Ein Geschenk zum Geburtstag
04.12.2025 Seetal, Birrwil«Wie viele Kirchgemeinden können auf 750 Jahre Geschichte zurückblicken?» Daniel Leutwiler, Präsident der Kirchenpflege gibt die Antwort gleich selbst. «Nicht viele. Wir fanden, dieses Glück verdient Beachtung – und zwar mit einem ...
«Wie viele Kirchgemeinden können auf 750 Jahre Geschichte zurückblicken?» Daniel Leutwiler, Präsident der Kirchenpflege gibt die Antwort gleich selbst. «Nicht viele. Wir fanden, dieses Glück verdient Beachtung – und zwar mit einem Buch.»
Die Idee zur Chronik hatten die Mitglieder der Kirchenpflege schon 2024 an die Hand genommen. «Über die Eltern unseres Pfarrers konnten wir den Kontakt zu Jürg Stüssik-Lauterburg herstellen», schilderte Daniel Leutwiler. Der Historiker hat schon viele Bücher verfasst – immer zusammen mit Hans Luginbühl. Beide schwärmen von der Arbeit ihres Gegenübers. Hans Luginbühl formulierte es so: «Jürg Stüssis geschichtliches Wissen ermöglicht Leserinnen und Lesern eine Reise durch die Zeit. All diese Eindrücke darf ich gestalten, darf ich ins rechte Licht rücken.»
Mit «Stimme des Rufenden» haben die beiden Autoren ein wunderschönes Buch mit über 300 Seiten geschaffen. Verständlich geschrieben, ergänzt durch ein Sachverzeichnis, illustriert mit Karten, historischen Bildern und Fotos lädt die Chronik ein, die Geschichte vor der Haustür neu zu entdecken.
Die Begeisterung von Jürg Stüssi-Lauterburg und Hans Luginbühl, die ihre Arbeit ganz und gar pro bono geleistet hatten, war auch bei der Übergabe im Gottesdienst spürbar. Der Historiker zeigte sich als temperamentvoller Redner. «750 Jahre! Von eingeschlagenen Kirchenfenstern über Vergewaltigungen auf offener Landstrasse bis zur Spaltung der Gemeinde, Berbu hat alles gesehen.» Birrwil sei ein Segen gewesen für Arme und Obdachlose. «Als ein Brand in Susch fast das ganze Dorf zerstörte, hat Birrwil geholfen. Hunger in China, Somalia oder Haiti hat Birrwil nicht unbeachtet geschehen lassen.» Luther und Zwingli, die auf den Kirchenfenstern zu sehen seien, hätten sie schon vor Augen gehabt, die Kirchgemeinde, die den Menschen das Evangelium näher bringt. «Und die Inschrift an der Wand bringt es auf den Punkt: «Hic omnia Christus» – hier ist Christus alles.»
Mehr als ein Gebäude
Begleitet von Beatrice Märki an der Orgel und Silvia Riolo mit der Querflöte packte Daniel Leutwiler das Buch aus, zeigte es den Gottesdienstbesuchern. Gemeindeammann Max Härri machte in seinem Grusswort klar, dass das Wirken einer Kirchgemeinde weit über das Gotteshaus hinausgehe. «Sie werden die Redensart kennen: «Mer müend luege, dass d’Chile im Dorf bliibt.» Das zeigt meiner Meinung nach, wie besonders sie ist. Mehr als ein Gebäude aus Stein oder Holz mit bunten Glasfenstern und einer Orgel.» Die Kirchgemeinden habe es vor den politischen gegeben. «Heute hat ein Teil der Aufgaben gewechselt, viele betreut man nach wie vor gemeinsam. Für diese gute und angenehme Zusammenarbeit bedanke ich mich im Namen des Gemeinderates wie der Verwaltung.» Dem Birrwiler Gotteshaus wünsche er für die nächsten 750 Jahre alles Gute, möge die Zeit mehr Freude als Leid bringen. «Und kommende Generationen fordere ich auf: «Lueged, dass d’Chile im Dorf bliibt.» Die Stimmung des Morgens wird viele Gottesdienstbesucher über den Tag hinaus in die neue Woche begleiten. Und wer nicht dabei sein konnte, kann sich mit dem Wunsch nach einer Chronik ans Sekretariat der Kirche wenden (Mail: info@ref-birrwil. ch oder Telefon: 062 771 17 53)
Graziella Jämsä


