Der «Iceman» ist im Leben angekommen
05.11.2026 UnterkulmDer Bündner Carlo Janka war einer der besten Skifahrer seiner Generation: Während seiner Karriere wurde er «Iceman» genannt. Eigentlich kaum zu glauben, denn bei seiner Buchpräsentation «Durchbruch, Mein Weg – Dein Erfolg» zeigte er sich als ...
Der Bündner Carlo Janka war einer der besten Skifahrer seiner Generation: Während seiner Karriere wurde er «Iceman» genannt. Eigentlich kaum zu glauben, denn bei seiner Buchpräsentation «Durchbruch, Mein Weg – Dein Erfolg» zeigte er sich als äusserst empathischer und humorvoller Mensch.
Er kam, sah und siegte: Carlo Janko lockte rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer in die Aula der Schulanlage in Unterkulm. Die Regionale Bibliothek Unterkulm organisierte die Lesung und den Talk. Bibliotheksleiterin Elisabeth Krack und Remo Isch (Präsident der Bibliothekskommission) freuten sich über den grossen Publikumsaufmarsch und moderierten den Anlass. Krack gratulierte Janka zum kürzlichen Sieg bei der Sendung «Champion der Champions» im Schweizer Fernsehen. Letzterer zeigt auf, dass Janka auch nach seiner Spitzensport-Karriere vor fast fünf Jahren noch immer topfit und mental stark ist. Kein Wunder, ist er doch unter anderem als Athletiktrainer für den EHC Chur und dessen Partnerklub, den EHC Wetzikon, tätig.
Rückblick: Nach seinem grössten Sieg, dem Olympiasieg im Riesenslalom in Vancouver und dem Sieg des Gesamtweltcups war Carlo Janka im Sportpanorama zu Gast. Dort wurde er seinem Namen als «Iceman» gerecht. Sportmoderator Bernard Thurnherr musste dem damals 24-Jährigen alles aus der Nase ziehen. Nun ist Janka 40 Jahre alt, dreifacher Familienvater und Coach mit eigener Firma. Und ein fast völlig anderer Mensch, wie er selber bestätigt. «Ich hätte es vor über zehn Jahren nicht für möglich gehalten, dass ich – wie heute in einer Lesung – vor grösserem Publikum auftrete. «Ich bin halt eher ein introvertierter Mensch.»
Das Buch ist keine reine Biografie
Die Idee für das Buch hatte der Bündner Krimiautor Philipp Gurt. Nachdem Carlo Janka zugesagt hatte, ging es mit den unzähligen Telefonanrufen los. Rund 250 waren es an der Zahl. Und das, obwohl er nicht gerne telefoniere, so Janka. Das Buch selbst, das im Oktober 2024 publiziert wurde, hat Philipp Gurt in nur drei Wochen geschrieben.
Auf die Frage der Moderatorin Elisabeth Krack, ob er denn gerne mit dem Auto durch die Schweiz reise, erzählte Janka, dass er an die «Fahrerei» von früher im Weltcupzirkus gewöhnt sei. Und dass die Distanzen in der Schweiz nicht allzu gross seien. Zudem bereiten ihm die Lesungen Freude und sie seien für ihn eine ganz neue Erfahrung.
«Man muss als Coach die Menschen mögen», erzählte Carlo Janka. «Es gehe darum, das Bestmögliche aus einem Athleten herauszuholen.» Das Buch Durchbruch «Mein Weg – Dein Erfolg» ist nicht nur eine Biografie, sondern auch ein Ratgeber. Janka gibt darin nicht nur Spitzensportlern wertvolle Tipps.
Moderator Remo Isch wollte von Janka wissen, warum er nie einen Sieg im Europacup erzielte. «Es gab im Jugendalter talentiertere Skifahrer als mich», blickte Janka zurück. Doch ihm sei die gute Technik entgegengekommen, um sich im Skiweltcup rasch durchzusetzen. Deshalb verblieb er nur eine Saison im Europacup. «Der Erfolg hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und einge davon kann man nicht beeinflussen», betont Janka. Hinzu komme, dass der Skisport auch eine kostspielige Sache für die Eltern ist. «Es braucht auch das nötige Glück, um von schweren Verletzungen verschont zu bleiben.»
Ein Restrisiko bleibt, insbesondere bei den Abfahrten
Im Buch kam Carlo Janka auch auf den schlimmen Sturz seines Teamkollegen Daniel Albrecht bei der Hahnenkamm-Abfahrt 2009 zu sprechen. Er sei damals als 22-jähriger ein Neuling gewesen und startete im zweiten Trainingslauf nach Dani und erlebte dessen fürchterlichen Sturz am Fernsehen (im Starthaus). «Es war ein schrecklicher Moment, auf den mich niemand vorbereitet hatte. Ich fühlte mich beschissen und allein.» Am Tag danach fand der Super G statt. «Ich habe keine Erinnerung mehr daran. Mein Kopf war leer.» Es wurde ihm bewusst, dass Abfahrten keinen einzigen kleinen Fehler verzeihen. «Ich habe nie 100 Prozent gegeben, auch in den Rennen nicht, sondern 98 Prozent.»
Er habe zum Glück keine schweren Verletzungen erlitten. Doch auch er erlebte die Höhen und Tiefen eines Spitzensportlers in extremis. «Ich bin froh, dass ich gesundheitlich fast keine Einschränkungen habe und meinen Kindern das Skifahren beibringen kann.» Nach der Lesung und dem Talk beantwortete Carlo Janka die vielen Fragen des Publikums. Anschliessend waren seine persönlichen Widmungen «heiss» begehrt.
Kathrin Aerni



