Die Poesie schwamm hervorragend
17.05.2023 SeetalEin Autor, dessen Wurzeln im Irak liegen, eine Kritikerin mit grosser Schreiblust und ein Moderator mit Freude an Zwischentönen. Usama Al Shahmani, Annette König und Urs Heinz Aerni waren die Stimmen des Abends und begeisterten das Publikum.
grh. Noch war das ...
Ein Autor, dessen Wurzeln im Irak liegen, eine Kritikerin mit grosser Schreiblust und ein Moderator mit Freude an Zwischentönen. Usama Al Shahmani, Annette König und Urs Heinz Aerni waren die Stimmen des Abends und begeisterten das Publikum.
grh. Noch war das Schiff vertäut. Aber in knapp einer Stunde würde es Richtung Seerose gleiten. Und so richteten die Bibliothekarinnen aus Seon, Seengen, Sarmenstorf, Meisterschwanden, Fahrwangen, Hohenrain, Hitzkirch, Hochdorf, Birrwil und Beinwil am See den Apéro, halfen bei der Technik, besprachen Abläufe und besorgten weitere Stühle. Als die Mitarbeitenden der Schifffahrtsgesellschaft die Leinen lösten, begaben sich einige Frauen des Veranstaltungsteams aufs Oberdeck. «Es ist schön zu sehen, wie die Gäste am Steg stehen und sich freuen», sagte Simone Huber, die in und Meisterschwanden tätig ist. Die Zahl winkender Hände gab ihr eindeutig recht.
Es dauerte eine Weile, bis alle Platz gefunden hatten. Aber das Duo Chelo, bestehend aus den beiden Musikerinnen Christa Hellmüller und Elodie Théry, verkürzten den Literaturfans die Wartezeit klangvoll. Mit der ersten Frage von Moderator Urs Heinz Aerni verstummte das Stimmengewirr. «Ihr seid beide nicht nur Schreibende, sondern auch Kritiker. Gibt es einen Unterschied zwischen lesen «müssen» und lesen «wollen»?» Für Annette König ganz klar: «Ich vermeide so gut wie möglich jede Vorinformation über Buch oder Autor.» Nicht zu vergessen sei ein Stift für Kommentare. Usama Al Shahmani ergänzte mit einem Schmunzeln: «Und meine Kommentare mache ich auf Arabisch, obwohl gelesene und geschriebene Sprache dann völlig unterschiedlich funktionieren.»
Ein gutes Buch
Sehr einig waren sich die drei, was die Grundlagen eines guten Buches betrifft. Den Plot könne man, trotz seiner eher technischen Rolle, nicht ausser Acht lassen. «Mir ist die Poesie wichtig», betonte Usama Al Shahmani. «Eine Geschichte soll keine Autobahn sein. Ich wünsche mir Landschaft, wünsche mir Farben – einfach die Möglichkeit, auch als Lesender Teil der Geschichte zu sein.»
Lebhafte Diskussion
Wie sehr die Leidenschaft des Autors ein Werk mitbestimmt, illustrierte Annette König am Buch «Magische Orte – Ein Leben mit der Literatur». «Wer das Buch im Regal sieht, würde es nicht freiwillig in die Hand nehmen. Auch ich startete mit dem «Muss» im Hintergrund.» Doch Karl-Josef Kuschels Begeisterung für Literatur habe etwas Magisches. «Er nimmt mich als Leserin mit an seine Lieblingsplätze und ich wünschte mir, die Reise hätte länger gedauert.» Urs Heinz Aerni nickte immer wieder. Doch die klassische Moderatorenrolle hatte er an diesem Abend nicht. Vielmehr war er der dritte Mann in der lebhaften Diskussionsrunde. Stiller wurde es nach der Pause, als Usama Al Shahmani «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt» vorstellte. Protagonist Dafer Schiehan hat es geschafft. Er hat trotz negativen Asylbescheids Deutsch gelernt, Arbeit als Tellerwäscher gefunden und eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Sein akademischer Hintergrund kommt nicht zum Tragen. Der Grund seiner Flucht aus dem Irak, ein kritisches Theaterstück, auf welches Saddams Schergen aufmerksam wurden, steckt ihm in den Knochen. Bedrückend klar wurden in diesen Schilderungen die verschiedenen Facetten des Schweigens, die Al Shahmani thematisiert. Das Schweigen, obwohl man sprechen sollte. Schweigen als letzte Sprache und die Schwierigkeit, es auszuhalten.
Umso schöner war es nach der Lesung mitzuerleben, von welcher Fröhlichkeit das Signieren begleitet war. Diese Inspiration der Lebensfreude begleitete die Gäste des Literaturschiffs auf ihrem Weg nach Hause – und vielleicht noch viel weiter.




