Streif licht
01.10.2026 RegionAutonom
Bling, bling, bling, bling. Tüüt, tüüt. Piep, piep, piep. Tik-tak-tik-tak ...
Was Sie hier «hören», ist nicht das blinkend, funkelnde Märlitram zur Adventszeit im Zürcher Stadtverkehr, sondern das ...
Autonom
Bling, bling, bling, bling. Tüüt, tüüt. Piep, piep, piep. Tik-tak-tik-tak ...
Was Sie hier «hören», ist nicht das blinkend, funkelnde Märlitram zur Adventszeit im Zürcher Stadtverkehr, sondern das akustische Innenleben meines neuen Autos, mit dem ich seit einigen Wochen unterwegs bin. Wobei der Ausdruck neu nicht die ganze Wahrheit ist. Es war ein Gebrauchter, gut einjährig, gleiche Marke wie bisher und zu einem von meinem Garagisten des Vertrauens gewährten fairen Preis.
Ein so neues Auto hatte ich noch nie. So viel Elektronik, so viele Fahrhilfen! Und da ich aus Termingründen bei der Fahrzeugübergabe nicht dabei sein konnte, erklärte der Garagist die Funktionen und Bedienung dieser Assistenzsysteme eben meiner Frau. Ein paar wenige hat sie mir dann weitergeben können. Seither bin ich quasi mit einem fahrbaren Adventskalender unterwegs. Jeden Tag entdecke ich neue Funktionen, entdecke da einen Knopf oder finde heraus, wozu diese oder jene Anzeige dient. Natürlich könnte ich bei meinem Garagisten nachfragen, aber irgendwie macht die tägliche Entdeckungsreise ja Spass.
Was mich aber erstaunt, ist, wieviele unterschiedlichste Assistenzsysteme in einem handelsüblichen, nicht übertrieben ausgestatteten Auto eigentlich schon standardmässig drin sind. Abstandhalten zum vorderen Fahrzeug, erkennen vom Rotlicht an der Ampel, Fussgängern, welche die Strasse überqueren wollen, den Vortritt gewähren ... so weit sind die Assistenzsysteme längst. Selbst einigermassen spartanisch konzipierte Kleinwagen verfügen heute über Technik, die es ermöglichten, das Lenkrad loszulassen ... tuut-tuut (sorry, war ja nur ein Beispiel!) ... und das Auto autonom fahren zu lassen. Nur erlauben die geltenden Gesetze und Verordnungen einen komplett «herrenlosen Betrieb» noch nicht. Das wird wohl erst möglich, wenn es gelingt, einen Fahrassistenten zu bauen, der einem Menschen aus Fleisch und Blut mindestens ebenbürtig ist.
Aber einen Assistenten entwickeln, der im richtigen Moment den Stinkefinger zeigt, einen Velofahrer zusammenstaucht, der sich erdreistet, im Kreisverkehr die Mitte der Fahrspur zu benützen, und locker einen Zigarettenstummel oder eine PET-Flasche auf die Fahrbahn wirft, − diese Assistenten gibt es noch nicht. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis wirklich autonome Fahrzeuge auf unseren Strassen unterwegs sind. Bling, bling!
Roland Marti
