Von März bis Oktober gehören sie zum Alltagsbild auf dem Wasser. Ungewohnt ist es, einem von ihnen an Land zu begegnen. Eine Momentaufnahme.
Es ist kein Werk Christos, das auf dem Zopf in der Nähe des Hotels Delphin steht. Es ist ein Schiff, genauer gesagt die MS Seetal, die ...
Von März bis Oktober gehören sie zum Alltagsbild auf dem Wasser. Ungewohnt ist es, einem von ihnen an Land zu begegnen. Eine Momentaufnahme.
Es ist kein Werk Christos, das auf dem Zopf in der Nähe des Hotels Delphin steht. Es ist ein Schiff, genauer gesagt die MS Seetal, die Anfang November letzten Jahres an Land geholt und eingerüstet worden ist. Ein imposanter Anblick, wie das 34 Meter lange, sechseinhalb Meter breite und 11 Meter hohe (Kiel bis Mastende) Gefährt dasteht. «Vor sechs Jahren war sie das letzte Mal an Land», erklärt Bruno Fischer, Kapitän sowie Technischer Leiter bei der Schifffahrtsgesellschaft, der im Winter Revisions- und Überholungsarbeiten managt. «Im Inneren muss diesmal nichts gemacht werden, wir kümmern uns um den Teil des Schiffes, der im Alltag unter Wasser verborgen bleibt.»
Viele Stunden des Abschleifens
So wurde der Rumpf erst einmal mit Hochdruckreiniger gesäubert, damit allfällige Schäden sichtbar würden. Doch die Schale der MS Seetal erwies sich als einwandfrei. «Glücklicherweise gab es auch keinerlei Anzeichen von Quagga-Muscheln – wir konnten also mit der Überholung fortfahren.» Es folgten viele Stunden des Abschleifens. Weil das im Team schneller geht, bringen Bruno Fischer und seine Kollegen Joëlle Reck und Patrik Schifferle die MS Seetal gemeinsam auf Vordermann. Nach einer Anti-Fäulnis-Behandlung wird gestrichen. «Fürs komplette Schiff sind das gut 100 Kilogramm Farbe.»
Weniger Treibstoff
Welche technischen Vorteile bedeutet eine solche Überholung für ein Schiff? Bruno Fischer spricht aus fast 50 Jahren Erfahrung. «Je glatter der Rumpf, je weniger Schlamm bliebt an ihm haften, desto besser läuft ein Schiff und umso weniger Treibstoff wird gebraucht.» Die elektrischen Gegebenheiten und der Motor werden mindestens einmal pro Jahr von externen Fachleuten kontrolliert.
Bruno Fischer schätzt die verschiedenen Arbeiten im Rahmen einer Überholung. «Zum einen ist es eine Abwechslung, zum anderen verändert es auch die Beziehung zum Schiff.» Beobachtet er die modernen Entwicklungen rund um die Schifffahrt? «Wasserstoffbasierter Antrieb, neue Dieselkraftstoffe, Elektro-Antriebe – es wird nie langweilig.» Nach einem ersten Schmunzeln wird Bruno Fischers Gesicht ernster. «Es ist wichtig, die neuen Möglichkeiten zu kennen, um sie im richtigen Moment nutzen zu können.» Aber nicht jede Innovation mache für jede Flotte Sinn. «Mit einer Aufrüstung sollte man ebenso verantwortungsvoll umgehen wie mit den sich bereits im Dienst befindlichen Schiffen.» Bruno Fischer, Joëlle Reck und Patrik Schifferle haben mit der MS Seetal noch einiges vor. Im Frühling wird sie wieder eingewassert. Die drei betrachten das Schiff einen Moment jeder für sich. Sie sind sich einig: «Die Fans der Schifffahrtsgesellschaft können sich freuen.»
Graziella Jämsä