Die richtige Vorbereitung ist das A und O

  18.06.2026 Region

Wandern gehört in der Schweiz fest zur Kultur – sei es in der Schule, im Verein oder privat. Die Bewegung in der Natur bietet Menschen jeden Alters und jeglicher Fitnessstufe die Möglichkeit, aktiv zu sein und gleichzeitig die Landschaft zu geniessen. Doch damit das Wandervergnügen nicht zur Tortur wird, braucht es bei der Vorbereitung mehr als nur das Aromat und ein Rivella im Gepäck.

Warum weit wegfahren, wenn die Schweiz selbst für ihre wunderschönen Wandergebiete bekannt ist? Wandern gilt als Sportart für jedermann. Die Schwierigkeit und Länge einer Tour können individuell an die eigene Fitness angepasst werden. Gerade deshalb erfreut sich das Wandern grosser Beliebtheit.

Janine Flückiger

Auch bei Seniorinnen und Senioren. Bei der Pro Senectute Aargau nehmen regelmässig bis zu 40 Personen an geführten Wanderungen teil. Wer Gesellschaft sucht und sich auf eine perfekt organisierte Tour verlassen möchte, ist dort gut aufgehoben. Auch stets willkommen bei der Stiftung sind engagierte Personen, die solche Wanderungen als Leiter organisieren und durchführen möchten. So wie Hans Heinrich Eichenberger, der seit 17 Jahren als Wanderleiter bei der Pro Senectute Aargau bewegungsfreudige Seniorinnen und Senioren sicher durch die Schweizer Natur führt. Ebenso setzt sich Myriam Küng als Stellenleiterin des Standorts in Reinach für die älteren Menschen in der Region ein und hat die Wandergruppe selbst schon begleitet. «Ich war über das Tempo der Gruppe erstaunt», erzählt die junge Leiterin.

Die praktische App

Auf die Frage, wie hoch die Unfallquote sei, antwortet Eichenberger: «Wir haben zum Glück sehr wenig Zwischenfälle.» Das führe er vor allem auf die sorgfältige Vorbereitung zurück. «Wir rekognoszieren jede Wanderung.» Bei der Planung hilft heute ausserdem die App «Schweiz Mobil», welche auch die Wanderleiter der Pro Senectute Aargau nutzen. Dort lassen sich Wanderungen direkt auf der Karte auswählen, inklusive Angaben zu Distanz, Dauer und Höhenunterschieden. Zudem kann der Schwierigkeitsgrad angepasst werden. «Wir bieten auch Kurse für die Nutzung der App an», fügt Myriam Küng hinzu.

Die App kann auch unterwegs genutzt werden und zeigt den aktuellen Standort an. Dennoch rät Myriam Küng dazu, zusätzlich Karten auszudrucken. Denn ein leerer Akku, fehlender Empfang oder Überhitzung des Handys könnten schnell zum Problem werden. Für längere Touren empfiehlt Eichenberger deshalb auch eine Powerbank mitzunehmen.

Schweiz Mobil vereinfacht vieles in der Planung, dennoch bleibt ein entscheidender Punkt einem selbst überlassen: «Die Person muss sich ihrer körperlichen Verfassung bewusst sein», betont Eichenberger. Denn oft sei es die Selbstüberschätzung, die zu Unfällen führt. Während man hier in der Region meist schnell wieder auf Zivilisation trifft, kann eine Überschätzung der eigenen Kräfte im Gebirge lebensgefährlich werden. «Man fühlt sich nicht jeden Tag gleich fit. Deshalb sollte man nicht mit dem Kopf erzwingen, was der Körper nicht aushält», betont Myriam Küng. Allgemein sei es nützlich, sich im Voraus zu überlegen, wo eine Wanderung notfalls abgebrochen werden könnte und ob es in der Nähe öffentliche Verkehrsmittel gibt.

Das richtige Equipment

«Theoretisch kann man seine Schuhe anziehen und loswandern», sagt Myriam Küng. Doch eben, weil das Wandern so rasch umsetzbar ist, kann es auch leicht Gefahren mit sich bringen. Im Gespräch mit den beiden wird schnell klar: Unabhängig vom Alter, die richtige Vorbereitung ist das A und O.

Nachdem die gewünschte Route definiert ist, gilt der nächste Blick der Ausrüstung und dem Gepäck. Dazu gehören die richtig gewählten Wanderschuhe, welche sich für das erstrebte Gelände eignen. Ebenso sind eine Regenjacke und eine Kopfbedeckung empfehlenswert. Myriam Küng trägt beispielsweise immer ein Halstuch bei sich, das bei Bedarf auch als Stirnband genutzt werden kann. Optional können Wanderstöcke eine Erleichterung bieten. Dabei weist der erfahrene Wanderleiter darauf hin, dass vorab eine Eingewöhnung, mit den Wanderstöcken zu gehen, hilfreich ist.

Auch genügend Verpflegung gehört in den Rucksack. Gleichzeitig sollte dabei das Gewicht des Rucksacks nicht unterschätzt werden. Was zu Beginn noch leicht wirkt, kann nach mehreren Stunden wortwörtlich zur Belastung werden.

Genügend Pausen

Insbesondere zur aktuellen Jahreszeit empfehlen die beiden, bereits bei der Planung zu überlegen, wo die Mittagspause gemacht werden kann – idealerweise im Schatten. «Generell sind genügend Pausen wichtig», sind sich die beiden einig. Denn Müdigkeit, Muskelübersäuerung, Hitze oder Dehydrierung können schnell zu Unfällen führen. Ohnehin gehört für viele das Verweilen und Geniessen mitten in der Natur zu den schönsten Momenten einer Wanderung. «Ich nehme mir gerne Zeit, um die Blumen zu fotografieren. Dabei wurde ich auch schon gefragt, ob ich nicht bereits Fotos von dem Enzian habe», sagt Eichenberger schmunzelnd. «Ich antwortete: Nein, dieser ist anders als der letzte.»

Wichtige Nummern

Zu guter Letzt sollte eine kleine Notfallapotheke mit Gaze, Desinfektionsmittel, Pflastern, Blasenpflastern, Sonnencreme, Insektenspray und persönlichen Medikamenten nicht fehlen. «So eine kleine Reiseapotheke ist in der Regel in jeder Apotheke erhältlich», sagt der Wanderleiter. Für den Notfall gilt die Nummer 144. Hans Heinrich Eichenberger betont, dass man im Ernstfall nicht zu lange warten sollte, bevor Hilfe gerufen wird. Küng ergänzt, dass sie wichtige Telefonnummern zusätzlich auf Papier notiert habe. «Wenn mein Handyakku leer ist, wüsste ich keine Nummer auswendig», sagt die Stellenleiterin kopfschüttelnd.

In der Region oder doch weiter weg?

Gerade bei Bergtouren rät der erfahrene Wanderleiter davon ab, allein unterwegs zu sein. Im Flachland hingegen, wie hier in der Region, stehe einer Einzeltour meist nichts im Weg. Besonders für Menschen, die in den Ferien nicht verreisen möchten oder können, bietet die Region zahlreiche Möglichkeiten. «Ich glaube, die wenigsten kennen unsere schöne Natur so gut, wie man sie eigentlich kennen könnte», sagt Eichenberger.

Da in der Schweiz fast jeder jemanden kennt, der regelmässig wandert, empfiehlt der Wanderprofi, sich im persönlichen Umfeld nach Routentipps zu erkundigen. Beispielsweise seien der Stierenberg oder die Strecke von Menziken nach Beromünster entlang der Wyna sehr schön. Die Route vom Entenweiher Reinach zum Entenweiher Menziken eigne sich speziell für Familien sehr gut. Ausserdem kann er die AargauSüd-Wanderwege nur jedem ans Herz legen. «Diese sind mit weissen Schildern gekennzeichnet und die Routen sind sehr gut unterhalten», schwärmt der erfahrene Wanderleiter. Die Routenübersicht kann in den Gemeinden Menziken und Reinach am Schalter abgeholt werden und steht auch im Internet auf www.aargausued.ch zum Download bereit.

Wanderungen lassen sich auch ideal mit einem Museumsbesuch oder einem Aussichtspunkt wie dem Esterliturm kombinieren. Gerade für Familien mit Kindern bietet eine solche Kombination Abwechslung. So bleibt das Wandern für Kinder und Erwachsene spannend. Auch die Pro Senectute Aargau verbindet Wanderungen gelegentlich mit Besichtigungen oder Naturbeobachtungen – etwa am Klingnauer Stausee, wo Teilnehmende Vögel beobachten und dem Vortrag eines Biologen lauschen konnten.

Gerade für Familien hält der engagierte Wanderleiter noch einen Tipp bereit: «Ein kleines Buch mit den wichtigsten Pflanzen mitnehmen. Das gestaltet eine Wanderung für Kinder spielerisch und lehrreich. Zudem fördert es einen respektvollen Umgang mit der Natur.» Denn unumgänglich ist eine wertschätzende Haltung gegenüber der Natur beim Wandern. Dazu gehört auf dem Weg bleiben, keine Blumen auszureissen und den Müll nicht liegen zu lassen. Bei Brutzeiten Abstand gewähren und die Lautstärke regulieren, wenn junge Tiere in der Nähe sein könnten, ist ebenso wichtig.

Wandern eignet sich für alle und damit diese vielfältige Aktivität eine Freude bleibt, ist es umso wichtiger, auf sich selbst und seine Umgebung achtzugeben. Für Hans Heinrich Eichenberger und Myriam Küng steht beim Wandern vor allem eins im Vordergrund: «Wandern soll kein Spitzensport sein. Vielmehr sollen der Genuss, die Achtsamkeit sowie das Beobachten von Tieren und der Natur im Mittelpunkt stehen.»

CHECKLISTE

Auf der App «Schweiz Mobil» kann die Route je nach Wunsch geplant werden. Die Pro Senectute Aargau bietet regelmässig Kurse für die Benutzung der App an. Für die Region bieten auch die AargauSüd Wanderwege empfehlenswerte Routen an. Diese können am Schalter der Gemeinden Reinach und Menziken bezogen werden.

• Eingelaufene Wanderschuhe
• Kopfbedeckung
• Regenjacke
• Je nach Gebiet eine ausgedruckte Karte und Notfallnummer
• Powerbank
• Notfallapotheke, inkl. Sonnencreme, evt. Insektenspray
• Genügend Verpflegung
• In der Planung beachten, wo die Wanderung abgebrochen werden könnte
• Am Tag der Wanderung reflektieren, wie fit fühle ich mich heute?
• Wenn alleine unterwegs, jemanden informieren, in welchem Gebiet man sich befindet.


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