Ein Alphorn in den Anden und Jodeln am Pazifik
15.10.2026 Seetal, SeengenAm 7.April machten sich Sabine Bachmann-Frey (Akkordeon), Andrea Stocker (Akkordeon), Sven Bachmann (Klarinetten), Monika Bättig (Jodel), Susanne Geist (Blockflöte), Erich Güntensperger (Perkussion), Thierry Roggen (Kontrabass), Franziska Wigger (Gesang, Jodel) und ...
Am 7.April machten sich Sabine Bachmann-Frey (Akkordeon), Andrea Stocker (Akkordeon), Sven Bachmann (Klarinetten), Monika Bättig (Jodel), Susanne Geist (Blockflöte), Erich Güntensperger (Perkussion), Thierry Roggen (Kontrabass), Franziska Wigger (Gesang, Jodel) und Hanspeter Wigger (Büchel, Alphorn, Trompete) auf den Weg nach Ecuador. Auf einer mehrwöchigen Konzert-Tournee bereisten sie das südamerikanische Land. Sven Bachmann und Sabine Bachmann-Frey sprechen über die berührend begeisterte Zeit.
«Unsere Ausgangslage war wunderbar – alle Musikerinnen und Musiker sind samt aller Instrumente in Quito angekommen», schildert Sven Bachmann. Das klingt, als wären böse Überraschungen gefolgt? Alle beide schütteln spontan die Köpfe. Sabine Bachmann-Frey präzisiert: «Überraschungen ja – aber keine negativen.» «Organisation hat in Ecuador einfach eine ganz andere Bedeutung als in der Schweiz», sagt Sven Bachmann. Ein Beispiel sei das Konzert in Baños gewesen. «Wir kamen an besagter Adresse an, es war eine hübsche Gartenwirtschaft. Wir richteten uns mit den Instrumenten ein und wunderten uns, weil einfach niemand da war.» Irgendwann habe sich der Wirt draussen auf der Strasse hingestellt. «Es hat gepfiffen, kurz darauf war alles voll.» Sabine Bachmann-Frey nickt und fügt hinzu: «Es wurde ein wunderbarer Abend.»
Graziella Jämsä
Fünf Konzerte hatte Sabine Bachmann-Freys Cousin im Vorfeld geplant. «Zwei der ursprünglichen Anlässe sind geblieben. Dafür kamen andere dazu. Am Ende waren es sogar sechs Konzerte.» Dafür reiste «La Jalousie plus» von den Bergen bis an den Pazifik und zurück in die Hauptstadt Quito. «Wir hatten einen Reisebus mit Chauffeur, der so viel mehr gemacht hat, als einfach zu fahren», ist sich das Paar einig. Die Assoziationen fangen zu tanzen an. «Erinnerst du dich an den Moment in Jama, als wir ins Museum gingen?» Sie hätten mehr über die Region erfahren wollen. Sabine Bachmann-Frey fährt fort: «Stattdessen haben uns die Mitarbeitenden gefragt, ob sie ein Foto mit uns machen könnten. Es gibt eher wenige Europäer in Ecuador, unser Aussehen war für sie ebenso speziell wie unser Interesse. Herzliche Neugier von allen Seiten.» Sven Bachmann strahlt beim Gedanken an den Auftritt in einer deutschen Schule. «Die Reaktion des Departementchefs war ein unglaubliches Kompliment. Er sagte: «Das Haus ist euer.»
Härdöpfel des Landes
Bei hunderten Kilometern und Höhenunterschieden von mehreren 1000 Metern ist nie einer krank. «Einzig die Höhenkrankheit war anfangs beim einen oder anderen Thema.» Aber sie seien in der Apotheke sehr gut beraten worden. «Das war unser Glück. Denn auch wenn wir sehr gut auf die Reise vorbereitet waren, die mitgebrachten Präparate halfen nicht. Was sie, laut der Apothekerin, auch nie tun.» Und die kulinarischen Entdeckungen wurden ebenso gut vertragen? «Das Essen unterscheidet sich nicht grundlegend», erklärt Sven Bachmann. «Aber in Teilen.» Sabine Bachmann-Frey wartet nicht auf den nächsten Gedanken ihres Mannes. «Es gab Früchte in Hülle und Fülle. Mehr als sechs verschiedene Sorten von Bananen, wobei die Kochbanane als Härdöpfel des Landes bezeichnet werden kann.» Ansonsten habe viel Fleisch auf den Speisekarten gestanden, meist in frittierter Version. «Da musste man dann einfach selbst ein bisschen auf sich achtgeben.»
Worüber sich das Paar aber sehr bewusst ist: «Unsere Reise hat in einen äusserst privilegierten Rahmen stattgefunden.» Im Bus geführt, in guten Hotels untergebracht, immer in der Gruppe unterwegs, vom Wissen der lokalen Gastgeber geschützt. «Ein Viertel der Menschen in Ecuador lebt unter der Armutsgrenze. Drogenhandel, Bandenkriege, eine Regierung, die das Militär im Zeichen der Sicherheit einsetzt. Ecuador ist kein Land, das man sich einfach auf die Liste der Reiseziele setzt», betont Sven Bachmann. Die Kontraste wären auf längere Sicht kaum aushaltbar. «Auf der einen Seite blenden einen 8000 Kilo Blattgold in der Kirche «La Compañía de Jesús» in der Hauptstadt. Auf der anderen Seite haben Menschen kaum genug Kleidung.»
Orchester auf und neben der Bühne
Umso dankbarer seien sie für all die schönen Momente dieser Reise. «Obwohl wir Musikerinnen und Musiker uns vorher gar nicht alle kannten, ist aus uns ein Orchester auf und neben der Bühne geworden», schildert Sabine Bachmann-Frey versonnen. Das sei nicht als selbstverständlich zu betrachten. «Und es hat auch dazu beigetragen, dass wir unser Programm, das aus so vielen Komponenten besteht, für jedes Konzert anpassen konnten.» Sven Bachmann folgt dem Gedanken. «Man stelle sich vor, dass wir Menschen ein Alphorn zu Gehör brachten, die das Instrument sonst wohl nie kennengelernt hätten.» Das werde vermutlich keine Leben langfristig auf den Kopf stellen. «Trotzdem…» Die beiden versuchen, die Vielfalt der Reiseassoziationen für einen Aussenstehenden fassbar zu machen: «Die Musik als solche kennt keine Grenzen. Klänge verbinden. So schafft Musik gleichzeitig Weite in den Köpfen wie Freiraum im Herzen.»
«La Jalousie plus» Retour-Konzert, Samstag, 31. Oktober, 19 Uhr im Polifonia Musiksaal Seengen






