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17.09.2026 RegionWovon lebt der Mensch?
Dagobert Duck kennt fast jeder. Die berühmte Comicfigur gilt als reichste Ente der Welt. Sein riesiges Vermögen bewahrt der schrullige Milliardär in einem gewaltigen Geldspeicher über Entenhausen auf. Dort geht er ...
Wovon lebt der Mensch?
Dagobert Duck kennt fast jeder. Die berühmte Comicfigur gilt als reichste Ente der Welt. Sein riesiges Vermögen bewahrt der schrullige Milliardär in einem gewaltigen Geldspeicher über Entenhausen auf. Dort geht er seiner wohl ungewöhnlichsten Lieblingsbeschäftigung nach: dem Bad in seinen Talern. Doch trotz seines Reichtums ist Dagobert alles andere als glücklich.
Der alte Erpel ist für seine Geldgier und seinen extremen Geiz bekannt. Obwohl er sich praktisch alles leisten könnte, trägt er stets denselben Frack, einen schwarzen Zylinder, Gamaschen und einen Gehstock. Selbst für Zeitungen möchte er kein Geld ausgeben. Stattdessen liest er Exemplare, die andere bereits weggeworfen haben. Auf Geschäftsreisen begleiten ihn häufig sein Neffe Donald sowie seine Grossneffen Tick, Trick und Track. Ihre Hilfe braucht Dagobert besonders im Kampf gegen die Panzerknacker, die immer wieder versuchen, seinen Geldspeicher auszurauben.
Doch gerade sein Vermögen scheint Dagobert mehr Sorgen als Freude zu bereiten. In einer Comic-Episode fragen ihn seine Grossneffen, wie es ihm gehe. Seine Antwort fällt eindeutig aus: «Schlecht natürlich!» Dabei sitzt er mitten zwischen prall gefüllten Geldsäcken und unzähligen Talern. Glücklich macht ihn dieser Reichtum nicht. Ständig fürchtet er, jemand könnte ihm den Titel als reichste Ente der Welt streitig machen oder sein Vermögen stehlen.
Damit verkörpert Dagobert eine alte Weisheit: Geld allein macht nicht glücklich. Auch im Christentum wird vor übermässiger Habgier gewarnt. Im Lukasevangelium heisst es: „Hütet euch vor aller Habgier.“ Gier zählt in der christlichen Lehre sogar zu den sieben Hauptlastern.
Doch wenn Reichtum nicht automatisch glücklich macht, was dann? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Harvard University seit Jahrzehnten nach. Eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse lautet: Gute zwischenmenschliche Beziehungen spielen eine entscheidende Rolle für ein zufriedenes Leben. Freundschaften, Familie und soziale Kontakte können langfristig wichtiger für das Wohlbefinden sein als Geld oder Besitz.
Die Forscher empfehlen deshalb, den eigenen «sozialen Muskel» regelmässig zu trainieren. Schon kleine Dinge können helfen: ein freundliches Gespräch, ein Besuch bei einer alleinstehenden Person oder ein gemeinsamer Ausflug mit Freunden.
Vielleicht sollte auch Dagobert Duck davon erfahren. Statt nur seine Taler zu zählen und sich um sein Vermögen zu sorgen, könnte er mehr Zeit mit Donald, Tick, Trick und Track verbringen. Womöglich würde die reichste Ente der Welt dann entdecken, dass der grösste Schatz gar nicht im Geldspeicher liegt.
Pfarrerin Nadine Hassler Bütschi, Kirche Rued
