Streiflicht
23.04.2026 RegionSport
Nicht nur die Welt ist verrückt. Auch die Sportwelt. Da fahre ich doch an einem Landwirtschaftsbetrieb vorbei und lese auf einer Werbeblache an der Fassade «Pferdeboxen». Vor meinem geistigen Auge sehe ich einen Schimmel, der sich mit Boxhandschuhen an den Vorderhufen umständlich den Zahnschutz über sein mächtiges Gebiss platziert.
Oder Lichtschwertkampf … das soll Medienberichten zufolge eine offizielle Sportart sein. Nicht in einer fernen Galaxie, nein, in Frankreich! Wer schon einmal eine Leuchtstoffröhre in den Händen hielt, weiss, wieso ich diese Sportart für nicht allzu mehrheitsfähig halte. Ich vermute, dass die Idee dazu aus einem Gefecht zweier Kontrahenten mit Baguettes entstanden ist.
Auch beim Golf − an sich eine etablierte Sportart − muss ich immer schmunzeln. Seit mir jemand gesagt hat, Golfen sei die Variante von Gassigehen für Hundehaarallergiker. Tatsächlich erinnert der Abschlag etwas ans Stöckchenwerfen, und für das Herausholen des Golfballs aus dem Loch brauchts in etwa die gleichen Bewegungsabläufe wie zum Einsammeln des Häufchens mit dem Robidog-Säckli. Der Unterschied ist also einzig, dass der Golftrolley weder sabbert noch mit dem Schwanz wedelt.
Freunde des Automobilrennsports führen ja beim Auftauchen jeglicher Kritik ins Feld, hier werde Technologie entwickelt, die später in Alltagsautos zur Serienausstattung gehöre. Wozu müssen diese Boliden dann mit Tempo 300 herumbrettern, sind aber völlig ungeeignet, um rückwärts einzuparken? Dazu sind sie so laut, dass man darin wohl selbst bei bestem DAB-Empfang seinen Lieblingssender nicht hören kann.
Wie bin ich eigentlich auf dieses Thema gekommen? Ah ja, in Peking fand am vergangenen Wochenende ein Halbmarathon statt. Nebst rund 12’000 Läuferinnen und Läufern liefen auf der abgesperrten anderen Strassenseite gleichzeitig 300 humanoide Roboter. Und wie! Der Streckenrekord aus dem Vorjahr wurde regelrecht pulverisiert. Nach 50 Minuten und 26 Sekunden lief der Sieger-Laufroboter über die Ziellinie. Er hätte es gar unter 50 Minuten geschafft, wäre er nicht rund 100 Meter vor dem Ziel torkelnd in die Seitenbande gerannt. (Wenn Sie Slapstick mögen, googeln Sie mal nach diesem Video!) Nachdem er von Helfern wieder auf die Beine gestellt wurde, schaffte er den Endspurt. Jetzt müsste man ihm nur noch beibringen, Robidog-Säckli aufzusammeln, und schon kann man ihn auch auf die Golfrunde schicken.
Roland Marti

