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06.08.2026 Region1000 Namen für Schnee
Irgendwo habe ich gelesen oder gehört, dass die Eskimosprache über tausend Namen für «Schnee» kenne. Auch wenn diese Tatsache von Forschern mit dem Hinweis relativiert wird, dass die Inuit eine andere ...
1000 Namen für Schnee
Irgendwo habe ich gelesen oder gehört, dass die Eskimosprache über tausend Namen für «Schnee» kenne. Auch wenn diese Tatsache von Forschern mit dem Hinweis relativiert wird, dass die Inuit eine andere Sprachform hätten als wir, so bleibt doch das Staunen über die Vielfalt der Bezeichnungen, die für das winterliche Naturphänomen verwendet werden: «aniu» zum Beispiel heisst «Schnee am Boden», «muruaneq» bedeutet «Schnee in einer Lawine». Hagel, Pulver, Schneeflocke, Schneemann oder Frost: alles hat sein eigenes «Schnee-Wort».
Mich beeindruckt der reiche Erfahrungsschatz, der zur Begriffsvielfalt der Inuit geführt hat. Wer hingegen kaum einmal Schnee gesehen, genossen, geformt, gebraucht oder dagegen angekämpft hat, braucht keine Begriffe, um ihn zu benennen oder zu beschreiben. Umgekehrt: Je vielfältiger, reicher, subtiler die Erfahrungen, umso mannigfaltiger und präziser sind die Bezeichnungen, mit denen sie benannt werden.
Mit Gott und dem Glauben ist es nicht anders. Für manche Menschen ist das Wort «Gott» eine bedeutungsleere Hülse, eine Art Psycho-Provokation, ein Unwort, das missbräuchlich zu manipulativen Zwecken verwendet wird. Für mich jedoch bedeutet der Name «Gott» die Kenntnis oder die Empfindung dessen, den die Bibel als das «Sein, das ist» bekennt - als geheiligten, heiligen Namen, als Leben, Licht und Liebe, «Herr und Gott», «Vater im Himmel» «Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks.»
Nach dem reformierten Zürcher Theologen Emil Brunner kann der Name Gottes verstanden werden als sich mitteilende «Heiligkeit und Liebe, die sich uns kundtut in der Freiheit der Namen: Vater, Sohn und Geist.»
Für viele mag die Vorstellung von «Gott» so fern und unpassend sein wie Gedanken über Schneeflocken im Hochsommer.
Und doch: Spürt man nicht zuweilen so etwas wie eine Sehnsucht nach dem «Sein, das ist» - vielleicht so, wie man sich manchmal mitten im Sommer nach kühlem Schnee sehnt?
«Jesus, wir vertrauen dir», so lautet ein Gebet von Frère Roger aus Taizé, «du entzündest in uns ein Licht.
So schwach es auch leuchtet, es genügt, um die Sehnsucht nach Gott in uns lebendig zu halten.»
Heinz Brauchart, reformierter Pfarrer, Kirchgemeinde Gontenschwil-Zetzwil
