Asana VRP Thomas Staub: «Ich hätte mir auch eine andere Lösung gewünscht»

  25.06.2026 Menziken, Region

Das Wynentaler Blatt hat Thomas Staub, Verwaltungsratspräsident der Asana Spital Menziken AG, am Tag nach der Hiobsbotschaft einige Fragen gestellt.

WB: In Gesprächen über die angekündigte Teil-Schliessung des Asana Spital Menziken kommen Emotionen hoch. Der Range geht da von Betroffenheit bis Frust. Wie ist Ihre eigene Gefühlslage?

Thomas Staub: Meine Gefühlslage ist auch sehr betroffen. Ich habe selber persönliche, starke emotionale Bindungen zum Spital Menziken. Ich bin vor knapp dreiundsechzig Jahren im Spital Menziken auf die Welt gekommen. Ich wohne in Menziken. Ich sehe das Spital Menziken eigentlich täglich. Ich bin selber auch persönlich wirklich betroffen, dass wir diese Entscheidung haben fällen müssen. Und ich habe auch grosses Verständnis, dass das bei den Mitarbeitenden natürlich Emotionen auslöst, Enttäuschungen, auch Sorgen und Ängste um die eigene persönliche Zukunft. Das verstehe ich alles sehr gut. Man muss aber halt auch akzeptieren, dass sich die Realität im Gesundheitswesen massiv verändert hat.

Eine Schliessung, so wie Sie sie jetzt kommuniziert haben, das ist ja meistens die letzte Option, die übrig bleibt. Welche Alternativen sind geprüft worden?

Ich will zuerst einmal noch festhalten: Wir reden ja nicht einfach von einer Schliessung vom Standort. Wir reden von einer Neuausrichtung vom Standort, an dem wir substanzielle Teile vom Leistungsangebot aufrechterhalten können. Und das finde ich eben auch sehr wichtig. Wir müssen die akutstationäre Versorgung schliessen. Wir stellen den OP-Betrieb ein, aber wir können umgekehrt eben ein Ambulatorium, einen Rettungsdienst, eine Hausarztpraxis weiter betreiben lassen durch die LUKS, durch die Kantonsspital Gruppe, die auch eine Notfallversorgung tagsüber sicherstellen kann.

Das geht vielleicht teilweise dann auch ein bisschen vergessen in der Betrachtung: Wir betreiben ja innerhalb vom Spital Menziken auch noch eine Abteilung Langzeitpflege. Sie kennen ja vermutlich die Falkenstein Asana AG in Menziken. Das ist eine separate Firma, separates Areal. Dort betreiben wir heute schon neunzig Pflegeplätze. Die sind seit Jahren zu hundert Prozent ausgebucht. Die sechsundfünfzig Pflegeplätze, die im Asana Spital Menziken im dritten Stock noch betrieben werden, die können wir eins zu eins weiterführen mit den Bewohnenden, mit den Mitarbeitenden und gerade auch in Anbetracht der demografischen Entwicklung, die wir haben, ist das natürlich für die Region wahnsinnig wichtig.

Der Kanton Aargau geht davon aus, dass bis in zehn Jahren tausendfünfhundert Pflegeplätze kantonsweit fehlen. In unserem Einzugsgebiet redet man von sehr vielen Pflegeplätzen, die fehlen werden. Und darum ist es auch ganz wichtig, dass wir eben dieses Angebot auch weiterführen können.

Das ist ein schwacher Trost für die Leute, die von der Schliessung direkt betroffen sind. Aber es ist nicht so, dass einfach nichts mehr da ist. Und wenn Sie fragen, was die Alternativen gewesen wären ... Wenn man nicht diese Lösung mit dem Luzerner Kantonsspital und mit der Falkenstein Asana AG gefunden hätte, wäre der einzige Weg noch gewesen, den Betrieb ohne Anschlusslösung einzustellen. Und das hätte zu einer Entlassung von sämtlichen Mitarbeitenden geführt.

Nun haben wir rund der Hälfte der Mitarbeitenden eine Zukunftsperspektive aufzeigen können. Und sämtlichen einundvierzig Lernenden, die wir haben, konnten wir eine Anschlusslösung offerieren. Selbstverständlich ist das nicht für alle am Standort Menziken. Da müssen Ausbildungen im LUKS weitergeführt werden können. Das passt vielleicht für Einzelne vom Wohnort her dann nicht mehr optimal, aber wir konnten wirklich sicherstellen, dass wenn jemand das will, seine Ausbildung weiterführen und hoffentlich erfolgreich abschliessen kann. Das war ein sehr wichtiger Teil in diesen ganzen Überlegungen.

Sie haben sie vorhin schon angesprochen, die demografische Entwicklung gerade hier im oberen Wynental. Wir sprechen von einer Agglomeration mit über dreissigtausend Menschen. Genügt das Angebot, das Sie zukünftig noch erbringen?

Also die Leistung wird ja dann nicht mehr vom, vom Asana Spital Menziken erbracht, sondern vom LUKS, respektive von Falkenstein in der Langzeitpflege. Das gibt einen wohnortnahen, adäquaten Zugang zur Grundversorgung mit kurzen Wegen in ein integriertes Netzwerk von der LUKS Gruppe.

Wir sind es gewöhnt, wir hatten hier ein Spital. Ja, wir durften hier eines haben für fast hundertfünfundzwanzig Jahre. Aber die Zeiten sind halt definitiv vorbei. Es gibt ja das bekannte Bonmot: «In jedem Tälchen sein Spitälchen». Das kann man wirklich nicht mehr aufrechterhalten. Das lässt sich nicht finanzieren. Die Finanzierung vom Gesundheitswesen ist schweizweit geregelt. Und die Kosten gehen dermassen rauf. Wir haben in den letzten drei Jahren kumuliert fast dreizehn Millionen Franken Verlust geschrieben. Die Rechnung geht irgendwann nicht mehr auf.

Wir haben Beiträge vom Kanton, sogenannte gemeinwirtschaftliche Leistungen, in der Grössenordnung von dreihunderttausend Franken für die Ausbildung von Assistenzärzten, Sonderassistenzärzten. Weitere Beiträge haben wir nicht. Da fehlen die rechtlichen Grundlagen für solche Beiträge. Wir haben da wirklich versucht, eine Lösung aufzuzeigen, die einschneidende Massnahmen hat, die aber auch eine Perspektive zeigt für eine Anschlusslösung, um einen Teil vom Angebot und vor allem auch die Langzeitpflege weiterzuführen.

Ein Thema ist der Notfall, der zwar weiterhin existieren soll, aber nur noch tagsüber. Was sagen Sie beispielsweise einem Herzpatienten, der nachts ein akutes Problem hat?

Ja, das ist eine berechtigte Frage und das kann man vor Ort stationär dann nicht versorgen. Da muss mit dem Rettungsdienst bei Bedarf eine entsprechende Einlieferung ins Spital erfolgen. In Zusammenarbeit mit der LUKS-Gruppe wäre das Spital Sursee primär nächster Ansprechpunkt. Selbstverständlich gilt aber immer der Patientenwunsch, wenn der eine Zuweisung in ein anderes Spital wünscht.

Also was sage ich denn dem Patienten? Das stimmt alles. Aber politisch sind im Moment keine Lösungen da, um solche Finanzierungen bereitzustellen. Und die politischen Wege sind ja sehr, sehr lang. Die Mühlen mahlen langsam. Es ist ein bekanntes Problem in den Spitälern schweizweit.

Das Ganze ist auch für mich eine emotionale Belastung. Ich hätte mir da auch eine andere Lösung gewünscht, aber rein realistisch gibt es keine andere Lösung, und es ist ein Optimum, das wir in der Region noch zur Verfügung stellen können.

Herr Staub, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Roland Marti, Bild: zVg.


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