Streiflicht

  18.06.2026 Region

Erkenntnisse

Schauen Sie in den Spiegel und seien Sie ehrlich – wie dunkel sind Ihre Augenringe? Sie sehen keine? Gratulation! Sie kommen zu genügend Schlaf. Sie brauchen hier nicht weiterzulesen.

So, und nun, da wir Fussball-Affinen unter uns sind, vergessen Sie die Augenringe! Wir können ja alle nichts dafür, dass unsere Tage derzeit frühestens um 18 Uhr beginnen und bis in die Morgenstunden dauern.

Die erste WM-Woche ist geschafft. viereinhalb weitere werden folgen. Zeit also für erste Erkenntnisse.

Fussball ist völkerverbindend. Man hört so gut wie nix über die laufenden Konflikte. An der WM geht die Friedens-Strategie sogar so weit, dass in einer Nacht vier Unentschieden erspielt wurden.

Fussball fördert die Bildung. Oder, mal ehrlich, wussten Sie vor der WM schon etwas über Kap Verde? War für Sie Curaçao nicht einfach ein blauer Likör?

Fussball schafft Gewinner, selbst wenn sie unentschieden spielen. So hat Vozinha, der ungeschlagene kapverdische Torhüter, innert weniger Stunden seine Anzahl Instagram-Follower von 47'000 auf über 10 Millionen erhöht und die Schweiz hat nach ihrem katarstrophalen ersten Einsatz den Titel als grösste Lachnummer des Turniers bereits an Spanien abgeben können. In der Sportart PET-Fläschli-Schmeissen gewann Murat Yakin dank höherer Stilnoten verdient gegen Frankreichs Nationaltrainer Deschamps.

Fussball bringt Diskussionsstoff. Zum Beispiel Jürgen Klopp, die lebende Trainerlegende, antwortete in einem deutschen TV-Kanal auf die Frage, welche DFB-Elf er aufstellen würde: «Noch macht Julian Nagelsmann die Aufstellung. − Noch.» Später entschuldigte sich Klopp vor laufender Kamera direkt bei Nagelsmann für seine flapsige Aussage und erklärte «Noch» zu seinem persönlichen Unwort des Jahres. Hätte er doch vorher mal besser bei Trivago geschaut.

Schliesslich: Die Hydration Breaks sind eine tolle Sache. Vorbei die Zeiten, in denen Fussball-Cowboys nach 90 Minuten durch die vom Winde verwehte Dürre stapften und bestenfalls noch gegen einen vorbeihuschenden Steppengras-Büschel kickten. Und wir? Waren wir nicht schon oft froh, wenn wir in den Breaks aufs WC gehen und Bier aus dem Kühlschrank holen konnten? In diesem Sinne: Prost und hopp Schwiiz!

Roland Marti


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