Ein herzliches «Grüezi» für den Aargauer Wald
27.08.2026 RegionDer Aargauer Wald wird geliebt und im Sommer stark besucht. Doch die Vielfalt der Waldbesucher führt zunehmend zu Reibereien unter den Waldliebhabern und auch gegen Forstmitarbeiter. Die kantonale Kampagne «I love Aargauer Wald» setzt mit feinem Humor, Verständnis und ...
Der Aargauer Wald wird geliebt und im Sommer stark besucht. Doch die Vielfalt der Waldbesucher führt zunehmend zu Reibereien unter den Waldliebhabern und auch gegen Forstmitarbeiter. Die kantonale Kampagne «I love Aargauer Wald» setzt mit feinem Humor, Verständnis und einem überarbeiteten Wald-Kodex an, um das Miteinander zu fördern und das eigene Verhalten zu überdenken.
Gerade in den heissen Sommermonaten zieht es die Bevölkerung für Aktivitäten aller Art in den kühlen Wald. Doch so einfach es ist, Waldliebhaber zu finden, so komplex ist die Art und Weise, wie das Grün genutzt wird. Die Ansprüche an den Lebensraum könnten kaum vielseitiger sein – und genau hier liegt das Konfliktpotenzial.
Vom Slalom auf den Waldwegen
Die Szenarien auf den Aargauer Waldwegen sind so vielseitig wie die Bevölkerung selbst. Da sind die Grosseltern, die mit ihren Kleinen die Geheimnisse des Waldes entdecken – oft neben den Gehwegen im Unterholz. Nur ein paar Meter weiter suchen Sportbegeisterte auf dem Vitaparcours den Ausgleich zum Alltag, während Mountainbiker auf den schmalen Wegen den sportlichen Kick und das Adrenalin bei der Abfahrt suchen.
Dominique Rubin
Treffen diese unterschiedlichen Welten unvorbereitet aufeinander, ist die Idylle schnell vorbei. Wenn ein sportlicher Biker überraschend um eine Kurve biegt und dabei beinahe in einen Hund oder dessen Frauchen oder Herrchen knallt, ist der Schreckmoment auf beiden Seiten gross. Auch das enge Vorbeifahren mit dem Bike an Hunden wird nicht geschätzt – weder vom Tier noch vom Halter. Solche Situationen bilden oft die Basis für hitzige Diskussionen. Statt eines freundlichen «Grüezi» fällt auf den Waldwegen dann eher ein bitteres «Chönned Sie ned besser ufpasse?» Die Stimmung unter den Waldbesuchern leidet spürbar. Dabei wäre die Lösung simpel: Mit Freundlichkeit und gegenseitigem Verständnis kommt man am weitesten.
Lebensgefahr durch ignorierte Absperrungen
Dass der Respekt schwindet, spürt auch Christian Siegrist, Betriebsleiter und Revierförster beim Forstbetrieb aargauSüd, tagtäglich. Er und sein Team erleben zunehmend eine ganz andere Form der Rücksichtslosigkeit. Oft ignorieren Fussgänger, Pilzesammler und Biker die Absperrungen während laufender Waldarbeiten, erklärt Siegrist. Dies passiere vor allem auch am Wochenende, wenn die Sicherheitsabsperrungen aufgrund anhaltender Gefahren bestehen bleiben müssen. Die Unfallgefahr in diesen Zonen sei gross – und absolut vermeidbar, so der Revierförster.
Diese Unbekümmertheit belastet die Forstwarte zunehmend. Hinzu kommt das Unverständnis der Bevölkerung gegenüber notwendigen Rodungen und die Behinderung der Forstarbeiten durch wild parkierte Autos von Waldbesuchern. Neben dem logistischen Frust wächst auch der Müllberg im Forstrevier: Die illegale Deponierung von Abfall, Säcken mit Windeln oder Küchenabfällen belastet die Natur immer mehr.
Ein Kodex für das Wohnzimmer der Tiere
Um dieser Entwicklung Gegensteuer zu geben, wurde der Wald-Kodex «I love Aargauer Wald» ins Leben gerufen. Die Kampagne geniesst eine breite Unterstützung querbeet durch Vereine, Organisationen und kantonale Departemente, bei denen alle an einem Strang ziehen. Ein einfach gestalteter Flyer bringt die Kernbotschaften mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: «Sei ein Vorbild», «Störe keine Tiere» und «Halte den Wald sauber».
Die Erfahrungen mit der Kampagne sind laut Siegrist sehr gut. Ein herzliches «Grüezi» spaltet nicht, sondern verbindet, schafft Nähe und baut Ablehnung ab. Wahre Harmonie beinhaltet schlicht Respekt und Verständnis für das Gegenüber. Sportliche Mountainbiker sollten auf den offiziellen Waldwegen bleiben. Und wer mit den Enkelkindern die Natur entdecken will, findet dafür gelenkte, massgeschneiderte Angebote. Der Sagenweg am Stierenberg oder der neue Hombergwichtelweg, welcher seit seiner Eröffnung bereits mehrere tausend Besucher anzog sind Angebote, die das Miteinander und das Erlebnis Wald fördern. Die Wildtiere wissen genau, wo die Menschen durchgehen, meiden diese offiziellen Zonen gezielt und finden in den unberührten Bereichen des Waldes ihre nötige Ruhe.
Weitere Infos: iloveagwald.ch



