Es ist wohl das bekannteste Gleichnis im Lukas-Evangelium, jenes vom «verlorenen Sohn». Aber wie erzählt man die Geschichte zweier Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein können? Fast 70 Kinder und mehr als zehn Erwachsene haben es als Projekt eines Adonia ...
Es ist wohl das bekannteste Gleichnis im Lukas-Evangelium, jenes vom «verlorenen Sohn». Aber wie erzählt man die Geschichte zweier Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein können? Fast 70 Kinder und mehr als zehn Erwachsene haben es als Projekt eines Adonia Junior-Chors gezeigt.
grh. «Wann geht es los?» Fragend wandten sich die drei kleinen Mädchen an die ältere Dame neben sich. Sie sah auf die Uhr: «Noch vier Minuten.» «Juhui», freute sich das Trio. Die Mittlere fügte hinzu: «Ich weiss, wie lange vier Minuten dauern.» Michael Freiburghaus, der als Vertreter des Veranstalters, der reformierten Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch, vor Ort war, freute sich über die volle Mehrzweckhalle: «Vor allem weil der Anlass erstmals samstags statt wie bisher am Freitag stattfindet.» Pünktlich erlosch das Licht.
Von einem einzelnen Scheinwerfer geleitet eroberte der Chor die Bühne. Während das Publikum vom Temperament der Sängerinnen und Sänger fasziniert war, platzierten Helfer ein paar Requisiten für die Theaterszenen. Ein Vater, der seine beiden Söhne in die Gegebenheiten des Familienhofes einführen will, lässt den Jüngeren ziehen, weil dieser sich nach Freiheit sehnt. Doch der Bursche lebt verschwenderisch. Weil er bald kein Geld mehr hat, arbeitet er am Ende als Schweinehirt, bevor er sich ein Herz fasst und nach Hause zurückkehrt. Er wird mit offenen Armen empfangen. Die Familie findet sich mit Gottes Hilfe.
Mundart mit Anglizismen
Soweit die Grundzüge des Gleichnisses. Doch die Dialoge erwiesen sich als witzige Mischung aus klassischen Texten auf Mundart und modernen Anglizismen. «Was de Bro so macht», ist nur ein Beispiel. Für einen Szenenwechsel wurde das Bild auf der Leinwand umgeklappt. Worauf sonst die Liedtexte projiziert wurden, drehte sich plötzlich das Rad eines Roulettetisches.
Der Einfallsreichtum war beeindruckend. Das Engagement hatte etwas Ansteckendes. Chorleiterin Tabea Kradolfer stand während des Dirigierens kaum je still. Manche Stücke wurden von Tänzern mitgetragen. Die Pantomime-Handschuhe brachten die Übertragung der Lieder in Gebärden wunderbar zur Geltung. Die zwei jungen Frauen, die im Vorfeld am Verkaufsstand die verschiedenen CDs angepriesen hatten, kümmerten sich im Saal um die Technik. Alle Facetten des Miteinanders wurden für das Publikum kaum sichtbar. Doch die Begeisterung der Kinder wird viele Zuschauerinnen und Zuschauer weit über das Wochenende hinaus begleitet haben. Gut zu wissen, dass die Kirchgemeinde Adonia auch im kommenden Jahr unterstützen will. Dem nächsten Konzert steht also nichts im Wege.