Aus der Ruine wurde ein echtes Bijou
01.12.2022 GränichenIm Suterguet in Gränichen, an der Leerberstrasse, entsteht derzeit eine Überbauung mit mehreren Wohngebäuden. Soweit nichts Aussergewöhnliches − wäre da nicht das besondere Engagement von René Brogli, der sich dem Erhalt eines ...
Im Suterguet in Gränichen, an der Leerberstrasse, entsteht derzeit eine Überbauung mit mehreren Wohngebäuden. Soweit nichts Aussergewöhnliches − wäre da nicht das besondere Engagement von René Brogli, der sich dem Erhalt eines über 400 Jahre alten Hauses angenommen hat.
rc. Für den Anlass im «Suterguet» am vergangenen Freitagabend waren vor allem Vertreter beteiligter Baufirmen und Behörden eingeladen. Die beiden Wohnhäuser sind aufgerichtet, aber noch nicht fertig. Ein grosses Einweihungsfest soll dann im Frühling über die Bühne gehen. René Brogli, Investor und Bauherr, nahm jedoch die Fertigstellung eines anderen Gebäudes zum Anlass, zu einer ersten Führung durch das Baugelände einzuladen. Es ist nicht irgendein Gebäude, es handelt sich um das spätgotische Haus mit Baujahr 1611, das direkt an der Wyna steht. Noch vor einem Jahr präsentierte sich dieses in einem fürchterlichen Zustand und wurde praktisch nur noch durch Stahlseile zusammengehalten. Heute zeigt es sich im neuen Glanz und verbindet Tradition und Moderne in beeindruckender Weise.
Brogli legt selber Hand an
Zuerst habe er die Renovation des Hauses jemand anderem überlassen wollen, sagte Brogli. «Dann wurde uns klar, dass wir vom Erker in unserer neuen Wohnung aus direkt auf das Haus sehen werden und wir wollten nicht, dass es dann einer nicht richtig macht. Also machten wir es selber.» Über Geldbeträge wurde zwar nicht gesprochen − alleine der Vergleich von früher zu heute lässt jedoch vermuten, dass einige Investitionen nötig waren. Brogli engagiert sich in der Sache jedoch nicht, weil er Ruhm dafür ernten will, sondern weil ihm der Erhalt solcher Häuser wichtig ist und die Gestaltung der ganzen Bauparzelle ebenso. Brogli selber beschrieb sich als Dirigenten, der ohne die Musikanten gar nichts machen könnte. Bis im Sommer 2021 noch in Seon wohnhaft, sind er und seine Ehefrau Rita heute schon Gränicher und ihr Sohn wird ins umgebaute Haus einziehen.
«Er ist ein Chrampfer», sagt Rita Brogli. «In den letzten Monaten war er sehr oft auf der Baustelle, hat selber angepackt, dabei wäre er doch schon lange pensioniert», lachte sie. Dass ihr Ehemann nichts dem Zufall überlässt, zeigt auch der Blick auf die restliche Überbauung. Die beiden Wohnhäuser fügen sich ins Gränicher Gesamtbild, ein prächtiger Baum wurde gepflanzt und mit 3500 LED-Lämpchen weihnachtlich beleuchtet. Der zuvor abgebaute Spycher mit Baujahr 1580, im hinteren Teil der Parzelle, wurde originalgetreu neu aufgebaut und auch am Eingang zur Liegenschaft wird der Historie Rechnung getragen: «An dieser Stelle stand bis in die 1960er-Jahre ein grosser Brunnen, der später − man weiss nicht warum − durch einen kleineren ersetzt wurde», erinnerte sich Brogli «Mir war es wichtig, dass wieder ein ‹alter› Brunnen hierher kommt». So hätte er in Rumänien einen Brunnen nach seinen Vorstellungen anfertigen lassen können, entschied sich dann doch für die Schweizer Variante. «Es kann ja nicht sein, dass hier ein Brunnen steht, aus dem noch nie eine Kuh getrunken hat». Schliesslich wurde er im Suhrer Brunnenparadies fündig.
Ein neuer alter Brunnen
Gränichens Gemeindeammann Peter Stinemann kam die Ehre zuteil, den Brunnen in Betrieb zu setzen. Später erzählte er dieser Zeitung, wie er früher selber auf dem Schulweg am alten Brunnen vorbeigegangen sei − im Sommer habe dieser immer eine willkommene Abkühlung geboten. «Wir haben in Gränichen ein unglaubliches Glück, dass hier nicht einfach ein anonymer Bunker hingestellt wurde und sich die Familie Brogli in diesem Ausmass engagiert», freute sich der Gemeindevorsteher weiter. Er, wie auch die weiteren Gäste konnten sich hiernach im umgebauten Haus umsehen, das mit Jahrgang 1611 eines der ältesten Gebäude Gränichens ist. Der Respekt vor der Tradition wurde im Interieur mit modernster Bauweise verbunden − ein wahres Bijou.




