Streiflicht
28.07.2022 RegionEnglisch
In der vergangenen Woche meldete sich ein treuer Leser bei der Redaktion und stellte die Frage, weshalb auch im Wynentaler Blatt immer mehr Anglizismen verwendet werden. Konkret ging es um den Begriff «World Ranger Day». «Es ist zum ...
Englisch
In der vergangenen Woche meldete sich ein treuer Leser bei der Redaktion und stellte die Frage, weshalb auch im Wynentaler Blatt immer mehr Anglizismen verwendet werden. Konkret ging es um den Begriff «World Ranger Day». «Es ist zum heulen wie alles nur noch verenglischt wird. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das gar nicht gefällt».
An dieser Stelle sei gesagt, dass wir in der Redaktion vorzugsweise auch lieber von «Bild» sprechen als von einem «picture», und in den Pausen ruhen wir uns im Schatten aus, während andere darin «chillen». Ausserdem holen wir das Gipfeli in der Bäckerei und nicht im Food-Store.
Im Bestreben, unsere Sprache zu pflegen, sind uns derweil Grenzen gesetzt. Wenn die Hallwilersee-Ranger ihre Veranstaltung «World Ranger Day» nennen, können wir ja nicht einfach über den «Welt-Schutzgebietsbetreuer-Tag» schreiben, weil die Veranstaltung nun mal nicht so heisst. Genau so wenig können wir die «After-Sun-Party» in Zetzwil «Nach-dem-Sonnenuntergang-Tanzveranstaltung» nennen.
Streng genommen dürften wir, wenn wir Fremdwörter vermeiden wollen, künftig Wörter wie zum Beispiel «Parlament» nicht mehr verwenden, das sich aus dem englischen «Parliament» ableiten lässt. Oder es könnte auch vom griechischen «palaver» kommen, das den Weg übers Lateinische, Portugiesische und Englische genommen hat, mir jedoch eher vom italienischen «parlare» bekannt ist. Das ist jetzt keine wissenschaftlich begründete Aussage als viel mehr ein Gefühl: nämlich, dass jedes zweite Wort unserer Sprache seinen Ursprung in einem anderen Land hat.
«Lehnwörter» nennt man solche Übernahmen. Die englische Sprache kennt übrigens ziemlich viele deutsche Ausdrücke, was nicht weiter erstaunt, denn beide Sprachen entstammen dem westgermanischen Sprachstamm. Die Liste ist lang: «doppelgänger», «kindergarten» «bratwurst», «lager», «blitzkrieg», um nur einige zu nennen. Richtigerweise klein geschrieben, weil es ja englische Wörter sind − googeln sie mal... pardon, suchmaschinen sie mal danach!
Zum Schluss kann ich Ihnen versichern, dass wir weiterhin darauf verzichten möchten, durch die Gegend zu «walken», solange wir noch darin «spazieren» können. Ein Trip in die Berge läge zwar noch drin, aber Wandern ist ja auch schön. Wenn ich dann aber in der Beiz bin und eben nicht im Coffee-Shop, möchte ich gerne ein Glacé bestellen dürfen und kein Speiseeis, schliesslich ist Französisch im Gegensatz zu Englisch eine Landessprache. Dann gehts.
Remo Conoci
