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09.04.2026 RegionEine offene Tür
Die Christenheit hat Ostern gefeiert: das Fest der Auferstehung Christi.
«Ich weiss, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat», so lautet die Botschaft am leeren Grab. Wann ...
Eine offene Tür
Die Christenheit hat Ostern gefeiert: das Fest der Auferstehung Christi.
«Ich weiss, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat», so lautet die Botschaft am leeren Grab. Wann hat er angefangen, der Kreuzund Auferstehungsweg? Hat er nicht schon viel früher begonnen als am Morgen des dritten Tages? Hat der Oster- und Auferstehungsweg nicht schon angefangen mit der Geburt Christi, seiner Botschaft vom Reich Gottes, seinem Sammeln, Rufen, Heilen und Versöhnen? Hat er nicht schon am Morgen vor aller Zeit begonnen, als Gott, der HERR, beschloss, die Welt zu erschaffen?
Josua Boesch, ein bekannter reformierter Pfarrer und Ikonenkünstler, schreibt: «Der Auferstehungsweg beginnt nicht erst am Ostermorgen, schon sehr viel früher: im Ursprung des Menschseins, in der vorsehenden Schau Gottes, wo ER schon den auferstandenen Menschen schaut – vor aller Zeit.»
Wann endet er, der Oster-Weg? Hört er nicht erst auf am Ende aller Zeit, wenn alles mit Christus eins ist in seiner Herrlichkeit und Gott alles in allem sein wird – so wie es beim Apostel Paulus heisst: «Und dann ist Gott alles in allen.» (1. Kor 15).
Der leere Raum des Grabes wird zum leeren Raum einer offenen Tür. Mit der ganzen Kirche können wir nun beten: «Herr, lehre mich, auf mein Herz zu hören, lehre mich, Veränderungen anzunehmen, anstatt sie zu bekämpfen. Hilf mir, auf diese Zeichen der Veränderung und des Wachstums zu hören; hilf mir, ernsthaft zuzuhören und dorthin zu folgen, wohin sie mich führen – durch den atemberaubenden leeren Raum einer offenen Tür.»
Der Auferstehungsweg beginnt vor aller Zeit, und er endet nach aller Zeit, gewissermassen am Morgen der durch Jesus Christus versöhnten, geheiligten, «neu» erschaffenen, auferstandenen Schöpfung. Es ist ein Weg vom alten zum neuen Menschen, ein Verwandlungsweg von Station zu Station, von Mutationsschritt zu Mutationsschritt, mit Jesus, der vorausgeht. Keine Erlösung ohne Leid, keine Vergebung ohne Schuld und Fehlbarkeit, keine Erleuchtung ohne Schmerz! Kein Oster-Weg ohne Kreuzweg!
Der Auferstandene trägt als Kennzeichen seine Wundmale an sich, damit wir begreifen und mit Glauben, Hoffnung und Liebe daran festhalten: Sein Schmerz ist unser Schmerz. Seine Erlösung ist unsere Erlösung. Noch einmal Josua Boesch: «Ich bin überzeugt, dass der, der uns begegnet ist, auch vollenden wird, was er angefangen hat. ER – der lauter Leben, Licht und Liebe ist – kann nicht enttäuschen.»
Pfarrer Heinz Brauchart, Gontenschwil-Zetzwil
