«Bin überrascht, wie stark unsere Gesellschaft altert»
25.06.2026 Region, AargauDer Kanton Aargau will, dass sich die Gemeinden in sogenannte «Versorgungsregionen» zusammenschliessen, um die Herausforderungen im Bereich der Gesundheitsplanung zu meistern. Mit im Boot sind die Ärzte, Apotheker, Pflegende und Institutionsleiterinnen. Hierzu fand ...
Der Kanton Aargau will, dass sich die Gemeinden in sogenannte «Versorgungsregionen» zusammenschliessen, um die Herausforderungen im Bereich der Gesundheitsplanung zu meistern. Mit im Boot sind die Ärzte, Apotheker, Pflegende und Institutionsleiterinnen. Hierzu fand kürzlich ein weiterer Workshop statt. Das sind die Eindrücke der Teilnehmenden.
«Für mich geht es jetzt nicht um Politik, sondern es geht darum, die Dienstleistungen für die ältere Generation in unserer Region zu optimieren. Das müssen einfache, greifende und gut umsetzbare Lösungen sein. Im Rahmen der Workshops gab es sehr gute Inputs für die weitere Zusammenarbeit untereinander. Klar wurde aber auch, dass für einen fliessenden Austausch der Datenschutz eine zentrale Rolle spielt. Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen durch die Patientendossiers nicht zu «gläsernen Patientinnen und Patienten» werden wollen. Und das erschwert eine offene und transparente Kommunikation untereinander. Das zentrale Organ der zukünftigen Versorgungregion ist für mich die neu zu bildende Anlaufstelle. Ich bin sicher, dass durch die Abklärungen, welche die Anlaufstelle tätigen wird, wir als Institutionen sehr entlastet werden.»
Miriam Lo Conte,
Geschäftsleiterin Spitex Sonnenberg und Pflegezentrum Sonnenberg, Reinach
«Ich bin überrascht, wie stark unsere Gesellschaft altert. Dies wird uns vor grosse Herausforderungen stellen. Unsere Kundschaft gehört generell eher zur älteren Generation, deshalb ist mir das im Alltag noch nicht so stark aufgefallen. Sicher wird sich unser Dienstleistungsangebot erweitern – jedoch nicht zwingend für die Kundengruppe der oft mehrfacherkrankten Seniorinnen und Senioren, sondern eher für junge, gesunde Menschen, die eine hohe Krankenkassen-Franchise haben und niederschwellige Dienstleistungen wie Impfen, Blutdruck- oder Blutzuckermessungen, Wundversorgungen und vieles mehr aus der eigenen Tasche bezahlen. Damit können wir Hausarztpraxen entlasten. Auch mit Screenings können wir die Hausärzte wirkungsvoll unterstützen. Aus Apothekersicht finde ich es zentral, dass die Kommunikation zwischen den verschiedenen Institutionen reibungslos funktioniert.»
Florian Schwyter,
Apotheker, TopPharm Wyna, Unterkulm
«Wenn wir die Gesamtsituation verbessern und die Versorgungsqualität hochhalten wollen, dann muss unbedingt auch die Sicht der ärztlichen Grundversorger einfliessen. Ich habe versucht, mich im Vorfeld der Veranstaltung in die Gesundheitspolitische Gesamtplanung 2030 einzulesen. Es ist ein sehr komplexes Thema, da so viele Berufsgruppen und Institutionen beteiligt sind. Meines Erachtens spielen die Kommunikation und die Schnittstellenkoordination auf allen Ebenen eine essenzielle Rolle. Sie sind Grundvoraussetzungen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Leistungserbringer. Es ist egal, um welche Schnittstelle und welchen Zeitpunkt es geht – Spitaleintritt, Spitalaustritt, Heimeintritt, Versorgung zu Hause – die einzelnen Institutionen müssen sich zuverlässig gegenseitig informieren können.»
Dr. med. Annalena Keller,
dipl. Ärztin, Wyna Praxis Reinach
«Dieser Anlass sollte im gleichen Rahmen und in regelmässigen Abständen immer wieder stattfinden, denn das stärkt die Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsdienstleister. Die grosse Kunst in unserem komplexen Gesundheitswesen ist es, den Informationsfluss zwischen den einzelnen Leistungserbringern sicherzustellen. Diese Zusammenarbeit muss digital unterstützt werden. In meinen Augen braucht es dringend eine schweizweite Plattform für den Datenaustausch, auf welcher im Minimum eine aktuelle Diagnose- und Medikamentenliste geführt wird. Wenn diese Informationen à jour sind, fallen bereits viele Probleme weg. Weiter muss die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte gestärkt werden. Sie sind prädestiniert dafür, die Fäden zusammenzuhalten. Umso wichtiger ist es, das Hausarztsystem aufrecht zu erhalten und alles zu tun, dass es uns nicht wegbricht.»
Sandra Lambroia Groux,
Direktorin Asana Spital Menziken AG




