Es gibt Erlebnisse, die nimmt man mit und sie schlagen im Alltag Wurzeln. Das Konzert des Jugendchors gehört definitiv dazu.
Vielfarbige Kleckse hingen von der Decke oder strahlten dank UV-Beleuchtung graffitiähnlich von den Wänden. Ein Tor, das in seiner ...
Es gibt Erlebnisse, die nimmt man mit und sie schlagen im Alltag Wurzeln. Das Konzert des Jugendchors gehört definitiv dazu.
Vielfarbige Kleckse hingen von der Decke oder strahlten dank UV-Beleuchtung graffitiähnlich von den Wänden. Ein Tor, das in seiner Randstruktur ältere Semester an die Fernsehserie «Stargate» erinnerte, stand in der Mitte. Das Licht im Saal ging aus, rechts und links öffneten sich die Türen. Ganz still platzierten sich die Jugendlichen an den Seiten bevor sie, von Applaus begleitet, endgültig die Bühne eroberten.
«A.P.T.» von Rosé und Bruno Mars, «Companiero» von Halunke - platzten fast vor Temperament. Wer zu den treuen Fans des Chores gehört, entdeckte immer wieder bekannte Gesichter. Manch ein scheues Mädchen oder zurückgezogener Junge waren über die Jahre hinweg aufgetaut und kaum zu bremsen.
Das Leben im Moment
Doch schon bald erklang Melancholie. Fast im Dunkeln lauschte das Publikum dem Pink Floyd Song «Wish you were here». Unwillkürlich konzentrierte man sich auf die Lichterkugeln in den Händen der Sängerinnen und Sänger.Es war eine eindringliche Mahnung für das Leben im Moment. Und wie facettenreich dasselbe ist, zeigten die beiden Stücke vor der Pause. Sheila Lüscher und Rachel Gray interpretierten als Solistinnen «Raise Me Up» auf eine Weise, die nicht wenige zu Tränen rührte. Den Kontrapunkt bildete Adrian Sterns «Lieber Lieder».
Nicht zu vergessen die szenischen Aspekte des Abends. Nachdem drei junge Frauen das Tor entdeckt hatten, um festzustellen, dass es sich nicht öffnen liess, suchten sie nach Unterstützung. «Lass uns den Gemeindepräsidenten fragen - der weiss bestimmt eine Lösung.» Ganz so einfach war es nicht. Weder Wissenschaft noch reine Muskelkraft halfen. Eine dunkle Stimme gab Rätsel auf: «Die Einheit zählt.
Aber nur wer die Vielfalt versteht, kann eintreten.»
Die Lösung entwickelte sich Lied für Lied, Szene für Szene. «We are one» der Mottosong des Abends lieferte die Antwort im Miteinander von Publikum und Jugendlichen. Projektleiterin Simone Gysi und der musikalische Leiter Emanuel Steffen teilten den Zeilen des Refrains Bewegungen zu - alle machten begeistert mit. Szenisches gab es ausserdem auf der Leinwand zu sehen. Der Jugendchor hatte Zuhause am See und im Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau einen Film gedreht.
Und als ob all diese Impressionen noch nicht genug wären, ist sehr aufmerksamen Zuschauern aufgefallen, dass die Farbkleckse des Bühnenbildes langsam ins Weisse wechselten. Parallel trugen immer mehr Jugendliche farbenfrohe Bühnenoutfits. Die Zeit des Flowerpowers wäre dagegen blass dahergekommen. «Der Abend ist ein Feuerwerk an Eindrücken - ich glaube nicht, dass ich alles gesehen habe», sagte eine Frau aus dem Publikum.
Der international erfolgreiche Rollstuhlsportler Heinz Frei, der Gast am Sponsorenkonzert war, drückte es so aus: «Zwischen eurem Engagement und meinem gibt es Parallelen. Hinter allem motiviert uns die Freude. Auch wenn wir beim Training schwitzen, wenn manches nicht leicht fällt, stellen wir fest: Es hat sich gelohnt. Und ihr dürft stolz sein, auf die Freude, die ihr uns heute Abend bereitet habt.»
Graziella Jämsä