Gewässerräume kommen ins Visier
27.02.2025 SchlossruedDer Kanton Aargau hat vorgesehen, den Längentalbach in Schlossrued im untersten Abschnitt gegen das Regenklärbecken auszudolen. Gleichzeitig soll auch im Oberlauf des Baches geprüft werden, ob ein Ausbau zu Gunsten des Hochwasserschutzes realisierbar wäre. Grundtenor ...
Der Kanton Aargau hat vorgesehen, den Längentalbach in Schlossrued im untersten Abschnitt gegen das Regenklärbecken auszudolen. Gleichzeitig soll auch im Oberlauf des Baches geprüft werden, ob ein Ausbau zu Gunsten des Hochwasserschutzes realisierbar wäre. Grundtenor bei den betroffenen Grundeigentümern: Wäre nicht zwingend notwendig.
st. Zweimal hintereinander, nämlich im Sommer 2016 und im Sommer 2017, gab es in Schlossrued Hochwasseralarm. Dabei wurde auch das Gebiet rund um den Längentalbach überschwemmt, allerdings waren keine grosse Schäden zu beklagen – mit Ausnahme der Ruedersäge. Darauf hin wurde das Gebiet als «hochwassergefährdet» eingestuft, mit markanten finanziellen Folgen für die Anwohner beim Gartenumgestalten oder beim Hausbau. Als erste Massnahme wurde eine Entlastungsleitung für das Meteor- und Bergdruckwasser der neu überbauten Grundstücke am Abhang erstellt. Seither gab es auch bei Starkregen keine Überschwemmungen mehr.
Die umstrittenen Pläne des Kantons für das Ausdolen des Längentalbaches im untersten Abschnitt gegen das Regenklärbecken stehen schon lange im Raum. Zusätzlich zur Revitalisierung soll auch im Oberlauf geprüft werden, ob ein Ausbau für den Hochwasserschutz realisierbar wäre. Dafür sollten die Wassermengen genau abgeschätzt und ein geeigneter Querschnitt für den zukünftigen Bachausbau festgelegt werden.
Aufschlussreicher Infoabend
Weil ein entsprechendes Projekt jedoch nur unter Mitwirkung der betroffenen Grundeigentümer realisiert werden kann, wurde zu einem Informationsabend eingeladen, welcher von fast allen Betroffenen besucht wurde. Der Gemeinderat wollte sich ein Bild davon machen, wie sie denken und was sie dazu beitragen können.
Gemeindeammann Martin Goldenberger begrüsste unter anderem auch den Referenten Markus Mathys von suisse plan. «Der Kanton will den Bach offen legen, ob wir davon nun Fan sind oder nicht», so der Gemeindeammann. «Viel mehr darüber wissen auch wir nicht!» Am 1. Januar 2011 trat das Gewässerschutzgesetz in Kraft. Zur Zeit gilt ein Übergangsrecht für die Abstände. Dass aber Gewässerräume ausgeschieden werden müssen, ist bereits heute klar. Das «Wie» wird wohl noch einiges Kopfzerbrechen fordern. Das Thema, so Goldenberger, ist zur Zeit deshalb aktuell, weil die Zonenplan-Revision am Laufen ist.
Noch ohne Konzept
Ähnlich sprach auch Markus Mathys über die Planungsarbeiten. «Im Moment sind wir noch ohne Konzept, wir sprechen lediglich über mögliche Lösungsweisen, weshalb die Diskussion mit den Grundeigentümern gesucht wurde.» Mathys erläuterte anhand von Planunterlagen, was nach Ansicht von suisse plan ideal und tragbar wäre. Darüber entstand eine längere, sachliche Diskussion mit dem Resultat, dass eigentlich niemand einen Ausbau begrüssen würde, zumal die Anwohner die Hochwassergefahr als sehr gering einschätzen, nachdem die Entlastungsleitung realisiert wurde. Viel mehr wurde befürchtet, dass der Ausbau des Bereiches dort, wo der Bach mittels starker Biegung von der Strasse weg ins Einfamilienhausquartier geleitet wird, zur grösseren Überschwemmungsgefahr wird. Auch beim Eintritt in die Röhre auf dem Abschnitt, der nicht geöffnet werden kann, würde die Situation ebenfalls verschärft. «Unsere Vorfahren, die genau diesen Bachverlauf gewählt haben, waren auch keine Deppen. Sie haben sich dabei einiges gedacht», so eine Stimme aus dem Publikum.
Fazit des Abends: Ein Ausbau wäre reine Geldverschwendung. Es gäbe bestimmt echtere Probleme zu lösen als eine seit vielen Jahrzehnten ausgezeichnet funktionierende Situation durch bauliche Massnahmen zu verändern.


