«Dankbarkeit, Verantwortung und Loslassen»
06.08.2026 ReinachGemeinsam auf den Geburtstag der Schweiz anstossen oder eine leckere Bratwurst geniessen, während die Kinder sich in der Hüpfburg austoben. Doch neben grosser Lebhaftigkeit war auch Platz für ernstere Gedanken.
«Er zählt zu den bekanntesten ...
Gemeinsam auf den Geburtstag der Schweiz anstossen oder eine leckere Bratwurst geniessen, während die Kinder sich in der Hüpfburg austoben. Doch neben grosser Lebhaftigkeit war auch Platz für ernstere Gedanken.
«Er zählt zu den bekanntesten Dokumentarfilmern und Reportern der Schweiz. Mit journalistischer Neugier, feinem Gespür für Menschen und dem respektvollen Blick auf unterschiedlichste Lebensgeschichten hat er die Fernsehlandschaft nachhaltig geprägt», stellte Gemeinderätin Franziska Goldenberger Gastredner Hanspeter Bäni vor. Einer seiner ersten Sätze: «Ich bin kein Politiker, keine Angst. Ich spreche nicht über Beschlüsse und deren Folgen. Stattdessen stelle ich drei Worte in Relation, welche für mich Hauptrollen im Leben spielen.»
Drastisch illustriert Hanspeter Bäni das Wort «Dankbarkeit». «Ich flog aus dem Libanon nach Hause in die Schweiz und tags darauf erhielt ich die Nachricht, am Abend habe ein Angriff Israels auf den Libanon stattgefunden.» Das Bild der Zerstörung machte Zuhörerinnen und Zuhörer betroffen. Die Drohung eines afrikanischen Prinzen, er werde ihm mit der Machete den Kopf abhacken, entstand in den Köpfen des Publikums. Die Erinnerung an den Diktator Slobodan Milošević ist bei vielen noch präsent. Hanspeter Bäni hat viele dieser historischen Entwicklungen mit der Kamera verfolgt. «Und wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich immer am nächsten Tag eine Zeitung gekauft, um zu sehen, was in der Schweiz aktuell ist.» Schlagzeilen wie «Der Bahnhof Oerlikon hat keine Rolltreppe» hätten ihm dann die ruhige Stabilität seines Heimatlandes bewusst gemacht. «Und sie erfüllten mich mit tiefer Dankbarkeit.»
Als auf der Leinwand eine Szenerie mit Lotti Latrous zu sehen war, ging ein Raunen durchs Zelt. Sie steht ganz klar für eine Frau, die Verantwortung übernommen hat. Der Aufbau eines Ambulatoriums sowie eines Mütter- und Kinderheims an der Elfenbeinküste ist vielen Menschen auch wegen Hanspeter Bänis Filmen bekannt. «Als sie sich mit Misständen konfroniert sah, ist sie für Entwicklung eingestanden.» Heute müsse sie für sich Verantwortung übernehmen. «Ihre Gesundheit lässt ein Engagement nicht mehr in dem Rahmen zu, wie sie es über Jahre gezeigt hat.» Den Begriff «Verantwortung» mit Handlungen zu füllen, sei die Aufgabe eines jeden. «Es ist eine der Grundlagen für das Leben miteinander als Gesellschaft.»
Das «Loslassen» ist Hanspeter Bäni selbst nicht leicht gefallen, wie im Film «Ihr könnt jetzt gehen», zu sehen ist. Um sich mit seiner eigenen Pensionierung auseinanderzusetzen, geht er auf eine Reise. Und unterwegs spricht er mit Menschen über die Rolle der Arbeit in ihrem Leben. «In diesem Rahmen habe ich einen Bäcker kennengelernt, der sich nicht nur keine Pensionierung vorstellen konnte. Er führte mehrere Betriebe und arbeitete so viel, dass ihm keine Zeit für Anderes im Leben blieb.» Jahre später habe er ihn in Heidelberg wiedergetroffen. «Er war mit seiner Partnerin in den Ferien. Natürlich fragte ich ihn, was aus seinen früheren Gedanken geworden war.» Der Mann habe ihm erklärt, dass es die Reportage gewesen sei, die ihn zum nachdenken gebracht habe. «Er schilderte sein Gefühl etwas zu verpassen. Also entschied er loszulassen.»
Diese Momente seien es, für die er das Filmen liebe. «Ich war glücklich, etwas bewirkt zu haben.» Das Leben liefere ihm immer wieder die Bestätigung für seine drei Betrachtungsschwerpunkte. «Dankbarkeit, Verantwortung und Loslassen – wenn wir das im Kopf behalten. Wenn wir es als Wegweiser betrachten, dann sind wir auf dem Weg unser gutes Leben in der Schweiz zu würdigen.»
Graziella Jämsä
Weitere Infos zum Wirken von Hanspeter Bäni auf www.hanspeterbaeni.ch



