Mundartsänger und Autor Tinu Heiniger las aus seinem neuesten Werk «Geradewegs dem Erdinnern zu».
«Ja, diese Geschichten legen Narben bloss, lassen uns einen anderen Tinu Heiniger entdecken, seine radikale Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ist ...
Mundartsänger und Autor Tinu Heiniger las aus seinem neuesten Werk «Geradewegs dem Erdinnern zu».
«Ja, diese Geschichten legen Narben bloss, lassen uns einen anderen Tinu Heiniger entdecken, seine radikale Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ist entwaffnend», schreibt Literaturkritikerin Eichmann-Leutenegger in ihrem Nachwort zu Tinu Heinigers drittem Buch. In der Tat, wer seiner Lesung beiwohnte, merkte schnell, dass diese Charakterisierung nicht übertrieben ist. Der Autor schreibt schonungslos von seiner Kindheit und über sein Künstlerleben. Ein Kapitel, das er an diesem Abend las, widmete er Stephan Eicher. Mit dem bekannten Schweizer Chansonnier und Komponisten verbindet ihn eine tiefe Freundschaft, in der auch Kritik und Streit Platz haben.
Nachdenklich und doch locker las der 80-Jährige aus seinem 176 Seiten umfassendem Hard-Copy-Werk. «Im Alter versteht man plötzlich die Bedeutung alter Geschichten», begründet Tinu Heiniger seine Erinnerungsskizzen. Während rund einem Jahr schrieb Heiniger an seinem dritten Buch. Ob noch weitere folgen, lässt der Autor offen: «Manchmal muss etwas raus, und das kann nur raus, wenn ich in der richtigen Stimmung dazu bin.»
Gitarren- und Klarinettenklänge lockerten die Lesung auf. Gastsängerin Rahel Spielmann als Überraschung des Abends brachte im Duo mit Tinu Heiniger Schweizer Liedgut wie «Heimetvogel» und «Lueget, vo Bärge und Tal» zu Gehör. An wen er seine Lieder adressiert, ist seinem die Lesung eröffnenden Gesang zu entnehmen: «Ich singe für die Jungen und die Alten, und singe für die Linken und die Rechten» - ja, Heiniger singt für die Menschen wer immer und wie immer sie sind. Das Signieren am Anlass der Bücher (Auflage 2000 Exemplare) nahm kein Ende. Gut, dass der aus dem Emmental stammende Tinu Heiniger bereits vor der musikalischen Lesung Rede und Antwort stand. Organisiert wurde die Lesung in der Alten Wagnerei von der Bibliothek Kölliken.
Alfred Weigel