahre brauchte es, bis die Baugenehmigung vorlag. «Doch nun präsentiert sich das Pfahlbauhaus genauso, wie es vor rund 3000 Jahren ausgesehen haben dürfte». Einst dürften an die 20 bis 30 solcher Häuser auf der Halbinsel Riesi gestanden haben. Die Pfahlbaufundstelle Seengen-Riesi gehört bekanntlich zusammen mit der Pfahlbaufundstelle Beinwil-Ägelmoos zum UNESCO-Welterbe «Pfahlbauten rund um die Alpen» – und das bereits seit zehn Jahren.
Virtueller Rundgang
Eine kleine Premiere gab es an diesem Anlass auch zu feiern. Mittels QR-Code konnte man mit seinem Handy zurück in die Zeit der Pfahlbauer reisen und dank eines digitalen Panoramas sehen, wie die Menschen gelebt haben und wie es einst auf Seengen-Riesi ausgesehen haben dürfte.
Auch kulinarisch hatte die spannende Zeitreise einiges zu bieten.An einem Foodstand wurden pfahlbauzeitliche Köstlichkeiten angeboten und es stellte sich heraus, dass die Pfahlbauer gar nicht so schlecht gelebt haben dürften, wie eine Besucherin beim Probieren des Seenger Pfahlbauriegels anmerkte.
Einst ein römischer Gutshof
Auch beim Seenger Kirchgemeindehaus wartete die Kantonsarchäologie mit einem interessanten Angebot auf, sie gab spannende Einblicke in die römische Steinbautechnik am Beispiel des 2020 hier ausgegrabenen römischen Gutshofs. Ein Steinmetz zeigte die Technik an örtlich verwendeten Steinarten und auf einer Führung begab man sich auf die Spuren der Römer, erfuhr Interessantes zu den jüngsten Ausgrabungen und bekam die unglaubliche Grösse des einstigen Gutshofs vor Augen geführt.




