«Am wichtigsten ist es, die Augen offenzuhalten»
16.07.2026 Seetal, RegionWie sehr sich Nachrichten über ertrunkene Menschen häufen, lässt einem betroffen zurück. Wie könnten solche Tragödien verhindert werden? Markus Kottmann ist seit diesem Frühling Präsident der SLRG Sektion Hallwilersee. Er spricht über das Glück und die Herausforderungen vom kühlen Nass.
Fragt man Markus Kottmann telefonisch nach den Gründen für sein Engagement, scheint das Lächeln hörbar. «Ich hatte immer schon Freude am Wasser. Als Teenager habe ich dann beschlossen, das Brevet zu machen, weil ich fand, dann kann ich neben meinem Spass auch noch etwas Positives bewirken.» Beim Brevet Basis Pool, wie der Kurs offiziell bezeichnet wird, handelt es sich um den Einstieg in die Wassersicherheitsausbildung der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Während sieben Stunden lernt man nicht nur die Gefahrenstellen im Bad kennen, sondern auch Rettungsmittel und Rettungstechniken. Man wird für das Thema «Ertrinkungsgefahr bei Kleinkindern» sensibilisiert, Grundwissen in Schwimm- und Tauchtechnik werden geprüft. «Das Absolvieren gehört auch zur Aufnahme in die SLRG.» Wieder ist ein Schmunzeln zu hören. «Man nennt uns nicht umsonst den Club der Brevettierten.» Die Mitglieder trainieren einmal die Woche, die Älteren dienstags, die Jugend am Donnerstag. «Wettkampfteilnehmende natürlich öfter», fügt Markus Kottmann hinzu. «Das Schöne ist, dass wir eine rundum gemischte Gruppe sind, sei es im Bezug aufs Alter oder den Aktivitätsradius.» Die einen unterstützten andere Vereine, um die Sicherheit bei Anlässen am See zu gewährleisten. Die anderen engagierten sich mit ihrem Wissen vom Motorbootclub beim Seerettungsdienst. «Oder wir geben selber Kurse.»
Der wohl bekannteste Event der SLRG Hallwilersee ist die Seeüberquerung oder eben das «Hallwilerseeschwimmen». Durchschnittlich 400 Teilnehmende nutzen jährlich die gute Gelegenheit des sicher begleiteten Weges Badi Seerose Meisterschwanden zur Badi Beinwil am See für ihr Training.
Immer zuerst das Schöne
Was sagt Markus Kottmann zum Thema Sicherheit sowie über die Nachfragen bei der SLRG nach den Unglücksfällen im Aargau? «Beim Wasser denken wir immer zuerst an das Schöne. Vor allem, wer in der Umgebung eines Flusses oder eines Sees lebt, ist dessen friedlichen Anblick einfach gewohnt. An Katastrophen denkt man nicht.» Nicht zu vergessen, dass das scheinbare Wissen meist von Eindrücken aus Film und Fernsehen geprägt sei. «Dabei haben Schreien und Strampeln nichts mit der Realität zu tun.»
Was rät er Schwimmerinnen und Schwimmern? «Das sind die vielen kleinen Selbstverständlichkeiten.» Beispielsweise, dass man nicht direkt aus der Sonne in den See springe, sondern langsam ins Wasser gehe, um sich abzukühlen. Als Nichtschwimmer nie weiter als bis zum Bauch ins Wasser gehen, weil Schwimmhilfen wie Flügel oder Matratzen keinen ausreichenden Schutz vor dem Ertrinken bieten. Nicht hungrig oder direkt nach einer Mahlzeit schwimmen wollen. «Alkoholkonsum ist ein Risiko, weil er unter anderem die Selbsteinschätzung beeinflusst. Und wer mehr wissen möchte, findet viele Tipps auf der Website der SLRG.» Aber am allerwichtigsten sei es, die Augen offenzuhalten. Markus Kottmann betont: «Das gilt für jede und jeden. Wenn alle aufeinander achtgeben, dann steht der Freude am Wasser nichts entgegen.»
Graziella Jämsä
Mehr Infos auf www.slrghallwilersee.ch


