Die grösste Gefahr ist Fahrlässigkeit
30.07.2026 ReinachMit der Trockenheit ist die Brandgefahr so hoch, dass aus einem kleinen Funken schnell ein gefährlicher Brand entstehen kann. Ist die Feuerwehr deshalb nun im Dauereinsatz? Was sind besondere Gefahren? Der Feuerwehrkommandant Reto Eichenberger der Feuerwehr Oberwynental gibt einen ...
Mit der Trockenheit ist die Brandgefahr so hoch, dass aus einem kleinen Funken schnell ein gefährlicher Brand entstehen kann. Ist die Feuerwehr deshalb nun im Dauereinsatz? Was sind besondere Gefahren? Der Feuerwehrkommandant Reto Eichenberger der Feuerwehr Oberwynental gibt einen Einblick zur aktuellen Situation.
Nun ist das Feuerwerk für dieses Jahr verboten, aber wie handhabt die Feuerwehr solche Feiertage generell? Gibt es eine erhöhte Alarmbereitschaft?
Feuerwehrkommandant Reto Eichenberger: Nein, nicht mehr als sonst. Wir haben keinen speziellen Pikettdienst, wir sind immer in Alarmbereitschaft. Es hat schon Ausnahmen gegeben. Bei sehr trockenen Verhältnissen waren wir im Auftrag der Gemeinde Reinach schon mehrmals mit dem Tanklöschfahrzeug und einigen Personen vor Ort beim Höhenfeuer.
Janine Flückiger
Generell sind wir da. Wenn ein Alarm eingeht, müssen wir innerhalb von 10 Minuten mit dem Tanklöschfahrzeug und 6 Personen am Einsatzort sein. In der Gruppe müssen ein Offizier und Personen sein, die einen Atemschutztrupp bilden können. Wenn es nachts klingelt, heisst es: Pyjama ausziehen, Kleider anziehen, ins Feuerwehrmagazin fahren, die Brandschutzausrüstung anziehen und mit dem Tanklöschfahrzeug zum Einsatzort fahren. Die Alarmgruppen werden je nach Einsatzgrösse aufgerufen. Das heisst zum Beispiel, bei einem Küchenbrand würden nicht alle einen Alarm erhalten, bei einem kompletten Hausbrand hingegen erhält die gesamte Feuerwehr den Alarm. Vor Ort entscheidet dann der Einsatzleiter, ob er noch mehr personelle Mittel benötigt. Dies koordiniert der Einsatzleiter über die kantonale Notrufzentrale.
Insgesamt besteht die Feuerwehr Oberwynental aus 112 Feuerwehrfrauen- und Männern. Bei den rund 20’000 Einwohnern der vier Gemeinden Menziken, Reinach, Pfeffikon und Leimbach liegt der Sollbestand bei 110 Feuerwehrangehörigen, vorgegeben von der Aargauischen Gebäudeversicherung.
Wie lief das bisherige Jahr für die Feuerwehr Oberwynental?
Im laufenden Jahr wurden wir, im Vergleich zu anderen Jahren, zu mehr Einsätzen alarmiert. Es sind jedoch, anders als es vermuten lässt, nicht eine grössere Anzahl an Bränden. Vielmehr sind es viele kleinere Einsätze, wie Brandmeldeanlagen oder Öl auf den Strassen.
Anders als auf kantonaler Ebene betrachtet, hatten wir, trotz der Trockenheit, zum Beispiel noch keine Flurbrände.
Wie kann ein Flurbrand entstehen?
Zum Beispiel beim Strohballenpressen auf dem Feld, durch einen Stein kann ein Funke entstehen, der einen Brand auf einem Stoppelfeld entfacht. Weggeworfene Raucherwaren oder eine Glasscherbe können auch Ursache für Flurbrände sein.
Gibt es ein erhöhtes Risiko für die Feuerwehrleute selbst, wenn sie bei 35 Grad plus in kompletter Ausrüstung einen Einsatz haben?
Ja, dies auf jeden Fall. Im Atemschutzeinsatz, mit dem 15 kg schweren Atemschutzgerät auf dem Rücken, ist die Gefahr gross, eine Überhitzung zu erleiden. Da müssen wir bei diesen Temperaturen vermehrt darauf achten, dass die Einsatzkräfte genügend Wasser trinken. Auch vermehrte Pausen, beziehungsweise schnellere Wechsel in einem Einsatz sind wichtig. Bei diesen hohen Temperaturen ist die Arbeit mit dem Atemschutzgerät vielleicht noch während 20 Minuten möglich, bevor eine Pause nötig wird. Der Körper kann da schon an seine Grenzen kommen.
Haben Sie Tipps, um das Brandrisiko zu minimieren?
Das aktuelle Verbot von offenem Feuer hilft hierbei mit Sicherheit. Im Allgemeinen ist sicherlich der richtige Umgang mit der Asche zu beachten. Es wird oft unterschätzt, dass vermeintlich kalte Asche auch nach drei Tagen noch Glut enthalten kann. Wenn diese umgeschüttet wird, gelangt Sauerstoff an die Glut und es kann erneut ein Feuer entstehen. Die sicherste Variante ist ein Ascheneimer, die gibt es in jedem Baumarkt.
Ebenso birgt das Unkrautvernichten mit dem Unkrautbrenner eine grosse Gefahr. In der Nähe einer Hausfassade, einer Thujahecke oder ähnlichem ist die Gefahr enorm gross, einen Brand zu verursachen. Die aktuelle Trockenheit verschärft die Situation noch zusätzlich. Pro Jahr werden so einige Brände verursacht, auch in unserem Einsatzgebiet.
Wie ist das richtige Vorgehen bei einem Brand?
Sicherlich sollte keiner den «Helden spielen». Als erstes ist die Nummer 118 zu wählen. So gehen keine wertvollen Minuten verloren, wenn das noch kleine Feuer nicht selbständig unter Kontrolle gebracht werden kann.
Was sind häufige Brandursachen?
Oft sind es unpassende Ladekabel oder wenn die Kinder beim Spielen die Herdplatte einschalten und auf dem Kochherd Material gelagert wird. Auch unsachgemässe Handhabungen verursachen oft Brände, wie zum Beispiel das Wegwerfen von brennenden Raucherwaren.
Würden Sie sagen, dass es sich oft um Fahrlässigkeit handelt?
Ja, auch dies kommt leider oft vor.
Was empfehlen Sie den Menschen im Allgemeinen als Sicherheitsmassnahme zuhause?
Eine Löschdecke ist in jedem Fall sinnvoll. Ausserdem ist sie günstig erhältlich. Zu beachten ist dabei die Grösse, ich empfehle 1.20 Meter auf 1.80 Meter. Mit einer Löschdecke, kann z.B. brennendes Öl in einer Pfanne, ohne Schaden zu hinterlassen, sicher und schnell gelöscht werden.
Beim Einsatz von Pulver-Feuerlöschern entsteht zusätzlicher Sachschaden. Das Pulver geht in jede kleinste Ritze und Metallstücke beginnen durch einen chemischen Prozess nach Kontakt mit dem Pulver zu rosten. Wichtig ist zu beachten, dass brennendes Speiseöl auf keinen Fall mit Wasser gelöscht werden darf. Wenn versucht wird, eine brennende Pfanne mit Wasser zu löschen, verdampft das Wasser in Sekundenbruchteilen und mit dem brennenden Öl entsteht eine Stichflamme. Wer für die Küche dennoch einen Feuerlöscher bereitstellen möchte, muss einen speziellen Feuerlöscher für Fettbrände (Brandklasse F) anschaffen.
Mit dem aktuellen Feuerverbot dürfen nur noch Gas- und Elektrogrills verwendet werden. Das kantonale Merkblatt zum Feuerverbot weist darauf hin, auf Brandrisiken in der Umgebung zu achten und Löschmittel bereitzuhalten. Dazu eignet sich eine Löschdecke hervorragend.
Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Wir schreiben im Herbst alle Einwohner und Einwohnerinnen an, welche im Folgejahr 24 Jahre alt werden. Auch die Neuzuzüger bis 36 Jahre werden angeschrieben und an einen Informationsanlass eingeladen. Gerade bei diesen haben wir guten Erfolg. Die Feuerwehr ist eine Möglichkeit der Integration in die Dorfgemeinschaft, man kann gut neue Kontakte knüpfen.
Wie werden Sie den 1. August feiern?
Wir besuchen die Bundesfeier der Gemeinde Reinach und werden am Abend mit der Familie gemeinsam feiern und essen.
Feuerwerk hätten wir ohnehin nicht gekauft, auch wenn mir die grossen Feuerwerke schon gefallen. Drohnenshows finde ich eine gute Alternative, vielleicht etablieren sich diese in den nächsten Jahren noch etwas mehr.



