«Am besten ist es, wenn etwas nicht funktioniert»
25.06.2026 ReinachAm 18. Oktober 2026 startet der Saalbau Reinach in die neue Kultursaison gleich mit einem ersten Höhepunkt: Der deutsche TV-Entertainer Harald Schmidt und die Schweizer Schauspielerin Hanna Scheuring begegnen sich in einer Matinée zu einem «ungeprobten ...
Am 18. Oktober 2026 startet der Saalbau Reinach in die neue Kultursaison gleich mit einem ersten Höhepunkt: Der deutsche TV-Entertainer Harald Schmidt und die Schweizer Schauspielerin Hanna Scheuring begegnen sich in einer Matinée zu einem «ungeprobten Tischgespräch»: Scheuring fragt, Schmidt redet.
Das Wynentaler Blatt traf die beiden Protagonisten im Bernhard Theater in Zürich und legte zuerst einmal den Spickzettel mit möglichen Fragen beiseite. Wir haben uns aufs «Du» geeinigt und es entstand zum Glück ein unterhaltsam-witziges Gespräch, anstelle eines professionell-langweiligen Interviews.
Remo Conoci
Harald Schmidt, vor unserem Treffen habe ich mir überlegt, was man einen Harald Schmidt fragen könnte, worauf noch nie jemand gekommen ist. Gibt es eine Frage die man dir stellen sollte?
Schmidt: Das ist eigentlich völlig egal, weil ich unabhängig von der Frage antworte. Ich habe so viele Antworten, du kannst die Frage hinterher anpassen. Ich sage etwas und du formulierst nachher die Frage dazu.
Scheuring: So machen wir es auch auf der Bühne. Ich frage etwas und Harald fängt einfach an zu erzählen. Es gibt schon wiederkehrende Themen, über die wir gerne sprechen. Aber ich habe auch keinen Spickzettel mit Fragen, die Themen ergeben sich einfach. Wir reden und schauen und sehen, wohin es uns in den 90 Minuten treibt.
Befragt Harald auch Hanna?
Scheuring: Ja das kommt schon vor, ich finde aber, er sollte die grössere Plattform bekommen, weil es noch ein bisschen mehr sein Metier ist als meines.
Ihr könntet länger als anderthalb Stunden reden?
Scheuring: Wir könnten sehr viel länger reden, aber dann wird es zur Tortur für die Menschen. Nach 87 Minuten sage ich dann, Harald, erzähl uns zum Schluss noch einen Witz.
Schmidt: Wir haben ja auch Phasen, wo es durchhängt. 90 Minuten ist ein Format, das die TV-Zuschauer vom Fernsehen her kennen, so eine Tatort-Länge, ohne Pause.
Funktionieren deine Witze immer?
Schmidt: Wir waren mal mit einer anderen Gruppe in Bad Ischgl in Österreich, da wurde einfach nichts begriffen, aber es war dennoch ein schöner Abend.
Wir sind hier aber in der Schweiz
Schmidt: Ich habe es noch nie erlebt, dass in der Schweiz die Leute kompliziert gewesen wären. Ich mache ja beispielsweise das Thema deutsche Politik gar nicht in der Schweiz, im Gegenteil, es geht mir auf den Keks, wenn ein Amerikaner herkommt und Witze über unsere Politik macht. Viel lieber ist mir das Allgemeinmenschliche. Partnerschaft, Ehe, undankbare Schwiegertöchter, oder die Unfähigkeit, in einer Scheidung den anderen auszahlen zu können, und dann zieht man einfach eine Trockenbauwand durch die Küche. Oder wenn man keinen Therapieplatz bekommt, und man greift dann zur Kettensäge. Eigentlich ganz normale Themen, die uns alle betreffen.
Ihr habt also keine Botschaft?
Schmidt: In Zürich machen wir mal kleine Bemerkungen über Drogen, Menschen- und Waffenhandel, aber dann ist auch wieder gut. Wir heben nicht den Moralfinger, wir unterhalten die Menschen. Die meisten gehen bei uns raus und denken sich: Endlich mal wieder richtig gelacht, bei all dem Zeug, was auf der Welt passiert.
Vermeidet ihr bei den Gesprächen gewisse Themen?
Schmidt: Man darf sich nicht selber Manschetten anziehen. Vielleicht hast du ja einen Verleger, der streng guckt, dann ist es was anderes. Die Frage, ob wir auf der Bühne etwas dürfen oder nicht, stellt sich für uns gar nicht, wir machen es einfach. Also bringt man halt auch mal einen Witz, der eindeutig unter der Gürtelline ist, und das kommt aber immer am besten an. Die Leute tun ja immer so, als wollten sie sowas nicht hören, aber gerade bei so einem Publikum mit Ärzten, Architekten, Rechtsanwälten, da kann es ja gar nicht primitiv genug sein.
Welches ist dein Lieblingsthema?
Schmidt: Ich mag diesen Skifahrer bei euch, den Andermatt.
Scheuring: Nein, du meinst den Odermatt.
Schmidt: Ach so, Odermatt. Ja, das musst du in die Zeitung schreiben: Der Schmidt hängt da den Olympiakenner raus, kennt aber den Unterschied zwischen Andermatt und Odermatt nicht. Und dann verirrt er sich in der Schweiz, weil er im Navi Odermatt eingegeben hat.
Vielleicht ist es besser, wir geben euch einen Wegbeschrieb nach Reinach?
Schmidt: Zum Glück kennt sich Hanna aus, ich spiele einfach dort, wo man mich aus dem Auto schickt.
Apropos spielen: Dass du «Verstehen Sie Spass?» gemacht hast, daran erinnert sich kaum jemand. Was war für dich der wichtigste Auftritt in deiner Karriere?
Schmidt: Das sind schon am ehesten die Late Night Shows, aber ich werde tatsächlich immer wieder auf «Schmidteinander» angesprochen, das ich zusammen mit Herbert Feuerstein Ende der Neunziger gemacht habe. Auch wenn es letztlich nur 50 Sendungen waren, verglichen mit den 2000 Late Night Shows. Viele Zuschauer von heute waren damals Teenager und noch heute sind Leute dabei, die damals bei «Schmidteinander» im Publikum waren.
Wo, oder als was trittst du eigentlich am liebsten auf?
Schmidt: Ich spiele mich selber und mag die kleinen Bühnen wie das Bernhard Theater, das macht mehr Spass. In den ganz grossen Hallen ist alles weit weg und das Publikum auf Distanz, es braucht Kameras und eine Projektion. Wo sind wir denn in Reinach? In der Stadthalle?
Ihr spielt im «Saalbau» Reinach, der ist in einer eher ländlichen Region.
Schmidt: Da war aber vorher nicht der Hasenzüchterverein drin?
Doch das kommt vor. Wir haben hier die Gemeindeversammlung, die Paldauer oder eine Teddybären-Ausstellung.
Schmidt: Also ich habe nichts dagegen, wenn parallel auf der Bühne Teddybären oder Kaninchen gezeigt werden. Oder wenn es heisst, «die Kaninchen kommen um 16 Uhr, dürfen wir schon aufbauen?» Wir nutzen das alles in unserer Show. Je mehr Chaos, umso besser. Schon die Late Night Show war immer am besten, wenn etwas nicht funktioniert hat. Die Perfektion um jeden Preis ist langweilig, wenn da hinten schon die Lederhosen der Paldauer liegen, ist das viel besser.
Aber von Reinach hast du noch nie etwas gehört.
Schmidt: Nein. Aber wir fahren ja durchs Dorf, schauen uns die Gegend an. Die Fahrt zu einem Spielort ist auch schon Teil unsere Tournee und das macht unheimlich Spass.
Scheuring: Heute reisen wir zusammen an den Spielort. Ich erzähle Harald dann immer, was ich über einen Ort weiss und frage dann zum Beispiel: Harald, kennst du eigentlich Reinach? Und dann finden wir unseren Gesprächsstoff.
Schmidt: Wir brauchen zum Glück ja kaum Technik. Wir kommen einfach, reden 90 Minuten und wenn es bei euch ein schönes Gasthaus oder ein schönes Hotel gibt, dann bleiben wir auch gerne. Für uns ist es wie eine Urlaubswoche mit leichter künstlerischer Nebentätigkeit. Natürlich bin ich gespannt auf Reinach, aber ich war noch nie da. Ist Reinach grenznah zu Deutschland? Was gibts da Schönes zu sehen?
Wir haben den Homberg, den Schneggen, ganz in der Nähe ist der schöne Hallwilersee. Und nein, wir sind eher Richtung Zentralschweiz.
Schmidt: Da freue ich mich drauf. Ich trete in Deutschland ja von Berlin bis ins Allgäu auf, und ich kenne auch die Schweiz sonst gut. Früher haben wir mit den Eltern die Schweiz mit dem Zug bereist, wir hatten ja gar kein Auto. Wir waren oft in der Bündner Herrschaft, in Bad Ragaz, das kennt in Deutschland gar niemand. Ich finde auch Basel eine tolle Stadt ja. Es sind halt die ganz bekannten Sehenswürdigkeiten und Städte, wo man als Deutscher hinreist und nicht die kleineren Orte, ausser es gibt einen schönen See in der Nähe.
Den haben wir, wie gesagt.
Schmidt: Ist der künstlich angelegt? Scheuring: Neeein, der ist wunderbar, da müssen wir hin.
Schmidt: Gut, dann essen wir hier zu Mittag, schön mit einem Glas Weisswein.
Hanna, du bist eine erfolgreiche Theaterleiterin, Regisseurin, Schauspielerin und doch kennen dich die meisten Schweizer als Vreni von «Fascht e Familie», einer Serie aus den 1990er-Jahren. Stört dich das?
Scheuring: Als ich jünger war dachte ich mit der Zeit, ich bin doch mehr als «nur» das Vreni. Mittlerweile stört mich das überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil, das hat mir auch ganz viele Türen geöffnet und dass ich hier sitze und das Theater übernehmen durfte, hatte natürlich auch damit zu tun, dass man mich schon kannte.
Wie haben Harald und Hanna zueinander gefunden?
Scheuring: Harald ist seit 2017 regelmässig Gast im Bernhard Theater, er hat auch schon moderiert. Dann hat es sich ergeben, dass wir jeweils am Abend vor einem Engagement essen gingen und haben dabei über alles so viel geredet und geredet. Irgendwann hat Harald gesagt, das könnten wir eigentlich auch auf der Bühne machen, was wir hier abends veranstalten. Seither gehen wir vor einem gemeinsamen Auftritt essen und bereden, was es Neues gibt und dann gucken wir, was auf der Bühne passiert.
Herzlichen Dank für dieses erfrischende Gespräch.


