Streiflicht

  04.06.2026 Region

Geh-heimtipp

Heute vor einer Woche habe ich einen Fünfliber verloren. Und, ganz ehrlich: Ich habe mich darüber gefreut! Schon zwei Tage später passierte mir dasselbe noch einmal − und was soll ich sagen: Wieder entlockte mir das ein Lächeln.

Bevor Sie nun denken: Jetzt spinnt er komplett, liefere ich Ihnen gerne die Auflösung. Ich habe vor dem Viertelfinal-Spiel der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft fünf Franken auf einen Sieg Schwedens gewettet. Nicht, dass ich nach dem überzeugenden Durchmarsch der Eisgenossen in den sieben gewonnenen Gruppenspielen an einem Schweizer Erfolg im Viertelfinal gezweifelt hätte. Das war es nicht. Aber die Quoten bei einer Wette auf einen Aussenseiter-Sieg der Schweden waren hoch. Und last but not least, hätte mir ein allfälliger Gewinn – untrennbar verbunden mit dem zu frühen Ausscheiden der Schweizer – geholfen, meinen Frust darüber zu zügeln.

Dieselbe Wett-Taktik mit gleichen Überlegungen wandte ich am Samstag vor dem Halbfinale gegen Norwegen an. Die Schweiz als haushoher Favorit, entsprechend verlockende Quoten bei Wetten auf Norwegen. Also riskierte ich wieder einen Fünfliber auf die Aussenseiter aus dem Norden. Und freute mich nach dem Spiel über den Finaleinzug des Teams von Nationalcoach Jan Cadieux. Ich kann Ihnen sagen: Wenn man in so wichtigen Angelegenheiten weiss, dass es einem, egal wie es rauskommt, eine Freude bereitet, dann geht es einem gleich viel besser. Hätte ich in beiden Spielen auf die Schweiz gesetzt, hätte ich vielleicht ein paar Rappen gewonnen. Dass mein Geh-heimtipp falsch war, war mir aber weit mehr wert.

Selbstverständlich habe ich mein Wettglück auch vor dem grossen Finalspiel Schweiz − Finnland wieder herausgefordert. Die Schweiz war zwar erneut Favorit, aber nicht mehr so klar, was sich auch in den Quoten niederschlug. Trotzdem riskierte ich wieder fünf Stutz und setzte auf die Finnen. So war zwar der Schock gross, als Helenius mit seinem Tor in der Overtime den Sieg der Finnen besiegelte. Aber insgeheim hoffte ich auf fette Beute bei meiner Sportwette … bis ich feststellte, dass ich auf einen Finnen-Sieg nach 60 Minuten gesetzt hatte. Anfängerfehler!

Okay, es stehen uns ja demnächst 104 Fussball-WM-Spiele bevor, um meine Taktik auszufeilen.

Roland Marti


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