Das zufriedene Lächeln der Lesenden
09.07.2026 Seetal, SeengenDer Umtrunk zum Start in die Sommerferien ist kein Geburtstagsanlass, sondern bereits eine liebgewordene Tradition. Ein Besuch vor Ort macht schnell spürbar warum.
Es ist kurz nach neun Uhr. Ein Vater unterstützt seinen dreijährigen Sohn beim Aussuchen einer Tonie-Figur. Das passende Bilderbuch findet sich dann unkomplizierter. Stolz trägt der Kleine es zur Sitzbank im offenen Zugwagen, der eigentlich ein «Raupenwagen» ist. Eine Mutter fragt nach einem Comic. Kein Problem für die Mitarbeiterinnen der Gemeindebibliothek. «Seit Open Library sind die Samstage viel ruhiger. Wir haben richtig Zeit, den Menschen ihre Wunschbücher zu organisieren», sagt Leiterin Daniela Studer.
Hinter der «Offenen Bibliothek» steht ein spannendes Konzept. Kunden ab 18 Jahren können sich registrieren und zur Nutzung berechtigen lassen. Der Zugang wird per App ermöglicht. «Dann können die Kunden zwischen sechs und 23 Uhr Medien ausleihen, zurückbringen oder verlängern – was das Herz begehrt», schildert Daniela Studer. Der Besuch der Bibliothek könne besser in den persönlichen Alltag eingeplant werden.
Viele kleine Aktivitäten
Wie viel das Angebot mit den guten Nutzerzahlen zu tun hat, lässt sich nicht feststellen. «Aktuell haben wir mehr als 1300 im System, wobei dazu auch Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Familien zählen. Aber auch mit dieser Relativierung kann man sagen, wir haben immer mehr Abonennten.» Die Richtschnur für Medien liegt bei 15’000. «Schliesslich wollen wir aktuell sein. Zu selten gefragte Klassiker oder veraltete Sachbücher werden regelmässig aussortiert.»
Mittlerweile haben die Ersten mit einem Glas Früchtebowle in der Hand in den Liegestühlen Platz genommen. Manche träumen sichtlich vom Lesen des Ausgeliehenen am künftigen Ferienort. «Dieses zufriedene Lächeln ist das Schönste», findet Daniela Studer. «Mehr braucht es nicht. Auch wenn die Bibliothek 75 wird, setzen wir auf viele kleine Aktivitäten.» Buchclub, Gschichtestund, Märlizit und Verslimorgen haben sich etabliert. Manchmal organisiere man in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen Neuheiten-Präsentationen. «Unser aktuellstes Projekt ist «Silent Reading».» Jeder bringe das Buch mit, das er gerade lese und richte sich in der Bibliothek gemütlich ein. «Die erste Dreiviertelstunde vertiefen sich die Lesenden in ihre mitgebrachten Werke, dann kann man sich bei Snacks und Getränken unterhalten, bevor man noch einmal in Ruhe weiterliest.» Die Rückmeldungen bisheriger Teilnehmender seien positiv gewesen. Daniela Studer bringt es mit einem Schmunzeln auf den Punkt: «Es ist das Gegenteil von Alltagsstress und das mit Büchern.»
Graziella Jämsä

