Das Seetal kam an der Seetal-Konferenz zu kurz
24.09.2026 Beinwil am SeeIn Beinwil am See fand erneut die Seetal-Konferenz statt. Bundesrat Albert Rösti und die beiden Regierungsräte Stefan Attiger und Fabian Peter nahmen daran teil. Gesprochen wurde dabei mehr über den Durchfahrtsbahnhof Luzern, als über Seetaler ...
In Beinwil am See fand erneut die Seetal-Konferenz statt. Bundesrat Albert Rösti und die beiden Regierungsräte Stefan Attiger und Fabian Peter nahmen daran teil. Gesprochen wurde dabei mehr über den Durchfahrtsbahnhof Luzern, als über Seetaler Bedürfnisse.
«Die Mobilität ist im Raum Seetal ein Dauerbrenner», sagte Raimund Wenger, Gastgeber der Veranstaltung im Löwensaal Beinwil am See gegenüber den gut 100 Gästen aus Politik und Wirtschaft. Wenger ist Leiter des «Kantonsübergreifenden Entwicklungskonzepts Seetal» (KEK) und Geschäftsleiter der regionalen Entwicklungsträger «Idee Seetal». Ausserdem ist er Gemeinderat der Seetaler Gemeinde Aesch. «Fragen zur Mobilität werden die Region noch über Jahrzehnte begleiten», stellte er einleitend fest.
In den Grussbotschaften von Martin Grütter, Gemeindeammann Beinwil am See, David Affentranger, Präsident der «Idee Seetal» und Andreas Schmid, Präsident Lebensraum Lenzburg Seetal wurde unterstrichen, dass die ländlichen Gemeinden um die Kantonsgrenze herum sehr gut zusammenarbeiten. So sehe man weder dem Hallwilersee, noch den darin schwimmenden Enten an, aus welchem Kanton sie stammen, scherzte etwa Andreas Schmid. Etwas ernster lieferte er das Beispiel der Kläranlage ARA Seetal nach, die nur dank der Zusammenarbeit von 25 Gemeinden möglich ist. «Sie sehen, wenn wir im Seetal zusammenarbeiten, kann vieles besser gelingen.»
Über Seetaler Bedürfnisse wurde nur wenig gesprochen
Bevor die Politik ihre Sicht der Dinge präsentieren durfte, entführte Jacqueline Stutz, von der «smove GmbH» die Zuhörenden aus fachlicher Sicht in die Zukunft. Die Verkehrsingenieurin befasste sich in ihrem Referat mit der «Autonomen Mobilität». Sie kam zum Schluss, dass es im Seetal aktuell andere «Mobilitätsbaustellen» gebe: Defizite beim öV ins Freiamt, nach Sursee oder zwischen Aesch und Mosen, mangelnde Erschliessung der Ostseite des Sees, oder Netzlücken im Veloverkehr. Auch die Parkplatzsituation, das Bilden von Mobilitätsdrehscheiben und das Pflegen von Ortsdurchfahrten seien wichtig.
Das wars dann aber zum Thema «Mobilität im ländlichen Raum». Wer nun erwartet hat, dass sich Regierungsräte und Bundesrat an der «Seetal-Konferenz» mit Seetaler Themen beschäftigen, wurde enttäuscht. Bundesrat Albert Rösti blickte zuerst auf seine Tätigkeiten zurück und sprach von einem «Scherbenhaufen», vor dem er 2024 gestanden habe. Der Ausbau der Nationalstrassen wurde vom Schweizer Stimmvolk verworfen und bei den SBB merkte man, dass die Bahninfrastruktur bis 2035 zusätzliche 14 Milliarden verschlingen wird. Im Velauf der Veranstaltung erfuhren die Teilnehmenden, dass laufende und geplante nationale Infrastrukturprojekte im Rahmen des Projekts «Verkehr ’45» 56 Milliarden Franken verschlingen werden. Dafür seien unter anderem «Mehrwertsteuer-Promille» nötig, die vom Volk jedoch genehmigt werden müssen. Militär und AHV wollen übrigens die gleiche Geldquelle anzapfen ‒ das blieb an der Seetal-Konferenz jedoch unerwähnt. «Der Durchgangsbahnhof in Luzern», so spannte der Bundesrat den Bogen doch noch zur Region, «wird auch im Seetal für Entlastung sorgen. Mehr Verbindungen zwischen Lenzburg und Luzern sind heute aufgrund der Kapazitäten nicht möglich, das wird sich bis 2045 verbessern.»
Stephan Attiger: «Wir dürfen uns nichts vormachen»
Die beiden anwesenden Regierungsräte Fabian Peter (Luzern) und Stephan Attiger (Aargau) rückten bei ihren anschliessenden Voten die Regionen etwas mehr in den Fokus. Der Aargauer Vertreter, Landammann Stephan Attiger würdigte das Vorhaben des Bundes, sagte aber: «Auch in zwanzig Jahren werden 60 bis 70 Prozent der Menschen mittels motorisiertem Individualverkehr unterwegs sein, da dürfen wir uns nichts vormachen». Hiernach hob er das Projekt «iamo» hervor – selbstfahrende Autos, die getestet werden ‒ nicht im Seetal, notabene.
Der Luzerner Regierungsrat Fabian Peter hielt fest, dass es in der Verkehrsplanung keinen Stadt-Land-Graben geben dürfe. «Die Stadt weiss, dass sie das Land braucht und umgekehrt ist man bei uns auf dem Land stolz auf die Stadt Luzern». Der Kanton Luzern wolle für eine «nachhaltige differenzierte Mobilität» sorgen. Die Luzerner Regierung freue sich, dass das Seetal auch für den Bundesrat wichtig bleibt.
Eine Seetal-Konferenz, bei der «Durchgangsbahnhof Luzern» öfter vorkam, als zum Beispiel die gefährliche Veloverbindung zwischen Birrwil und Boniswil, neigte sich nach drei Stunden dem Ende zu. Im Anschluss an die Veranstaltung nutzen die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich mit den Vertretern aus Politik und Wirtschaft zu vernetzen.
Remo Conoci



