Dürrenäsch verkauft sein Elektrizitätswerk
04.07.2024 DürrenäschVon den insgesamt 922 Dürrenäscher Stimmbürgern fanden 103 den Weg zur Gemeindeversammlung. Zur Abstimmung lagen einige wegweisende Geschäfte vor. Es beschloss der Souverän, dass das gemeindeeigene Elektrizitätswerk zum Preis von 7,5 Millionen Franken an die ...
Von den insgesamt 922 Dürrenäscher Stimmbürgern fanden 103 den Weg zur Gemeindeversammlung. Zur Abstimmung lagen einige wegweisende Geschäfte vor. Es beschloss der Souverän, dass das gemeindeeigene Elektrizitätswerk zum Preis von 7,5 Millionen Franken an die AEW Energie AG verkauft wird. Für den Zeitraum von 20 Jahren wird sich die Gemeinde im Haus Nr. 9. des Korki-Areals einmieten und die Räumlichkeiten als Schulraum nutzen. Keine Chance hatte die erneut beantragte Einführung von Tempo 30 im Baugebiet.
hg. Bevor die Traktandenliste in Angriff genommen wurde, orientierte Gemeindeammann Josef Willi aus aktuellem Anlass über den Brandausbruch in einem Einfamilienhaus vom vergangenen Abend. «Wir als Gemeinde werden möglichst unbürokratisch Soforthilfe leisten, wo diese gebraucht wird», versprach er. In Kürze werden auf der Gemeindehomepage Infos aufgeschaltet, wie die vom Brand Betroffenen unterstützt werden können. In einem ersten Schritt wurde an diesem Abend ein «Spendenkässeli» aufgestellt.
Zukunft des Bürgerheims
Nach Genehmigung von Protokoll und Rechenschaftsbericht stellte Gemeinderat Werner Schlapbach die Kreditabrechnung «Bürgerheim – Teilsanierung Landwirtschaftsbetrieb» vor, welche eine Kreditunterschreitung um 5254.75 Franken (Verpflichtungskredit 10’000 Franken) aufweist. Ursprünglich hatte der Gemeinderat der Gemeindeversammlung im November 2022 einen Kreditantrag von 150’000 Franken beantragt. Dieser wurde aber abgelehnt, bewilligt wurde lediglich der Betrag von 10’000 Franken für die dringendst notwendigen Arbeiten. «Es ist klar, dass wir damit keine seriöse Sanierung in Auftrag geben konnten», hielt Werner Schlapbach fest. Der Ressortvorsteher fand aber eine kostengünstige Notlösung. Wie es mit dem Bürgerheim in Zukunft weitergeht, ist weiterhin unklar. Der Gemeinderat hat Fachleute beigezogen und man sei bei diesen Abklärungen auf einen Berg von Schwierigkeiten gestossen. Sobald sich eine gute Lösung für die Zukunft des Bürgerheims abzeichne, werde die Bevölkerung zu einer Infoveranstaltung eingeladen, versprach Werner Schlapbach. Die Kreditabrechnung erhielt breite Zustimmung, ebenso die Rechnung 2023, welche einen Ertragsüberschuss von 1,571 Millionen Franken aufweist. Hierbei merkte Josef Willi an, dass das zwar erfreulich sei, jedoch nur auf den ersten Blick. Wesentlich höher ausgefallen waren die Steuererträge der juristischen Personen aus den Gewinn- und Kapitalsteuern. Da es sich dabei um provisorische Rechnungen handle, können sich die Zahlen im Jahr 2024 sowohl negativ als auch positiv noch deutlich verändern. «Bedenklich ist nach wie vor, dass wir per Ende 2024 9 Millionen Fremdkapital haben, was Zinsen von jährlich 154’000 Franken bedeutet», gab der Gemeindeammann zu bedenken.
Dürrenäsch verkauft sein EW
Und genau diese enormen Schulden waren ein Grund, weshalb der Gemeinderat den Verkauf des gemeindeeigenen EWs traktandiert hat. Als weiteren Grund nannte Ressortleiter Thomas Sauder die stetig steigende Komplexität in diesem Metier. «Wir als Laien im Gemeinderat sind da einfach überfordert.» Es sei auch keineswegs so, dass man einen Goldesel verkaufen wolle. «Die Zeiten, als das EW noch Erträge abgeworfen hat, sind längst vorbei», fand er deutliche Worte. Auf dem Tisch liegt das Angebot der AEW Energie AG, welche das EW Dürrenäsch zum Preis von 7,5 Millionen übernehmen will. Das Angebot sei verlockend, aber sicher kein Geschenk, die AEW wolle schliesslich Geld verdienen, gab ein Stimmbürger zu bedenken. «Ist der Verkauf einer Substanz wirklich die richtige Lösung?», so eine andere Wortmeldung. «Das EW wird nicht an Spekulanten weitergegeben, sondern von der Dürrenäscher Bevölkerung an den Kanton Aargau», so eine Stimme für einen Verkauf. Zum Ende der Diskussionsrunde wand Beat Widmer ein Kränzchen an die Adresse des Gemeinderats: «Ein Kompliment für die Ausarbeitung dieses Geschäfts, da wurde die Seriösität in den Vordergrund gestellt!» Schlussendlich stimmte der Souverän dem Verkauf des EWD an die AEW Energie AG mit 64 Ja zu 20 Nein-Stimmen zu. Dem Erlass eines Reglements über die Konzessionsabgabe der Sondernutzung des öffentlichen Grund und Bodens entsprachen die Stimmbürger grossmehrheitlich.
Schulraum gesichert
Gemeinderätin Simone Bertschi zeigte auf, dass der Doppelkindergarten mit Baujahr 1975/76 in die Jahre gekommen ist und den heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird. Eine Sanierung macht wenig Sinn, zu hoch wären die Kosten, eine Erweiterung nicht möglich. Da scheint das Angebot der Sarudo AG mit einer Mietmöglichkeit der Erdgeschossfläche im Gebäude Nummer 9 des Korki-Areals ein Glücksfall. Auf grosszügiger Fläche könnte da der dringend benötigte Schulraum realisiert werden, dies zu einem jährlichen Mietpreis von 69’000 Franken (exkl. Nebenkosten und Mietzinsindexierung), festgesetzt auf eine Dauer von 20 Jahren. Mietbeginn wäre auf das Schuljahr 2027/28 möglich. In der anschliessenden Diskussionsrunde kam das Beck-Bertschi-Haus zur Sprache, welches aber für Schulraum ungeeignet ist und es wurde die Frage in den Raum gestellt, ob es nicht sinnvoller wäre auf einer gemeindeeigenen Grundfläche einen Neubau zu erstellen. Schlussendlich aber überwogen die Stimmen für den Antrag des Gemeinderates, welcher mit 57 Ja zu 31 Nein-Stimmen angenommen wurde.
Tempo 30 im Baugebiet ist vom Tisch
Schwerer hatte es da die in einem zweiten Versuch vorgeschlagene Einführung von Tempo 30 auf den Gemeindestrassen im Baugebiet. Bereits an der Sommergmeind 2022 kam eine solche nicht zustande, damals wurden stattdessen Einzelmassnahmen gefordert, welche dann in der Hauptabstimmung aber abgelehnt wurden. Da sich an der Problematik der Verkehrssicherheit in der Zwischenzeit nichts geändert hat, wagte der Gemeinderat einen neuen Anlauf, stiess aber wiederholt auf Widerstand, sodass er einen Rückweisungsantrag des Geschäfts stellte. Diesen lehnten die Stimmbürger jedoch ab, woraufhin ein von Markus Peter eingegangener Antrag man möge lediglich die Markierungen für Rechtsvortritt anbringen dem ursprünglichen Antrag gegenübergestellt wurde. Deutlich mehr Stimmen erhielt hier die Einführung von Tempo 30 im Baugebiet, was an der finalen Abstimmung jedoch mit 22 Ja zu 76 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt worden ist. Damit ist das Thema Tempo 30 vom Tisch, eine Lösung zur Verkehrssicherheit einmal mehr in die Ferne gerückt.
Badi eröffnet am 6. Juli
Unter Traktandum Verschiedenes und Umfrage orientierte Josef Willi über den Stand der Dinge im Zusammenhang mit dem Überweisungsantrag, in welchem der Dürrenäscher Gemeinderat beauftragt wurde, mit der Gemeinde Leutwil Gespräche für Abklärungen betreffend Zusammenschluss beider Gemeinden zu führen. Im Mai habe eine erste Sitzung stattgefunden, es bestehe ein gutes und freundschaftliches Verhältnis, so der Gemeindeammann. «Wir sind daran diesen Überweisungsantrag zu be- und erarbeiten, das wird aber ein längerer Weg.»
Zu guter Letzt wandte sich Ruedi Sager mit der guten Nachricht an die Versammlung, dass die Badi nach der Umbauphase am 6. Juli ihren Betrieb wieder aufnimmt.
Originaltöne
«Wir als Gemeinde werden möglichst unbürokratisch Soforthilfe leisten, wo diese gebraucht wird.»
Versprach Gemeindeammann Josef Willi den vom Brand betroffenen Dürrenäschern.
«Es ist klar, dass wir damit keine seriöse Sanierung in Auftrag geben konnten.»
Statt für die einst beantragten 150’000 Franken stand für eine Notsanierung beim Bürgerheim nur der Betrag von 10’000 Franken zur Verfügung. Es erkärte Werner Schlapbach die Kreditabrechnung.
«Bedenklich ist nach wie vor, dass wir per Ende 2024 9 Millionen Fremdkapital haben, was Zinsen von jährlich 154’000 Franken bedeutet.»
Gemeindeammann Josef Willi.
«Es ist keineswegs so, dass wir einen Goldesel verkaufen wollen.»
Gemeinderat Thomas Sauder erklärte, dass die Zeiten, als das EW noch Erträge abgeworfen hat, längst vorbei sind.
«Ist der Verkauf einer Substanz wirklich die richtige Lösung?»
Es gab auch kritische Stimmen zum Verkauf des EWD.
«Das EW wird nicht an Spekulanten weitergegeben, sondern von der Dürrenäscher Bevölkerung an den Kanton Aargau.»
Ein positives Votum für einen Verkauf.
«Ein Kompliment für die Ausarbeitung dieses Geschäfts, da wurde die Seriösität in den Vordergrund gestellt!»
Beat Widmer wand dem Gemeinderat für den aufgegleisten EW-Verkauf ein Kränzchen.
«Gilt dieser Abriss-Beschluss noch? Dann machen wir das nämlich gleich übermorgen...»
Einmal mehr war das Beck-Bertschi-Haus Thema an der Gemeindeversammlung. Ein Abriss steht aber ausser Diskussion.
