Für die Zukunft der Vergangenheit
28.03.2024 Boniswil2014 gründete sich der Förderverein Steinzeitwerkstatt. Die Intention ist die Zukunft der von Max Zurbuchen geschaffenen Stätte zu sichern sowie ihn bei der Leitung wissenschaftlich, organisatorisch und administrativ zu unterstützen. Der Vortrag am Jubiläumsanlass ...
2014 gründete sich der Förderverein Steinzeitwerkstatt. Die Intention ist die Zukunft der von Max Zurbuchen geschaffenen Stätte zu sichern sowie ihn bei der Leitung wissenschaftlich, organisatorisch und administrativ zu unterstützen. Der Vortrag am Jubiläumsanlass zeigte, wie wichtig dieses Engagement ist und bleibt.
grh. Die Anfänge der «Steinzeitwerkstatt» liegen mittlerweile mehr als 70 Jahre zurück. Geführt wurde sie 1950 von Reinhold Bosch in der Alten Schmitte in Seengen. Platzmangel und räumliche Gegebenheiten machten mehrere Umzüge nötig.Vom Kornhaus im Schloss Hallwyl über den Keller im Burgturm in Seengen nach Boniswil. Mittlerweile hatte Prähistoriker und Experimentalarchäologe Max Zurbuchen die Leitung übernommen. Gerne empfing er Schulklassen wie Erwachsene, wies sie in die Kunst des Messerschleifens und vieles mehr ein. Seine Forschung ist die Grundlage für authentische Erlebnisse.
2014 wurde klar, dass zwei Schultern zum Tragen für das Projekt nicht ausreichen. Der Förderverein wurde gegründet. Gut 100 Mitglieder stehen heute hinter dem Vorstand, dessen wichtigstes Anliegen es ist, die Institution Steinzeitwerkstatt zu erhalten, den ständig neuen Anforderungen anzupassen und inhaltlich weiterzuentwickeln. An der Generalversammlung wurde kürzlich mit Beat Meier ein neuer Präsident gewählt, nachdem der eigentlich Vize Othmar Wey die Geschicke des Vereins nach Pitsch Schmids Weggang 2021 ad interim geleitet hatte.
Zweimal Unesco-Welterbe
Zur Feier des Jubiläums hielt an diesem Abend Kantonsarchäologe Dr. Thomas Doppler einen Vortrag mit dem Titel «Archäologische Forschungen am Hallwilersee». Gut 20 Fundstellen existieren rund um den See, an manchen liessen sich Siedlungsnachweise erbringen. An einigen wurden einzelne Gegenstände wie ein Steinbeil, ein Einbaum oder Keramikfragmente gefunden. «Was manche nicht wissen», verriet Thomas Doppler, «zwei der Fundstellen, nämlich Seengen-Riesi und Beinwil am See-Ägelmoos gehören zum Unesco-Welterbe.» Damit sei es die Pflicht des Kantons, dieses Erbe zu erhalten und zu schützen.
«Von Vorteil ist, dass der Hallwilersee im Gegensatz zu fast allen anderen Voralpenseen nie tiefergelegt worden ist. Die spätbronzezeitliche Fundstelle auf der Halbinsel Riesi ist somit eine der am besten erhaltenen Feuchtbodensiedlungen der Schweiz.» Da es sich ausserdem um ein Naturschutzgebiet handle, gebe es weder Bauten noch künstliche Bodeneingriffe. «Die Pfahlbausiedlung ist ausser Gefahr.» Anders in Beinwil-Ägelmoos – die Fundstelle litt an der Erosion durch Schiffsverkehr, Anker und Wellenschlag. «Wir haben sie mit einem Vlies, also einer Schutzdecke und Kies versehen, so bleibt sie für die nächsten 50 Jahre geschützt.»
Die nächste Generation
Die Fragen im Anschluss an den Vortrag zeigten, wie viel es noch zu erforschen gilt. Welche Herausforderungen sieht der Förderverein in den kommenden Jahren auf sich zukommen? «Was uns beschäftigt, ist die Nachfolge von Max Zurbuchen. Mit über 80 Jahren möchte er sein Werk langsam der nächsten Generation anvertrauen», erklärt Othmar Wey. Doch das sei alles andere als einfach. «Sein Wissen, die räumliche Nähe zur Steinzeitwerkstatt, die Flexibilität beim Übernehmen der Führungen – es gibt so viele Aspekte seiner Arbeit, die abgedeckt sein müssen.»
Die Wissensvermittlung habe sich weiterentwickelt, die digitale Öffentlichkeitsarbeit müsse gestärkt werden und die Finanzen. «Wir brauchen jemanden, der aktiv auf Menschen zugeht und Spenden akquiriert, um uns auch langfristig engagieren zu können», Othmar Wey hält einen Moment inne, bevor er fortfährt, «wir haben also genug Arbeit für die kommenden Jahre.»

