Autoritäre Staaten inspiziert – Volksvertretung fraglich
28.05.2026 Suhren-/Rueder-/Uerkental, KöllikenEin Besuch des Bienenhauses «Büeblihof» in Kölliken offenbart bisher Vermutetes.
Heidi, Monika, Ernestine oder Erika und Sonja heissen gewöhnlich weibliche Personen, bei «Ruthle» und «Lady in Black» kommt man ins Grübeln. ...
Ein Besuch des Bienenhauses «Büeblihof» in Kölliken offenbart bisher Vermutetes.
Heidi, Monika, Ernestine oder Erika und Sonja heissen gewöhnlich weibliche Personen, bei «Ruthle» und «Lady in Black» kommt man ins Grübeln. Sieben Bienenköniginnen, die ihr Volk nach strengen Bienengesetzen regieren, tragen diese Namen. Die Herrin der Bienenvölker ist die Köllikerin Heike Suter: «Jedes Volk hat seinen eigenen Charakter und eine spezielle Geschichte, es ist unglaublich, wie komplex das Bienenwesen ist». Die noch in Ausbildung befindliche Imkerin analysierte den Stammbaum ihrer Honigbienen (Apis mellifera). Drei Siegelimker beherbergt Kölliken, einer war Nachbar Ruedi Lüscher. Von ihm erbte sie die Bienenvölker vor wenigen Monaten. Ihrem Mentor verdankt sie das Wesentliche über die Bienenhaltung: «Wie überall auf der Welt gibt es friedfertige Völker und weniger friedliebende, auch unter den Bienenvölkern befinden sich aggressive Arten, die Verantwortung liegt beim Bienenzüchter».
Arbeit im Bienenstock
Der Besuch im Bienenhaus «Büeblihof» galt einem sanftmütigen Bienenstaat mit Königin Erika an der Spitze. Allein die Lage am Waldrand mit blühenden Apfelbäumen auf der gegenüberliegenden Seite einer Wiese ist ideal. Der erste Eindruck täuschte nicht, die umherschwirrenden Bienen tragen Pollen, sie bilden am Flugloch einen Bienenbart. Die Beuten (Wohnräume der Bienen) sind fast zu eng. Erikas überfliessendes Volk erhält heute einen Honigaufsatz. Elf Honigwaben werden in den oberen Raum der Beute gehängt. Sofort tummeln sich die Bienen auf den Waben, sie haben bereits Honig gesammelt. Eine Wabe mit rund drei Kilogramm Gewicht hängt die Imkerin in den Wabenknecht. Eine frische Brutwabe folgt, eine volle Futterwabe schliesst die Beute ab. Der Smoker hatte seinen Zweck erfüllt, die Bienen bleiben auf ihren Waben sitzen.
Das Bedampfen mit Rauch gaukelt den Bienen eine Notsituation vor, so dass diese umso emsiger ihre Aufgaben erfüllen. «So sanftmütige Bienen hat man selten, das kommt, weil Königin Erika am Strohdachhaus gezüchtet wurde», glaubt die Jungimkerin. Demnächst plant Heike Suter Jungvölker zu bilden.
Respekt und Demut erforderlich
Ein Bienenstaat ist ein autoritäres Regime, eine Volksvertretung kennen sie offensichtlich nicht, schon gar keine Mitarbeiterbestimmung. Bienen leben dennoch gern im Überfluss, sie brauchen aber Beschäftigung und Platz. Im Zug der Klimaerwärmung verschiebt sich das Bienenjahr. Der warme Frühling bescherte frühzeitig ein Blütenmeer. Die Sammelbienen sind mit dem Eintragen des Nektars beschäftigt, den sie in Honig umwandeln. Aus ausgeschwitztem Wachs bauen die Baubienen neue Zellen, in die die Königin pro Tag bis zu 2000 Eier legt. Die neue Brut entwickelt sich prächtig. Die körperlich grösseren Königinnen können bis zu fünf Jahre alt werden, Arbeitsbienen nur vier bis fünf Wochen. Bienen solle man mit Respekt und Demut angesichts ihrer Leistung für Natur, Umwelt und Honigproduktion begegnen. Erfahrungen mit der Wehrfähigkeit machte der Autor am eigenen Körper. Bilder vor den Einflugschneisen mussten zum Abschluss noch her. Die Imkerin bat ihn noch, die Fluglöcher der Bienenstöcke zu erweitern. Prompt stach ihn eine von Sonjas Bienen durch den Handschuh in den Finger. Ein Soforthilfespray half den Finger zu kühlen, einige Tage juckte die Einstichstelle noch. Eine schmerzliche Begegnung war es dennoch. Die richtige Schutzkleidung für Imker ist unerlässlich, darf daraus geschlossen werden.
Lebensräume erhalten
Bei den anderen Völkern waren die Honigwaben bereits gefüllt. Sobald diese mit Wachs verschlossen sind (verdeckelt), steht das Schleudern an. Den Zeitpunkt kann der Imker steuern. Den Bienen wird nur der im Überfluss vorhandene Honig weggenommen. Ein Volk muss über ausreichend Nahrung verfügen. Eine Hauptaufgabe des Imkers ist die Schädlingsbekämpfung. Varroamilben schwächen die Bienen und übertragen Krankheiten, aber auch die asiatische Hornisse ist eine Gefahr für die heimische Biene. Die fleissigen Helferinnen sind auf dem Rückzug. Die Eidgenössische Volksinitiative «Für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten (Bienen-Initiative)» soll Abhilfe schaffen. Vorschriften zur Förderung der Bestände und der Vielfalt von Bienen sowie anderer einheimischer Bestäuberinsekten durch den Bund sind unerlässlich. Förderungen sollen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der Bestäubung Rechnung tragen. Anreize zur Bereitstellung, zum Unterhalt und zur qualitativen Verbesserung von naturnahen Lebensräumen wäre Aufgabe von Kantonen, Gemeinden und der Wirtschaft. Ein Zeichen setzte der «Tag der Bienen» am 20. Mai.
Alfred Weigel



