Die Operettenstars von morgen?
20.02.2025 Seetal, Beinwil am SeeDie Theatergesellschaft Beinwil am See bietet für die Jugendlichen des Jugendchors Seetal einen umfangreichen Einblick zur aktuellen Operette Csàrdàsfürstin. Ein Nachmittag, der den rund 40 Teilnehmenden so einige «Ahha»- und «Wow»-Momente ...
Die Theatergesellschaft Beinwil am See bietet für die Jugendlichen des Jugendchors Seetal einen umfangreichen Einblick zur aktuellen Operette Csàrdàsfürstin. Ein Nachmittag, der den rund 40 Teilnehmenden so einige «Ahha»- und «Wow»-Momente entlockt.
jaf. Das Foyer im Löwensaal Beinwil am See füllt sich mit wissbegierigen Jugendlichen. Begrüsst wird die Jungmannschaft vom Präsidenten der Theatergesellschaft, Markus Bitterli, sowie dem Regisseur Raschid Kayrooz und den Operettenschauspielern Raisa Ierone, Andreas Wuffli, Hans Käser und Peter Eichenberger.
Bevor die Jugendlichen im Alter von 11 bis 20 selbst zum Proben der Sprechszenen in Aktion treten, erhalten sie von Markus Bitterli und den Protagonisten einen informativen Einblick rund um die Welt der Operette. Dabei stellen die Hauptakteure sich und ihre Rolle in der Operette kurz vor. So erzählt Andreas Wuffli, dass er früher als Tenor sang, mittlerweile eine tiefere Stimme hat und nun Bariton singt. «Wenn man älter wird, wird die Stimmer tiefer und der Bauch grösser», sagt Wuffli und bringt alle zum Lachen.
Die Theoriestunde gestaltet sich so kurzweilig, dass die jungen Zuhörer leise an Ort und Stelle stehen bleiben, um gespannt zu lauschen, was ihnen erzählt wird.
Die Jugendlichen in Aktion
Nach der Einteilung in vier Gruppen verteilen sich die Jugendlichen und die Protagonisten im Gebäude. Wobei Raisa Ierone, Andreas Wuffli, Hans Käser und Peter Eichenberger als Mentorin und Mentoren zur Seite stehen. Im Rundgang fällt auf, dass jeder der Künstler eine andere Vorgehensweise zeigt, wie sie den Jugendlichen das Einspielen der Szenen näherbringen. Eine Szene mit dem strengen Oberleutnant Rohnsdorff, welcher von Hans Käser gespielt wird, erfordert von den Chorsängern einen strengen, lautstarken Ton. Empathisch erklärt Käser: «Ich weiss, es ist unangenehm, wenn das Gegenüber einen Meter vor einem steht und man so laut sprechen muss. Aber ihr müsst daran denken, dass auch das Publikum in den hinteren Reihen verstehen muss, was ihr sagt.» Fokussiert sind die Jugendlichen dabei, die Tipps der Künstler direkt umzusetzen. Mit Erfolg. In jeder Wiederholung der Szene zeigen sie ihr Bestes und werden mutiger. Auffallend ist auch, welch wohlwollender Umgang die Jugendlichen untereinander haben. Denn die durchmischte Gruppe an Chormitgliedern unterscheidet sich nicht nur in ihren Altersgruppen sehr stark. Einige der Workshopteilnehmer bringen teils bereits Bühnenerfahrung mit, andere sind gar selbst in einer Theatergruppe und für manche ist alles komplett Neuland. Doch eben der Umgang mit solchen Diskrepanzen macht den Jugendchor Seetal so besonders. Denn fern von Vergleichen und Missbilligungen zeigen die Jugendchormitglieder stets einen wertschätzenden und aufbauenden Umgang miteinander. So werden auch die Kleinen oder Schüchternen von der ganzen Truppe getragen und wachsen regelrecht über sich hinaus.
Gelernt, gezeigt
Nach der Probestunde versammeln sich alle Teilnehmer im Saal. Nun werden die eingespielten Szenen auf der Bühne präsentiert. Bei dem ein oder anderen Jugendlichen zeigt sich im Gesichtsausdruck das Lampenfieber. Doch mutig sind sie alle und wagen den Schritt auf die Bühne. Erstaunlich, was für Entwicklungen die zu Anfang teils noch sehr zurückhaltenden jungen Menschen in einer Stunde erbringen. Einige konnten bereits den Text auswendig, wobei nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass die angewandte Sprache stilgerecht der Zeitepoche entspricht und teils nicht der heutigen Sprache gleichkommt. Chapeau! Ebenso beobachten die Chorleiterinnen und -leiter des Jugendchors sichtlich stolz, was ihre Vereinsmitglieder leisten.
Feedbackrunde
Peter Eichenberger schildert, dass sie zuvor insgesamt 45-mal probten.
Der Workshop ist ein kleiner Einblick wie diese aussehen. Wie das Finale der geprobten Operette aussehen wird, kann der Jugendchor beim Besuch der Abendvorstellung selbst miterleben. Abschliessend sagt der Regisseur Kayrooz: «Das, was ihr heute geprobt habt, ist die Grundlage. Danach käme der Feinschliff und jedes Individuum könnte weiterentwickelt werden.» Auf die Frage, wie die jungen Workshopteilnehmer die Proben fanden, entgegnet eine junge Chorsängerin begeistert: «Ich habe gemerkt, dass ich selbstbewusster wurde.» Ein anderes Mädchen erzählt mit strahlendem Lachen: «Es gab gute Tipps.»
Nur noch geniessen
Nach dem erlebnisreichen Nachmittag geniessen alle gemeinsam das vom Fenchelclub vorbereitete Abendessen. Während die Köche mit der Essensausgabe für die hungrige Truppe kaum nachkommen, herrscht nach dem intensiven Nachmittag ein grosser Bedarf an Austausch und eine ausgelassene Stimmung. Bevor es weitergeht, darf der fast schon obligatorische «Jugendchorsong» des Jugendchors Seetal nicht fehlen. Gekonnt und mit grösster Freude präsentieren sie ihre eigene Chorhymne. In einem Gespräch mit Ernst Meier, dem Präsidenten des Förderverein Jugendchor Seetal und Sponsoring, erzählt er, welch grosser Zusammenhalt im Jugendchor besteht: «Als ich als Projektleiter zurücktrat, schrieben die Jugendlichen den Song auf mich um. Mit Bildern hinterlegt sangen sie zum Abschied das Lied. Das war unglaublich rührend für mich.»
Nach dem Abendessen dürfen die Jugendlichen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Kurz vor der Aufführung laufen bereits die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Hektik vor dem Auftritt ist spürbar, Musiker vom Orchester spielen ihre Instrumente ein,Tänzerinnen sitzen für das Finish in der Maske, die Kostüme werden gerichtet. Eng beieinander die Jugendlichen, die beherzt versuchen, niemandem in den engen Räumlichkeiten im Weg zu stehen.
«Showdown»
Ein spannender Moment für alle. Denn was sie am Nachmittag noch selbst geprobt haben, können sie bei der Vorstellung nun in Vollendung sehen. In der Pause erzählt die Chorsängerin Martina: «Es ist spannend zu sehen, wie sie spielen und teils auch andere Worte verwenden als wir in den Szenen.» Ihre Sitznachbarin fügt hinzu: «Die Kostüme sind auch grossartig. Mir gefallen die Kleider aus den 20er Jahren.» Obwohl die Müdigkeit die quirlige Jungmannschaft zur späten Stunde ruhiger werden lässt, zeigen sie ihre Begeisterung zum Ende der Vorstellung nochmals mit einem lautstarken «ZiggeZagge», einem bekannten Anfeuerungsruf. Ein ereignisreicher Tag neigt sich um 22.30 Uhr dem Ende zu. Ein gelungenes Projekt, welches der Jugendchor Seetal und die Theatergesellschaft Beinwil am See mit viel Hingabe, Freude und Empathie umgesetzt haben, um jungen Menschen einen Einblick in die Welt der Operette zu ermöglichen. Und wer weiss, als engagierte Chorsängerinnen und Chorsänger wäre es bestimmt nicht fern, wenn an diesem Tag ein neues Feuer für die Operettenbühne entfacht wurde.
Rolle der Protagonisten
Die aktuellen Operette Csàrdàsfürstin wurde im Jahr 1915 in Ungarn geschrieben. Die Operette handelt von einer Liebesgeschichte zwischen Sylva Varescu, einer Chansonnière und dem Fürstensohn Edwin. Die Liebe wird aber durch das ungleiche gesellschaftliche Ansehen von den Eltern des verliebten Fürsten vehement abgelehnt. Denn diese haben bereits andere Pläne für ihren Fürstensohn. Dabei spielt Peter Eichenberger im Stück die Rolle des Fürstenvaters Leopold Maria, Fürst von und zu Lippert-Weylersheim. Raisa Ierone spielt die Comtesse Stasi und Cousine des Fürstensohns Edwin. In der Operette ist die Hochzeit zwischen den beiden bereits in Planung, ganz zum Widerwillen des Fürstensohns. Hans Käser spielt einen Verwandten Edwins und ist der strenge und lautstarke Oberleutnant von Rohnsdorff, der den Einberufungsbefehl der fürstlichen Eltern ausführt, um Edwin zu überbringen. Andreas Wuffli spielt Feri Bacsi, einen Kumpel von Edwin. Dank ihm wird die Geschichte eine überraschende Wendung nehmen.



