Zum Sonntag
30.07.2026 RegionSommerzeit – Ferienzeit – Auszeit
Gegen Abend bin ich im Garten und giesse meine Pflanzen. Das 5-jährige Nachbarskind schaut zu und ich frage: «Ist deine kleine Schwester schon im Bett?» Und sie erwidert: ...
Sommerzeit – Ferienzeit – Auszeit
Gegen Abend bin ich im Garten und giesse meine Pflanzen. Das 5-jährige Nachbarskind schaut zu und ich frage: «Ist deine kleine Schwester schon im Bett?» Und sie erwidert: «Weisst du, abends kippt oft die Stimmung und dann muss sie ins Bett.» Es ist doch auch bei uns so, wenn wir allzu müde sind, kippt auch bei uns die Stimmung. Wir brauchen Schlaf, Erholung oder Ferien.
So sitze ich am nächsten Tag an einem wunderbaren, schattigen Platz am Wasser. Es ist warm – es ist Sommer. Sommer – Ferienzeit, einfach einmal fünfe gerade sein lassen. Ein schattiges Plätzchen im Grünen, einen Tag am See oder im Schwimmbad oder einfach einmal zu Hause entspannen, ein paar Tage in die Berge oder anderswohin, nichts tun – es gibt viele Orte, an denen wir zur Ruhe kommen können. Was in der Bibel als Ruheplatz bezeichnet wird, nennen wir heute «chill out area» oder junge Leute sagen einfach: «Wir chillen». Das meint sich gemütlich mit Freunden treffen, vielleicht zusammen essen und trinken – ganz einfach entspannen und die Zeit geniessen. Es braucht diese Zeiten und Orte, in und an denen wir ganz einfach die Seele baumeln lassen und wo wir sicher auch eine begrenzte Zeit – gedanken- und sorgenfrei das Leben geniessen können. Auch die Bibel spricht immer wieder von solchen «Tankstellen» für Leib und Seele. Der Mensch braucht das, denn wir sind keine Maschinen. Sogar eine Maschine läuft nicht ewig, sie muss gewartet und gepflegt werden. Sonst kann es sein, dass plötzlich eine Störung auftritt. Es braucht eine Zeit zum Geniessen, dass wir geniessbar bleiben und unsere Stimmung nicht kippt.
So schreibt auch Robert Gernhardt:
Mein Körper rät mir: Ruh dich aus!
Ich sage: Mach ich, altes Haus!
Denk aber: Ach, der sieht’s ja nicht!
Und schreibe heimlich dies Gedicht.
Da sagt mein Körper: Na, na, na!
Mein guter Freund, was tun wir da?
Ach, gar nichts! Sag ich aufgeschreckt? Die Frage scheint recht schlicht zu sein, doch ihre Schlichheit ist nur Schein.
Sie lässt mir seither keine Ruh:
Wie weiss mein Körper, was ich tu?
Carla Bättig
