Er wollte eigenen «Seetalstrom» produzieren
04.07.2024 BirrwilEs war einmal eine Idee. Noch besser, eine Vision. Die Vision, Energie aus der Region, für die Region zu produzieren. Sozusagen den eigenen «Seetalstrom». Richard Stocker aus Birrwil, Visionär mit Weitblick, Maschineningenieur und Forstingenieur im Ruhestand und ...
Es war einmal eine Idee. Noch besser, eine Vision. Die Vision, Energie aus der Region, für die Region zu produzieren. Sozusagen den eigenen «Seetalstrom». Richard Stocker aus Birrwil, Visionär mit Weitblick, Maschineningenieur und Forstingenieur im Ruhestand und dennoch aktiv, hatte bereits in den 2010er-Jahren die Idee, mit dem Bau eines Pumpspeicherwerks in Birrwil eine allfällige Energieknappheit abfzufangen.
dr. Dies hätte bedeutet, dass sich ein Pumpspeicherwerk in Birrwil am Hallwilersee befinden würde und im Gebiet Güggeliberg ein Speichersee verbunden mit einer Druckleitung zum Turbinenhaus am Hallwilersee. Zur Idee selbst wären auch noch zwei Windkraftanlagen in der Nähe des Speichersees am Güggeliberg geplant gewesen. Somit wäre eine optimale Kombination und bestmögliche Ausschöpfung zur Gewinnung von Energie auf relativ kleinem Raum gewährleistet gewesen. Um das Vorhaben überhaupt realisieren zu können, sollte das Projekt in den Richtplan des regionalen Raumkonzepts (RRK2040) aufgenommen werden. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch aus diversen Gründen. Dabei wollte Richard Stocker eigentlich nur bewirken, dass ein geeigneter Standort für eine Energieerzeugung festgelegt wird. Dies auch mit Weitblick für kommende Generationen. Mit der Annahme des neuen Energiegesetzes sind die Möglichkeiten, selbst Strom zu produzieren oder zu verkaufen, gestiegen. Wäre nun der richtige Zeitpunkt, um das Projekt aus der Schublade zu holen und die Aufnahme im Richtplan zu starten? In einem Interview mit Richard Stocker sind wir dieser Frage nachgegangen.
Eröffnen sich durch die Annahme des neuen Energiegesetzes neue Wege in Sachen Stromproduktion, Windräder und Kleinkraftwerke?
Richard Stocker: «Ja! Es sollen, gemäss Gesetz, schwergewichtig Solaranlagen auf den Hausdächern vorangetrieben werden und Stromproduktion und -verbrauch sollen möglichst in der gelöst werden.»
Solarstromüberschüsse aus dem aargauSüd wären Voraussetzung für den Sinn eines 8 Megawatt-Pumpspeicherkraftwerkes Birrwil. Für die finanzielle Förderung eines solchen Werkes durch den Bund, scheint mir, hat sich (noch) nichts geändert. Erst wenn Mangellage erkennbar wird, ist der Bund bereit auch kleinere Werke als «im nationalen Interesse» zu bezeichnen. Das wäre aber leider viel zu spät für Unternehmen, die 10 bis 15 Jahre zur Realisierung benötigen.»
Hand aufs Herz Herr Stocker: Wäre es einen Versuch wert, einen erneuten Anlauf zu starten, um das Projekt «Pumpspeicherwerk Birrwil» in den Richtplan des RRK2040 aufzunehmen?
Stocker: «Der Kanton Aargau ist leider an einem solchen Werk nicht interessiert. Warum? Erwünscht wären Grosskraftwerke, also ist auch von da eine finanzielle Unterstützung nicht zu erwarten. Trotzdem wäre die Sicherung und Aufnahme der für das Pumpspeicherkraftwerk benötigten Gelände für das Speicherbecken, die Rohrleitungen und das unterirdische Kraftwerksgebäude am See in den Richtplan sinnvoll. Politiker brauchen zur besseren Einsicht oft etwas länger. Bei der Seetalbahn zum Beispiel dauerte es 10 Jahre.»
Neben dem Speicherbecken wären auch der Bau von 2 Windkraftwerken vorgesehen gewesen. Man hört es nicht gerne, aber Windkraftwerke zu betreiben ist umstritten, sei es aus geographischer oder ornithologischer Sicht. Auch ist ein Umweltkolonialismus von Nöten. Wie ist ihre Ansicht dazu?
Stocker: «Zwei 3 MW Windmühlen, am gleichen Ort wie das Speicherbecken wären die perfekte Ergänzung zur Sonnenenergie. Bei schlechtem Wetter und in der Nacht bläst oft der Wind. Dazu müsste der Kanton diesen Ort als geeigneten Vorzugsort ausscheiden. Wenn wir weiter so leben wollen wie bisher, werden wir in diesen oder jenen sauren Apfel beissen müssen.»
Zeichnet sich eine Strommangellage in Zukunft wie im Jahr 2023 befürchtet ab?
Stocker: «Der Verbrauch von Elektrizität wird sich durch die Abkehr von den fossilen Energien erhöhen, wie zum Beispiel Wärmepumpen, Elektroautos, KI. Ausserdem stelle ich keinen Willen in der Bevölkerung zu sparsamerem Leben fest. Als Indiz dazu sei die Vielfliegerei erwähnt. Wenn unglückliche Umstände zusammentreffen, ist ein Blackout nicht auszuschliessen. Es fehlt sowohl in der Politik als auch im Volk der klare Wille zur Veränderung.»
Das von ihnen projektierte Pumpspeicherwerk müsste eine gute Rendite abwerfen, um überhaupt Investoren anzulocken. Ist durch die Annahme der neuen Energiestrategie solche ein Projekt noch interessant?
Stocker: «Ein solches Werk kostet etwa 30 Millionen Franken, das in etwa 15 Jahren amortisiert werden sollte. Eine Rendite wäre, mit den heutigen Strompreisen, während dieser Zeit nicht zu erwarten. Ohne Hilfe des Staates, der 12 umliegenden Gemeinden oder eines Grossinvestors kann das Projekt unmöglich realisiert werden. Es gibt viele Dinge im Leben, welche notwendig und nicht rentabel sind, wie zum Beispiel Toiletten, Betten, Kinder, Privatautos und vieles mehr.»
Was möchten sie punkto Stromverbrauch den Lesern des Wynentaler-Blattes noch mitgeben?
Stocker: «Die billigste Energie ist jene, die man nicht braucht! Macht euch Stromsparen durch Abschalten, auch von Standbys, zum Hobby! Es ist erstaunlich, was möglich ist und das energetische Bewusstsein fördert!
Wir bedanken uns herzlich für ihre Ausführungen.


