Die Familienstärkung im Fokus
20.01.2022 ReinachIm vergangenen November startete die Heilsarmee Aargau Süd ein neues Angebot für Eltern, Grosseltern, weitere Bezugspersonen von Kindern und Fachpersonen, welche in ihrem Beruf mit Kindern jeden Alters unterwegs sind. Das Pilotprojekt «Meeting Point» dauert noch bis im ...
Im vergangenen November startete die Heilsarmee Aargau Süd ein neues Angebot für Eltern, Grosseltern, weitere Bezugspersonen von Kindern und Fachpersonen, welche in ihrem Beruf mit Kindern jeden Alters unterwegs sind. Das Pilotprojekt «Meeting Point» dauert noch bis im April 2022 und legt den Fokus auf die Familienstärkung.
hg. Mitte November 2021 startete die Heilsarmee Aargau Süd ein Pilotprojekt, welches den Fokus auf die Familienstärkung legt. «Beim Betrachten der durch die Heilsarmee in Auftrag gegebenen Sozialstudie SLOW fiel der Korpsleitung die Lücke von Angeboten für Familien auf und man entschloss sich, in diesem Bereich etwas zu tun – nur war die Frage was», erklärte Peter Hauri, der zusammen mit seiner Frau Katharina seit rund viereinhalb Jahren die Heilsarmee Aargau Süd leitet, anlässlich einer Online-Infoveranstaltung. Im Gespräch mit den Sozialdiensten, den Schulsozialarbeitern und weiteren einschlägigen Organisationen und Angeboten in der Umgebung kam das fehlende Angebot einer Anlaufstelle für Eltern deutlich zum Vorschein. «Mit unserem Projekt hoffen wir, dieser Lücke im oberen Wynental etwas entgegen wirken zu können», hielt Peter Hauri fest. «Doubletten wollen wir vermeiden, vielmehr das bereits bestehende Angebot in der Region noch ergänzen.» Das nun aus der Taufe gehobene Projekt trägt den Namen «Meeting Point», weil eines seiner Hauptziele ist, sich zu treffen. Konkret sollen Eltern mit Kindern im Alter zwischen 0 und ca. 16 Jahren sich treffen können und in einen Austausch miteinander kommen.
Was ist Vertrauenspädagogik?
«Vertrauenspädagogik, das ist ein Wort, das schon lange in unserem Haus herumschwebt», erklärte Mirjam Haldimann, Teenager-und Jugendarbeiterin beim Korps Aargau Süd. Und genau da will das Projekt zur Familienstärkung ansetzen, beim Vertrauen. Doch was genau ist Vertrauenspädagogik? Dieser Frage ging Stephanie Reimann von der Fachstelle Vertrauenspädagogik in ihrem Referat ein. Sie hielt gleich zu Beginn fest: «Was kann man besseres tun, als in die Familie zu investieren?» Als Vertrauenspädagogik-Trainerin und -Beraterin weiss sie, dass auch gerade die aktuelle Situation für Eltern und Kinder keine einfache ist. Verhalten ist Beziehungssache – diese zentrale Erkenntnis präge die Vertrauenspädagogik. Menschliches Verhalten und noch mehr das Verhalten von Kindern ist weit mehr abhängig davon, an wen und wie wir an Menschen, bzw., wie Kinder an ihre Bezugspersonen gebunden sind, als durch unseren Charakter. Dieser wird zwar zum einen ererbt, aber in weit grösserem Masse von den Bindungen geprägt, in denen ein Kind aufwächst. «Ein Kind, das starke Eltern hat, kann gedeihen», hielt Stephanie Reimann fest. «Bindungen sind Wurzeln. Und je tiefer sie gehen, je weiter kann sich ein Kind entfernen und doch verbunden bleiben». Deshalb gelte es, diese Bindungen zu stärken, damit ein Kind sein Potential, das ein jedes in sich trage, zum Erblühen bringen zu können. «Und um in die Beziehungen zu investieren, dafür ist es nie zu spät», ist sie überzeugt.
Ein Projekt, drei Standbeine
Das Projekt soll, so hofft die Projektleitung, über die sechsmonatige Testphase hinaus weiterlaufen und eine nachhaltige Wirkung in der Region erzielen. Man ist derzeit daran eine längerfristige Finanzierung sicherzustellen. Das Projekt, wie es heute steht, weist drei Standbeine auf. «In erster Linie wollen wir die Eltern untereinander vernetzen und zusammenbringen. Es ist alleine schon entlastend zu wissen, dass alle die gleichen Probleme haben und man damit nicht alleine ist», erklärte Mirjam Haldimann, welche das Projekt mitleitet, Primarlehrerin ist und in der Traumapädagogik sowie als VP-Trainerin tätig ist. Unter dem Projektnamen «Meeting Point» richten sich verschiedene Angebote an Eltern und Bezugspersonen von Kindern. So gibt es jeden zweiten Mittwoch die Möglichkeit, an einem Referat zu einem Thema aus der Erziehung nach den Ansätzen der Vertrauenspädagogik mit anschliessender Austauschrunde teilzunehmen. Im Anschluss wird auch ein Mittagessen angeboten. «Wir wollen die Gemeinschaft stärken, denn gemeinsam ist vieles leichter und einfacher», hielt Mirjam Haldimann fest.
Ein weiteres Standbein des Projekts sind Abendkurse zu einem speziellen Thema aus der Erziehung und Kinderentwicklung. Referenten von der Fachstelle Vertrauenspädagogik zeigen Möglichkeiten im Umgang mit brennenden Alltagsthemen in der Kindererziehung auf. «Und als drittes Standbein bieten wir fachliche Unterstützung, sprich eine persönliche Beratung in Erziehungsfragen an», ergänzte Mirjam Haldimann. Idee der Heilsarmee ist es, ein möglichst niederschwelliges Angebot für Eltern und weitere Erziehungsberechtigte zu schaffen und Familien im Raum Reinach so unterstützen zu können. «Unser Ziel und unsere Hoffnung ist es unter anderem, dass Vernetzung in allen möglichen Richtungen passiert», so Mirjam Haldimann. Darum richten sich diese Angebote ausdrücklich an alle interessierten Eltern, Grosseltern, Göttis, Tanten etc. und ihre Kinder. Die Angebote von «Meeting Point» sind auf der Homepage www.aargausued.heilsarmee.ch aufgeschaltet.

