Der Braunbrustigel ist das Tier des Jahres
15.01.2026 RegionBeliebt, aber zunehmend bedroht: Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) lebt mitten unter uns. Je mehr Natur wir in Dörfern und Städten walten lassen, desto besser geht es auch den Igeln. Mit der Wahl rückt Pro Natura eine Tierart ins Zentrum, die sinnbildlich für ...
Beliebt, aber zunehmend bedroht: Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) lebt mitten unter uns. Je mehr Natur wir in Dörfern und Städten walten lassen, desto besser geht es auch den Igeln. Mit der Wahl rückt Pro Natura eine Tierart ins Zentrum, die sinnbildlich für die Herausforderungen im dicht besiedelten Mittelland steht.
(Mitg./jaf.) Der Aargau ist einer der dichtest besiedelten Kantone der Schweiz. Siedlungen, Verkehrsachsen und intensiv genutzte Grünräume prägen zunehmend das Landschaftsbild – besonders im Mittelland. Genau hier lebt auch der Igel. Doch gerade dort, wo er früher häufig war – in Gärten, Quartieren und Grünanlagen – wird sein Lebensraum immer knapper. Er ist auf strukturreiche Gärten, Hecken, offene Bodenflächen, sichere Durchgänge und ein ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen.
«Der Igel zeigt uns sehr deutlich, was passiert, wenn Natur im Aargauer Siedlungsraum nur noch als Restfläche betrachtet wird», sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Für den Igel – und letztlich auch für uns Menschen – braucht es zusammenhängende, lebendige Grünräume. Natur funktioniert hier wie eine Infrastruktur: Sie verbindet Lebensräume, schützt Arten und sorgt für Lebensqualität.» Beobachtungen aus dem Aargau und Meldungen aus Pflegestationen deuten darauf hin, dass Igel zunehmend geschwächt, verletzt oder untergewichtig aufgefunden werden – ein Warnsignal für den Zustand unserer Siedlungsnatur.
Natur als Infrastruktur im Alltag
Der Igel ist kein Waldtier, sondern ein Mitbewohner unserer Dörfer und Städte. Sein Überleben hängt direkt davon ab, wie wir Freiräume gestalten: ob Gärten durchlässig sind, ob es Hecken und Laubhaufen gibt, ob auf Pestizide verzichtet wird und ob Quartiere vernetzt gedacht werden. «Wenn Grünflächen nur noch dekorativ sind, verlieren sie ihre ökologische Funktion», so Betsche. «Der Igel macht sichtbar, dass wir Natur im Aargauer Siedlungsraum wieder als das verstehen müssen, was sie ist: eine grundlegende Infrastruktur für Biodiversität, Klimaresilienz und Gesundheit.»
Ureinwohner auf Wohnungssuche
Auf dem Gebiet der Schweiz gibt es den Igel seit rund 20’000 Jahren. Während Jahrtausenden fand er in den vielfältigen Landwirtschaftsgebieten, was er zum Leben braucht: eine gut vernetzte Landschaft mit halbhohen Pflanzen und dazu genügend Insekten und Würmer. Denn obwohl er fast alles probiert, was ihm vor die Schnauze kommt, kann der Igel nur tierische Nahrung verwerten. Das Fehlen von Insekten im Winter zwingt ihn zu einem langen Winterschlaf. Zunehmend fehlt das Futter aber auch während dem Rest des Jahres. Das Insektensterben macht auch vor Gärten und Parks nicht Halt. Da seine ursprüngliche Heimat sich im letzten Jahrhundert radikal verändert hat.
Hecken, Laub- und Asthaufen wurden weggeräumt, Bäche in unterirdische Röhren verlegt und landwirtbearbeitet. Damit hat der gemächliche Igel seinen Lebensraum in der Kulturlandschaft grösstenteils verloren.
Ein lautes Karussell
In den Gärten und Parks der Dörfer und Städte hat er einen Ersatzlebensraum gefunden. Werden diese naturnah gepflegt, kann man dort an lauen Frühlingsabenden das «Igelkarussell» hören. Beim lautstarken Paarungsritual der Igel umkreist das Männchen das Weibchen, bis dieses stehen bleibt, seine Stacheln flachlegt und so die Paarung ermöglicht. Nach rund fünf Wochen bringt die alleinerziehende Igelmutter im Schnitt vier bis fünf Jungigel zur Welt. Bei der Geburt sind ihre Stacheln noch weich und in die Haut ein-Wochen müssen sie für sich selbst sorgen. Dann heisst es: Fressen, fressen, fressen, um den kommenden Winter zu überleben.
Was jetzt zählt
Mit dem Tier des Jahres 2026 ruft Pro Natura Aargau dazu auf, Natur im Alltag und im Aargau bewusst mitzudenken – bei der Gartengestaltung ebenso wie in der Raumplanung und der kommunalen Entwicklung. Schon einfache Massnahmen wie Igeldurchgänge, strukturreiche Grünflächen, weniger Licht und naturnahe Pflege können viel bewirken.
Wir alle können dem Igel bei seinen täglichen Herausforderungen helfen.
Ebenso gibt es eine Vielzahl von Or-Igel einsetzen. So zum Beispiel auch die Stiftung Satis in Seon. Die Satis-Igelhilfe nimmt Tiere in Not auf. Auf ihrer Webseite sind zudem Checklisten zu finden, wann ein Tier in Not ist und was dann zu tun ist. Denn gesunde Tiere sollten möglichst in Ruhe gelassen werden. Freiwilligenarbeit oder eine Spende können die wertvolle Arbeit unterstützen. So können Kosten für die Unterbringung von verletzten oder kranken Igeln, deren medizinische Versorgung und den Futterbedarf mitgetragen werden. Die Igelhilfe dient nicht nur Igeln in Not, sondern bietet Klientinnen und Klienten der Stiftung Satis in Seon einen motivierenden Arbeitsplatz.
Weitere Informationen rund um den stacheligen Freund sind auf der



