Der Seetaler will schnelles Saisonende
23.04.2026 SportDer HSC Suhr Aarau gewinnt nach der Startniederlage von letzter Woche das zweite Playout-Spiel auswärts in Stäfa und entscheidet auch die dritte Partie hauchdünn für sich.
Da war es wieder, das verschmitzte Lachen des Urs Mühlethaler. Es war ...
Der HSC Suhr Aarau gewinnt nach der Startniederlage von letzter Woche das zweite Playout-Spiel auswärts in Stäfa und entscheidet auch die dritte Partie hauchdünn für sich.
Da war es wieder, das verschmitzte Lachen des Urs Mühlethaler. Es war dasselbe Lachen, das der 72-Jährige schon vor ziemlich genau 27 Jahren aufgesetzt hatte, als er den damaligen TV Suhr Handball zum ersten Meistertitel coachte. Nun aber stand die dritte Partie der Playoffs gegen Handball Stäfa an. Die zweite ging nicht zuletzt dank verändertem Selbstbewusstsein an die Aargauer, und manch einer fragte sich, welches «Kaninchen» denn der kurzfristig zurück an die Seitenlinie des HSC Suhr Aarau geholte Altmeister nun wieder aus dem Hut ziehen sollte.
Mühlethalers Trickkiste
Wer den Spielern beim Aufwärmen zusah, entdeckte die Lösung alsbald. Das Kaninchen entpuppte sich als Patrick Strebel. Der 33-jährige Seetaler – er begann seine Karriere bei Handball Seengen und wechselte 2004 zum Suhrer Nachwuchs – gestählt aus über 300 NLA-Partien, gab nach vier Jahren Abstinenz überraschend sein Comeback. Nach gut 10 Minuten stand er erstmals wieder auf der Platte. Bis dahin hatte der HSC bereits einen Blitzstart hingelegt. Insbesondere Topskorer Nicos Sarlos, der nach 8 Minuten bereits fünf der sechs Suhr-Aarauer-Tore auf seinem persönlichen Konto hatte. Mit vier Toren lag der HSC kurz darauf vorne. Dann ging der unglücklich agierende Topskorer der Stäfner, der Ex-Suhrer Mathias Adler entmutigt vom Platz und läutete aber sogleich eine Aufholjagd der Gäste ein. Nach 20 Minuten war das Skore wieder ausgeglichen. Mehr noch, die Gäste gingen gar in Führung. Gegen Ende der ersten Hälfte fing sich der HSC wieder und dank des parierten Siebenmeters von Dragan Marjanac ging es mit einem 18:18 in die Pause.
Die Gäste erwischten den besseren Start in die zweite Hälfte. Meist führten sie mit einem oder zwei Toren Vorsprung. Erst gegen Ende der Partie gelang dank weniger technischen Fehlern und mit der Unterstützung des Publikums – 1182 Fans füllten die Schachenhalle ansehnlich – die Wende. Das Schlussresultat von 31:30 stand schon nach knapp 58 Minuten auf der Tafel. Die restlichen Bemühungen der Stäfner, inklusive einem Freiwurf nach der Sirene, der schmerzhaft am Kopf von Sarlos abprallte, fruchteten nicht mehr.
Eine Herzensangelegenheit
Und wie erlebte Patrick Strebel die Partie? «Wir sind gefühlt hundert Tode gestorben, aber am Schluss irgendwie immer wieder aufgestanden, zurückgekommen und im entscheidenden Moment da gewesen. Das ist, glaube ich, einfach wichtig in so Situationen. Es ist egal wie», analysierte er wenige Momente nach Spielende. Strebel habe zwar seit seinem Rücktritt keinen Ball mehr gespielt, ausser denen, die er als Headcoach der beiden Frauenteams beim LK Zug seinen Spielerinnen im Training zuwarf. Er ist vielleicht nicht mehr der Schnellste, vermochte aber dank seiner Erfahrung der Abwehr etwas mehr Stabilität zu geben. Und nicht zuletzt holte er mit seinem Stellungsspiel das eine oder andere Stürmerfoul des Gegners und damit Ballgewinn für sein Team heraus. «Ich fühle mich soweit gut. Wie fit ich tatsächlich bin, wird sich erst am nächsten Tag zeigen», sagte der Publikumsliebling, dessen beide Frauenteams fast geschlossen im Publikum sassen. «Aber als mein Herzensverein anfragte, war für mich die Sache schnell klar. Mir liegt so viel an diesem HSC Suhr Aarau. Und viele der jungen Spieler habe ich noch trainiert. Es sind meine Freunde, da konnte ich einfach nicht nein sagen.» Trotzdem hofft natürlich auch Strebel, dass seine Mannschaft am Mittwochabend (nach Redaktionsschluss) in Stäfa gewinnt und sein Comeback danach endet. Falls nicht, fände das letzte, entscheidende Spiel dieser Playouts am kommenden Samstag um 18 Uhr in der Aarauer Schachenhalle statt.
Roland Marti


