Seit über 40 Jahren unterrichtet Ruedi Lehnherr. Er war Konrektor, Klassen-, Musik- und Instrumentallehrer. Unzähligen Menschen hat er mitgegeben, was ihn begeistert: Freude an Musik.
Kaum zu glauben, Anfang Primarschule wollte Ruedi Lehnherr kein Instrument ...
Seit über 40 Jahren unterrichtet Ruedi Lehnherr. Er war Konrektor, Klassen-, Musik- und Instrumentallehrer. Unzähligen Menschen hat er mitgegeben, was ihn begeistert: Freude an Musik.
Kaum zu glauben, Anfang Primarschule wollte Ruedi Lehnherr kein Instrument erlernen. «Ich habe mich vor möglichen Auftritten gefürchtet», erzählt er mit einem Schmunzeln. Die Angst hat sich ausgewachsen. Trompete, Posaune, Horn, Tuba - anfangs spielte er an der Seite seines Vaters in der Musikgesellschaft, später arbeitet er als Schulmusiker, Instrumentalist, Dirigent und Komponist/Arrangeur in einem breiten Wirkungsfeld zwischen Symphonik, Jazz, Pop, Blas- und Chormusik.
Über sein Engagement in der Welt der Töne ist viel geschrieben worden. Aber wie hat er seinen Alltag erlebt? Haben sich Kinder und Jugendliche wirklich verändert? Ruedi Lehnherr denkt einen Moment nach, bevor er antwortet. «Ich denke, man muss sich immer wieder bewusst machen, dass sie ihre musikalische Stimme erst finden müssen. Das ändert sich nicht.» Was ihn über sein Gehör so sehr «packe», dass sich sein Temperament Bahn bricht, müsse er erst verständlich machen.
Dafür lässt er sich immer wieder etwas einfallen. Da sind Choreographien, die seine Schüler parallel zum Lied interpretieren lernen. Für ein Konzert seines Chores hat er vor kurzem eine Band organisiert. «Das macht die Musik ganz anders fühlbar, der eigene Gesang wird noch wichtiger, weil man das Ganze klingen lassen will.» Er regt das Miteinander von Künstlern an – schafft klangvolle Berührungspunkte.
Wie ist es bei ihm selbst, hat er von den Jugendlichen in seinen Schulzimmern gelernt? Er lacht. «Selbstverständlich, in verschiedenster Hinsicht.» Wenn sie heute ein neues Stück lernen würden, suche der eine oder andere schon mal ein Beispiel auf Youtube. «Das finde ich gut, das zeigt Interesse, auch wenn es für mich nicht die erste Methode wäre.» Ausserdem halte er sich immer auf dem Laufenden, was aktuellere Stücke betreffe. «Alter ist nicht per se ein Qualitätsmerkmal. Ein Beispiel», schon steht Ruedi Lehnherr auf und singt, «Je ne parle pas français.» Der Rhythmus habe geradezu nach einer Choreographie verlangt. «Und die Kombination Musik und Sprachen funktioniert doch bestens.»
Lernen und Lehren liegt für Ruedi Lehnherr nahe beieinander. «Musik entwickelt sich stetig weiter – also bin ich ebenso unterwegs.» Unterrichten habe für ihn bedeutet, diese Begeisterung weiterzugeben. «Zu sehen, wenn bei Schülerinnen und Schülern plötzlich ein Knopf aufgeht, wenn die Töne sozusagen Wurzeln schlagen. Das ist Energie pur», er hält einen Moment inne, «und dafür bin ich mehr als dankbar.»
Graziella Jämsä