«Der Beruf hat sich verändert»
24.09.2026 Menziken, BurgHebamme Hedy Siegrist und Hausarzt Hans Ulrich Brüngger gaben am Samstag im Rahmen des Erzähltals einen Einblick in ihr langjähriges Schaffen. Über die Jahre hat sich im Gesundheitswesen viel verändert.
Zwischen 2000 und 3000 Kinder hat Hedy ...
Hebamme Hedy Siegrist und Hausarzt Hans Ulrich Brüngger gaben am Samstag im Rahmen des Erzähltals einen Einblick in ihr langjähriges Schaffen. Über die Jahre hat sich im Gesundheitswesen viel verändert.
Zwischen 2000 und 3000 Kinder hat Hedy Siegrist während ihrer Zeit als Hebamme auf die Welt gebracht. Während mehrerer Jahre half sie Frauen vor, während und nach der Geburt und erlebte so die verschiedenen Veränderungen in ihrem Beruf mit. «Früher hatte man mehr Geduld und man hat etwas mehr abgewartet», sagt sie überzeugt. Heute hätten Hebammen mehr Stress. Zudem war der Beruf früher noch eher ein Handwerk: «Wir brauchten ein Gespür und tasteten viel ab. Heute ist die Technik hochgeschrieben.» Auch die Ausbildung habe sich verändert. Während Hedy Siegrist eine dreijährige Lehre als Hebamme absolvierte, ist es heute ein Studium, das zum Beruf führt.
Auch der Ort der Geburt habe sich verändert: «Die Geburten zentralisieren sich durch die Schliessung von Geburtsstationen.» Hausgeburten gebe es heutzutage wenige, aber Geburtshäuser hätten Aufschwung erhalten. Es sei eine gute Mischung aus guter gesundheitlicher Versorgung und doch kein Spital. Wer Hedy Siegrist zuhörte, der merkte, mit welcher Leidenschaft sie ihrem Beruf nachging. «Ich habe meine Berufswahl nie bereut.»
Aber die Entwicklungen bereiten ihr dennoch Sorgen: «Im Innersten tut es mir weh, wenn sich Frauen für einen unnötigen Kaiserschnitt entscheiden. Ich finde es wichtig, dass Kinder spontan zur Welt kommen können.» Sie verstehe es, wenn ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig sei, doch wer denke, dass es dadurch weniger Schmerzen gebe, liege falsch.
Bis zum Schluss Freude gehabt
Doch nicht nur Hedy Siegrist durfte am Samstag im Rahmen des Erzähltals aus ihrem Berufsleben erzählen, auch Dr. Hans Ulrich Brüngger, der jahrelang in Menziken als Hausarzt arbeitete, berichtete über seine Erfahrungen. «Ich hatte Glück und schon vor meiner Pubertät gewusst, dass ich Arzt werden will», sagte er an die Anwesenden gerichtet. Grund dafür sei eine schlimme Krankheit als Kind gewesen. Dass der aus Stauffen stammende Hausarzt in Menziken landete, war wohl Schicksal. «In der Kanti mussten wir 14 Tage Landdienst machen. Ich wollte das nicht in meiner Umgebung absolvieren und liess mich einteilen. So bin ich damals in Menziken beim Bauer Max Merz gelandet.» Nach seinem Studium während seiner Weiterbildung wusste er: «Als Hausarzt muss man aufs Land.» Da kam ihm Menziken wieder in den Sinn.
«Ich schätzte es, dass ich vom Kind bis zur Grossmutter alle betreuen durfte», sagt Hans Urlich Brüngger über seinen Job. «Die Betreuung von chronisch kranken Menschen betrachte ich als den wichtigsten Teil meiner Tätigkeit», erklärte er weiter. Dazu gehöre auch die Betreuung bis zum Lebensende. «Das ist eine schöne und dankbare Aufgabe aber auch eine belastende.» «Ich habe bis zum Schluss Freude an meiner Arbeit gehabt», sagt Hans Ulrich Brüngger überzeugt. Trotzdem wisse er nicht, ob er heute den Beruf des Hausarztes empfehlen würde: «Der Beruf hat sich verändert. Bei den heutigen Ansprüchen würde ich mich in der Praxis nicht mehr ganz wohl fühlen.»
Die rund 150 Anwesenden im Saal folgten den Ausführungen der beiden Gesundheitsversorgenden mit grosser Aufmerksamkeit und quittierten ihren Einsatz und ihre Offenheit mit einem grossen Applaus. Egal, ob sie selbst im medizinischen Bereich arbeiten oder als Patienten Teil des Systems sind, an diesem Erzähltal-Anlass haben bestimmt alle etwas Neues gelernt.
Melanie Köchli


